Erstattung

Wer trägt die Kosten für mein Hörgerät?

Der Hörgeräte-Markt in Deutschland bietet heute nahezu 2.000 unterschiedliche Modelle. Dank dieser Vielfalt stehen für jeden Schwerhörigkeitsgrad und für alle Ansprüche an technische Funktionalität, Ästhetik und Komfort passende Hörgeräte zur Verfügung. Die Kosten variieren je nach Ausstattung und Funktionsspektrum. Gesetzlich krankenversicherte Schwerhörige haben Anspruch auf eine aufzahlungsfreie Versorgung mit qualitativ hochwertigen digitalen Hörsystemen.

Optimale Hörgeräteversorgung bereits zum Nulltarif

Vielen Betroffenen stellt sich die Frage, ob sie die Kosten für ihre Hörgeräte komplett selbst tragen müssen. Das ist in Deutschland jedoch nicht der Fall. Denn hierzulande übernimmt die gesetzliche Krankenkasse die Kosten bis zur Höhe des sogenannten Festbetrages. Dadurch erhalten schwerhörige Menschen eine qualitativ hochwertige Hörgeräteversorgung ohne Aufzahlung. Voraussetzung hierfür ist, dass die Hörgeräte vom HNO-Arzt verschrieben wurden. Der Versorgungszeitraum beträgt sechs Jahre.

Kosten für mein Hörgerät

So bekommen Sie die Kosten für Ihre Hörgeräte erstattet

Der Weg zu Ihren Hörgeräten beginnt mit einem Hörtest bei einem Hörakustiker oder HNO-Arzt. Wird von ihm eine Schwerhörigkeit diagnostiziert, legt der HNO-Arzt nach einer gründlichen Untersuchung ihrer Ursachen, Art und Schwere die geeignete Therapieform fest. Verordnet er Hörgeräte, so haben gesetzlich Krankenversicherte Anspruch auf eine Hörgeräteversorgung als Sachleistung und auf Kostenübernahme bis zur Höhe des Festbetrages. Ein Anspruch auf eine Hörgeräteversorgung gegenüber der gesetzlichen Krankenkasse kann bereits ab einem Hörverlust von 20 Prozent bestehen.

Der nächste Schritt führt zu einem Hörakustiker, der Sie umfassend berät und mit Ihnen gemeinsam das am besten geeignete Hörsystem auswählt. Er bietet Ihnen mehrere Hörgeräte zum Testen und Vergleichen an, darunter stets auch mindestens eines, für das Sie keine Aufzahlung leisten müssen. Der Anpassungsprozess nimmt einige Zeit in Anspruch, denn oftmals muss gutes Hören erst wieder schrittweise erlernt werden. Der Hörakustiker justiert die Geräte daher immer wieder neu, bis Sie Ihr optimal eingestelltes und individuell passendes Hörsystem gefunden haben. Mit der erfolgreichen Anpassung ist der Service der Hörakustiker für Sie aber noch nicht erschöpft: Darüber hinaus bieten sie eine mehrjährige, kostenlose Nachsorge. Sie nehmen Feinanpassungen und kleinere Reparaturen vor, reinigen, beraten und wechseln – so erforderlich – auch die Batterien der Hörsysteme.

 

Die Hörgeräteversorgung ist eine Sachleistung

Da Hörgeräte medizinische Hilfsmittel sind, werden sie von der gesetzlichen Krankenversicherung als Sachleistung erbracht. Das heißt, die Leistung wird vom Leistungserbringer (dem Hörakustiker) direkt mit der Krankenkasse abgerechnet. Das Sachleistungsprinzip der gesetzlichen Krankenversicherung stellt die Erstattung ohne finanzielle Vorleistungen der Versicherten sicher. Wurden Ihnen von Ihrem HNO-Arzt Hörgeräte verordnet, haben Sie als gesetzlich Krankenversicherter Anspruch auf eine aufzahlungsfreie Versorgung. Diese umfasst neben der individuellen Anpassung auch eine umfassende Nachbetreuung durch den Hörakustiker während des sechsjährigen Versorgungszeitraumes.

