Schlaf

Unsere Ohren schalten nie ab – regenerieren müssen sie trotzdem

Wenn wir abends einen Actionfilm im Fernsehen schauen und währenddessen einschlafen, können uns die Geräusche des laufenden Fernsehers bis in den Schlaf, sogar bis in unsere Träume, verfolgen. Vielleicht reißt uns ein Schuss aus dem Schlaf oder wir träumen etwas, das in irgendeiner Beziehung zur Geräuschkulisse des noch laufenden Films steht. Möglich wird dies, da unser Gehör nicht ruht, selbst wenn wir schlafen.

Warum unsere Ohren nachts empfindlicher sind

Für unsere akustische Wachsamkeit sorgt eine Schutzvorkehrung, die uns hilft, Bedrohungen – auch im Schlaf – rechtzeitig wahrzunehmen. Wenn wir schlafen, nehmen wir nur die vom Gehirn vorselektierten Geräusche wahr. Das heißt nicht, dass diese unbedingt laut sein müssen; unsere Ohren sind im Schlaf sogar besonders schallempfindlich. Schon Geräusche ab einem Schallpegel von 40 Dezibel, die wir tagsüber nicht als störend oder alarmierend wahrnehmen, können uns nachts wecken. Der Grund ist eine evolutorische Überlebensstrategie des Körpers: Da die Augen geschlossen sind, haben sich unsere Vorfahren beim Schlafen vor allem auf ihr Gehör verlassen, um Gefahren durch Feinde, Tiere oder das Wetter zu erkennen. Daher können auch leise (potenziell bedrohende) Geräusche – etwa Schritte, das Klappen einer Tür oder Dielenknarren – vom Gehirn gezielt aufgegriffen werden und uns aufwecken.

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Dabei sind wir von Schlafphase zu Schlafphase unterschiedlich empfindsam für Geräusche: Vor allem in der REM-Phase (der Schlafphase mit der meisten Traumaktivität) ist unser Gehirn sehr aktiv, während es in Non-REM- bzw. Tiefschlafphasen selbst laute Geräusche kaum wahrnimmt.

Schlafzyklen

Unsere Schlafzyklen wiederholen sich üblicherweise alle 90 bis 110 Minuten, insgesamt vier bis siebenmal in der Nacht. Jeder Schlafzyklus besteht aus einer Abfolge unterschiedlicher Schlafphasen. Dabei unterscheidet man vor allem zwei Arten: den REM-Schlaf und den Non-REM-Schlaf.

REM ist die Abkürzung von „rapid eye-movement“ (englisch für „schnelle Augenbewegungen“).

Während der Traumphasen kann man bei Schlafenden feststellen, dass sich ihre Augäpfel schnell hin und her bewegen, obwohl die Augenlider geschlossen sind. Ab etwa 60 Jahren verkürzen sich Traumschlafphasen und die Schlafqualität nimmt – im Vergleich zu jüngeren Menschen – insgesamt ab.

Die Innere Uhr

Gesundheitsfolgen von Schlafmangel

Das falsche Geräusch in der falschen Schlafphase kann uns also um den Schlaf bringen. Bei dauerhafter Geräuschbelastung schlafen wir schlechter und wachen häufiger auf. Die Folge: Der Körper schüttet verstärkt Adrenalin und Cortisol aus – typische Stresssymptome. Wird die Hormonausschüttung zur Dauerbelastung, kann das ernste gesundheitliche Folgen haben. In besonders schweren Fällen kann kontinuierlicher Schlafmangel zu Herz-Kreislauf-Problemen oder sogar zu Schlaganfällen führen. Für die eigene Gesundheit ist eine ruhige Geräuschkulisse während des Schlafens also äußerst wichtig.

Tipps für besseren Schlaf

Wie stellen wir sicher, dass sich unsere Ohren während der Schlafphasen ausreichend erholen können? Wirklich abschalten lässt sich unser Gehör zwar nie, aber es gibt einige einfache Maßnahmen, um ausreichende Ruhe herzustellen oder gezielt solche (sog. „white noise“-) Geräusche zu erzeugen, welche von unserem Gehirn als entspannend wahrgenommen werden und einen ruhigen, ungestörten Schlaf fördern können.

1. Schaffen einer ruhigen Umgebung

Wer an einer stark befahrenen Straße wohnt, sollte das Schlafzimmer auf die ruhigere Seite des Hauses oder der Wohnung verlegen oder notfalls nachts das Fenster geschlossen halten. Teppiche, Vorhänge und Decken dämpfen Geräusche und mindern den Schallpegel. Ruhiger Schlaf lässt sich zudem unterstützen, indem weitere Störfaktoren vermieden werden und eine insgesamt gemütliche Schlafatmosphäre geschaffen wird. Eine gute Durchlüftung des Schlafzimmers vor dem Zubettgehen und das Vermeiden dicker Bettdecken oder Schlafanzüge ist ebenfalls hilfreich. Der Körper kühlt im Schlaf ab, eine zu warme Umgebung kann schweißtreibend wirken und insgesamt unruhiger machen.

