Sicherer Fahrspaß: Motorradfahren mit Hörgeräten

Sicherer Fahrspaß: Motorradfahren mit Hörgeräten

Wer Köpfchen hat, der schützt es: Das gilt besonders beim Motorradfahren. Doch Motorradfahren mit Hörgeräten ist manchmal nicht einfach: Sie verrutschen oder verstärken laute Geräusche im Inneren des Helms. Statt während der Fahrt auf sie zu verzichten, helfen Tipps vom Hörakustiker Motorradfahrern bei der Suche nach der passenden Lösung.

Die warmen, sonnigen Temperaturen des Frühlings locken rund 11 Millionen Motorradfahrer auf die Straße (Quelle: Statista). Der durchschnittliche deutsche Motorradfahrer ist dabei männlich und zwischen 50 und 59 Jahre alt – und damit vergleichsweise häufig von Schwerhörigkeit betroffen. Denn etwa ab dem 50. Lebensjahr nimmt die natürliche Leistungsfähigkeit des Gehörs ab. Umso wichtiger ist es, dass Hörgeräte-Träger ihre Hörgeräte auch unter dem Motorradhelm tragen.

Helm und Hörgeräte gehören zusammen

Doch Hörgeräte unter dem Motorradhelm gestalten sich oft schwierig. Schon beim Aufsetzen des Helms können sie verrutschen, sitzen anschließend nicht mehr richtig und sind mit den Händen unerreichbar, da der Helm eng am Kopf anliegt. Auch raschelt die Polsterung des Helms an den Mikrofonen der Hörgeräte, wodurch eine unangenehm laute Geräuschkulisse entstehen kann. Noch dazu kommt es unter dem abschottenden Helm häufig zu pfeifenden Rückkopplungen.

Viele Motorradfahrer überlegen deshalb, ob sie ihre Hörgeräte beim Motorradfahren überhaupt tragen sollen. Das birgt jedoch ein hohes Risiko: Motorradfahrer, die schlecht hören, nehmen ohne ihre Hörgeräte den Verkehr nicht ausreichend wahr. Nicht nur, dass Motorradfahrer Sirenen von Polizei- oder Rettungsfahrzeugen unter dem gepolsterten Helm nicht rechtzeitig hören – ohne Hörgeräte überhören sie beispielsweise auch Hupgeräusche oder Rufe anderer Verkehrsteilnehmer, wodurch sich die Unfallgefahr erhöht. Passiert etwas, verlieren sie unter Umständen sogar ihren Versicherungsschutz.

Welche Hörgeräte-Typen gibt es?

Über die Jahre haben sich zwei Hörgeräte-Typen etabliert: Hörgeräte, die im Ohr (kurz IdO oder IO) und Hörgeräte, die hinter dem Ohr (HdO) getragen werden.

  • Hörgerät-Typen I: Hinter-dem-Ohr-Hörgeräte: Sie liegen hinter der Ohrmuschel. Meist sieht man nur einen transparenten Schlauch, der ins Ohr reicht. Dieser transportiert den Schall zu einer Otoplastik, einem maßgefertigten Ohrpassstück, das in der Ohrmuschel sitzt. Sie eignen sich für fast jeden Hörverlust und auch für besonders kleine Ohren.
  • Hörgeräte-Typen II: Im-Ohr-Hörgeräte: Die Hörtechnik befindet sich in einem kleinen Gehäuse im Gehörgang. Im-Ohr-Hörgeräte fangen den durch die Ohrmuschel kanalisierten Schall mittels kleiner Mikrofone auf, modifizieren ihn und leiten ihn im Ohr auf kürzestem Weg direkt ans Trommelfell weiter. Ob ein IdO-Hörgerät in Frage kommt, hängt von der Größe und Beschaffenheit des Gehörgangs ab. Sie eignen sich vor allem bei leichten und mittleren Hörverlusten.

So klappt Motorradfahren mit Hörgeräten

Zum Motorradfahren mit Hörgeräten eignen sich die verschiedenen Hörgeräte-Typen unterschiedlich gut. Hörgeräte, die hinter dem Ohr getragen werden, sind weniger praktisch unter dem Motorradhelm. Da sie außerhalb des Ohres getragen werden, sind sie unter dem eng sitzenden Helm zwangsläufig im Weg. Eine möglichst optimal geformte Otoplastik wirkt dem Verrutschen entgegen. Im-Ohr-Geräte verbergen sich hingegen als kleine Kapseln unauffällig im Gehörgang – und kommen so nicht mit dem Helm in Berührung.

Bezüglich der Passform des Helms empfiehlt es sich, diesen direkt im Geschäft zu kaufen und nicht online zu bestellen. Denn vor Ort können Motorradfahrer, die schlecht hören, verschiedene Helme mehrere Minuten lang testen und so in Ruhe herausfinden, ob sie im Bereich der Ohren genug Platz lassen oder die Position der Hörgeräte verändern. Einige Helmverkäufer erlauben sogar, dass Motorradfahrer mit Schwerhörigkeit, die Hörgeräte unter dem Motorradhelm tragen wollen, den Helm vor dem Kauf mit zu ihrem Hörakustiker nehmen. Dieser kann die Hörgeräte dann hinsichtlich der Rückkopplungsunterdrückung auf den neuen Helm anpassen.

Was sind praktische Hörgeräte-Extras für Motorradfahrer?

  • Achten Sie unbedingt darauf, dass der Helm um die Ohrmuschel herum genügend Platz bietet. Er darf nicht auf die Ohren und die Hörgeräte drücken. Auch Brillenträger müssen eine Sitzprobe machen und ausprobieren, wie ihre Brillenbügel unter den Helm passen. Nicht nur für Im-Ohr-Hörgeräte, sondern auch für Hinter-dem-Ohr-Hörgeräte gibt es passende Helme.
  • Eine Windgeräuschunterdrückung blendet unangenehme Windgeräusche weitestgehend aus, wenn Motorradfahrer Hörgeräte unter dem Motorradhelm tragen. Diese praktischen Extras kann der Hörakustiker individuell einstellen.
  • Dank Bluetooth ist das Motorradfahren mit Hörgeräten jetzt noch praktischer: Mittlerweile gibt es viele Hörgeräte, die sich über Bluetooth mit dem Smartphone koppeln. Motorradfahrer mit Schwerhörigkeit können so während der Fahrt Anrufe wie mit einer Freisprecheinrichtung entgegennehmen sowie Musik oder Ansagen des Navigationsgeräts hören – direkt im Ohr.

Sportlich aktiv mit Hörgeräten

Aus audiologischer Sicht sollten Sie Ihre Hörgeräte immer tragen, auch beim Motorradfahren. Und auch anderen Sportarten stehen Schwerhörigkeit und Hörgeräte keinesfalls im Weg. Es kommt auf den richtigen Halt an: Sport-Clips können helfen, die Hörsysteme hinter dem Ohr zu befestigen. Moderne Hörsysteme sind zudem Spritzwasser-geschützt, sodass Joggen, Wandern oder Radfahren mit Hörgeräten kein Problem ist. Selbst bewegungsintensivere Sportarten wie Eislaufen oder Aerobic können herkömmlichen Hörgeräten nichts anhaben.

Hörakustiker in Ihrer Nähe wählen mit Ihnen das Modell aus, das am besten zu Ihren persönlichen Wünschen, Hobbies und Anforderungen des Alltags passt. Sie empfehlen die geeignete Bauform, fertigen individuelle Otoplastiken an und führen die notwendigen Anpassungen bei Software und Funktionen durch.

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