 

Was ist ein Festbetrag?

Menschen, bei denen eine Hörminderung festgestellt wurde, erhalten bereits ohne eigene Zuzahlung moderne, leistungsfähige Hörgeräte. Dabei handelt es sich um medizinische Hilfsmittel, die nur auf der Grundlage von Verträgen zwischen den Krankenkassen und Leistungserbringern (Hörakustikern) oder deren Verbänden an Versicherte abgegeben werden dürfen. In diesen Versorgungsverträgen werden die Einzelheiten der Versorgung konkretisiert. Der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen hat für diese Versorgungsverträge eine Obergrenze bestimmt – den Festbetrag.

Seit dem Jahr 2013 beträgt der Festbetrag für ein Hörgerät 733,59 EUR (beziehungsweise 786,86 Euro für an Taubheit grenzende Schwerhörige), zuzüglich der Mehrwertsteuer. Bei beidohriger (binauraler) Versorgung gilt für das zweite Gerät ein Abschlag von 20 Prozent. Gesetzlich Krankenversicherte tragen stets nur den gesetzlichen Eigenanteil von zehn Euro pro Hörsystem. Da in der Regel beide Ohren versorgt werden, kann sich die von der Krankenkasse zu tragende Summe auf maximal 1.320,46 Euro (zzgl. Mehrwertsteuer) belaufen.

Der Festbetrag ist ein Höchstbetrag und kein Fixpreis. Das heißt, dass die tatsächlichen Vergütungen je nach Vertrag der einzelnen Krankenkasse variieren können. Über die genaue Höhe der Kostenerstattung für Hörgeräte durch Ihre Krankenkasse informiert Sie Ihr Hörakustiker. Privatversicherte sollten hinsichtlich der Kostenübernahme für Hörgeräte mit ihrer privaten Krankenversicherung Rücksprache halten.

 

Umfassende Funktionsmerkmale

Hörgeräte, die für schwerhörige Versicherte – ausgenommen für an Taubheit grenzend Schwerhörige – abgegeben werden, verfügen bereits über folgende Funktionsmerkmale:

  • Digitaltechnik
  • Mehrkanaligkeit (mindestens vier Kanäle)
  • Richtmikrofon
  • Rückkopplungs- und Störschallunterdrückung
  • Mindestens drei Hörprogramme – Verstärkungsleistung < 75 dB*

Weitere Ausstattungsmerkmale wie Hörkomfort, Design, Funkanbindung und Ähnliches stellt Ihnen der Hörakustiker gerne vor. Diese sind gegen eine Aufzahlung erhältlich.

 

Hohe Zufriedenheitswerte

Gemäß einer repräsentativen Umfrage des Spitzenverbandes der gesetzlichen Krankenkassen aus dem Jahr 2019 entscheiden sich 70 Prozent der gesetzlich Versicherten für Hörgeräte mit aufzahlungspflichtigen Zusatzfunktionen. Das Ergebnis: Die Hörgeräteträger sind sehr zufrieden, sowohl mit der Beratungs- und Versorgungsleistung der Hörakustiker, als auch mit den ihnen angepassten Hörsystemen. Gemäß einer repräsentativen Befragung von Hörgeräteträgern in Deutschland aus dem Jahr 2018 (EuroTrak Germany 2018) bestätigen 97 Prozent, dass ihre Lebensqualität durch Hörgeräte gestiegen sei. 60 Prozent bedauern im Nachhinein, zu lange mit einer Hörgeräteversorgung gewartet zu haben. Sie wären am liebsten schon früher aktiv geworden.

*Die Angaben der Verstärkungsleistungen beziehen sich auf WHO2&3-Verordnungen. Bei WHO4-Systemen (d.h. für an Taubheit grenzend Schwerhörige) muss die Verstärkung bei >75 dB liegen.

Tipps zur Auswahl
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