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2. Gehörschutz

Für besonders geräuschempfindliche Schläfer, die beispielsweise dauerhaft von einem schnarchenden Partner gestört und so vom Schlafen abgehalten werden, empfehlen sich Ohrstöpsel mit hoher Dämmwirkung. Dabei sollten die Träger auf ein weiches Material achten, das bequem ist und sich an die Form der eigenen Ohrmuschel anpasst.

Wer regelmäßig Ohrstöpsel verwendet, sollte auf sorgfältigen und hygienischen Umgang mit diesen achten und die Herstellerhinweise zur Reinigung befolgen. Einweg-Ohrstöpsel aus Schaumstoff oder Wachs sind für eine wiederholte Verwendung nicht geeignet und sollten nach einmaligem Gebrauch ausgetauscht werden. Bei häufigem und länger andauerndem Gebrauch von Ohrstöpseln sollte man prüfen, ob die Ohren vermehrt Ohrenschmalz (Cerumen) produzieren. Denn wer seinen Gehörgang regelmäßig mit Ohrstöpseln (bei der Arbeit oder beim Schlafen) verschließt, kann ein erhöhtes Risiko für verstopfte Ohren haben.

In jeder Hinsicht besser wirksam und komfortabler als einfache Ohrstöpsel ist individuell angefertigter Gehörschutz vom Hörakustiker.

3. White Noise

Gleichmäßige Hintergrundgeräusche können ebenfalls beim Einschlafen helfen, indem sie störende Geräusche überdecken. Dafür muss man sich aber nicht auf eine schnurrende Katze oder das Brummen des Kühlschranks verlassen. Sogenannte „white noise machines“ helfen weiter: Sie erzeugen „Weißes Rauschen“. Dieses Rauschen in einer bestimmten Frequenz wird vom Gehör als monoton und langweilig empfunden, und wirkt daher einschläfernd.

Eine einfache Alternative: Kleinen Kindern singen wir zum Einschlafen gerne vor oder erzählen ihnen eine Gute-Nacht-Geschichte. Das funktioniert auch bei Erwachsenen: Ruhige Musik kann entspannend wirken und die Herzfrequenz senken. Meeresrauschen auf CD, geführte Achtsamkeitsübungen oder langsam gesprochene Hörbücher haben dieselbe Wirkung.

Hörsystemträger schlafen besser!

Mit Hörgeräten versorgte Menschen legen diese vor dem Zubettgehen üblicherweise ab. Wie können Hörgeräte dennoch für einen besseren Schlaf sorgen? Internationale Studien haben gezeigt, dass schwerhörige Menschen, die Hörgeräte tragen, insgesamt weniger Stresssymptome aufweisen als unversorgte Schwerhörige. Auch ihre Schlafqualität verbessert sich, wenn sie tagsüber Hörsysteme tragen.

Eine repräsentative Umfrage aus dem Jahr 2018 unter Menschen in Deutschland, die nach eigener Einschätzung mit einer Hörminderung leben, hat folgendes gezeigt:

62% der unversorgten Schwerhörigen fühlen sich abends körperlich erschöpft, 52% fühlen sich mental erschöpft.

Anders sieht es bei jenen aus, die ihre Hörminderung zumindest tagsüber mit Hörgeräten ausgleichen: Von ihnen fühlen sich abends lediglich 39% körperlich und 31% mental erschöpft.

Kein Wunder also, dass auch die Schlafqualität von mit Hörgeräten versorgten Menschen und unversorgten Menschen differiert: Über alle Altersgruppen hinweg sind 65% der Hörgeräteträger mit der Qualität ihres Schlafs zufrieden. Demgegenüber sind nur 43% der unversorgten Schwerhörigen mit ihrer Schlafqualität zufrieden.

Quelle: Anovum (2018): Euro Trak Germany 2018. Repräsentative Studie unter 13.583 Bundesbürgern zu Hörvermögen und Hörgeräteadaption. Zürich.

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Sicherheit, auch wenn die Hörgeräte schlafen…

Träger von Hörgeräten legen diese üblicherweise vor der Nachtruhe ab. Was, wenn dann ein akustisches Signal ertönt, das nicht wahrgenommen werden kann? Etwa die Türklingel, der Wecker oder gar der Rauchmelder? Auch hierfür gibt es umfangreiche Lösungen. Zusätzliche Sicherheit gibt das passende Hörgeräte-Zubehör, beispielsweise in Form einer Lichtsignalanlage. Moderne Lichtsignalanlagen sind funkbasierte Sender‐Empfänger-Systeme. Ereignisse wie Türklingeln, Telefonläuten, Brandalarm oder auch Babyrufen werden von den jeweiligen Sendern wahrgenommen. Die Empfänger verstärken durch Vibration, Lichtblitze und -signale und/oder mit zusätzlichen Tonsignalen diese wichtigen Informationen.

Mehr Information zu hilfreichem Zubehör für Hörsysteme finden Sie hier.

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