Hören vs. Zuhören

Hören vs. Zuhören

Worin genau liegt der Unterschied?

Häufig wird behauptet, dass das Zuhören gewissermaßen angeboren sei, weil das Ohr das erste fertig ausgebildete Sinnesorgan ist. Jedoch ist Hören noch längst nicht Zuhören! Worin genau der Unterschied liegt und wie Sie zu einem besseren Zuhörer werden können, erfahren Sie in diesem Beitrag.

Was unterscheidet Hören und Zuhören?

Wie schon zuvor angemerkt, gibt es einen großen Unterschied zwischen Hören und Zuhören.

Beim reinen Hören ist man noch mit sich selbst und den eigenen Gedanken beschäftigt, die Aufmerksamkeit liegt noch nicht unbedingt auf dem Gesprächsinhalt, sondern primär auf den eigenen Beschäftigungen. Die Mitteilung kommt zwar an, jedoch wird ihr wenig bis gar keine Aufmerksamkeit geschenkt – sie wird weder verarbeitet noch gespeichert. Der Übergang vom Hören zum Zuhören erfolgt meist über den Schritt des Hinhörens.

Hinhören bedeutet, dass das Gesagte aufgenommen wird, man sich aber nicht bemüht herauszufinden, was der Sprecher eigentlich genau damit sagen möchte. Man ist gefühlsmäßig noch unbeteiligt und distanziert und der Sprechende könnte fälschlicherweise denken, man würde schon ernsthaft zuhören.

Dabei bedeutet Zuhören jedoch, sich vollständig in den Gesprächspartner hineinzuversetzen und die Bedeutung hinter dem Gesagten verstehen zu wollen. Es wird also nicht nur dem Inhalt, sondern auch den Zwischentönen Beachtung geschenkt.

Zusammengefasst heißt das, dass Zuhören nur vom Hören über das Hinhören gelingt!

Warum ist Zuhören oft so schwierig?

Beim Zuhören ist nicht nur die Mitteilung selbst wichtig, sondern auch die Mimik und Gestik der Person und der Tonfall der Stimme, denn dadurch erfahren Sie etwas über die Gefühle und die Einstellungen Ihres Gegenübers. Dies bedeutet also, das Gesagte richtig aufzunehmen, wofür die Worte erst verstanden werden müssen. Fremdwörter, Fachbegriffe, aber auch undeutliches, zu schnelles oder zu langsames Sprechen lassen den Zuhörer schneller abschalten.

Der Inhalt kommt normalerweise durch Schallwellen am Ohr an, aber die Informationen werden nicht automatisch aufgenommen. Dafür muss unser Arbeitsgedächtnis, welches aktuell wichtige Informationen speichert, aktiv gefüttert werden.

Der nächste Schritt wäre, die Informationen des Sprechers zu verarbeiten und einen zusammenhängenden Sinn zu erkennen. Dazu muss allerdings ausreichend Vorwissen vorhanden sein, auf welches zurückgegriffen werden kann.

Zu guter Letzt erfolgt das Abspeichern der Information im Langzeitgedächtnis.

Der Prozess des Zuhörens setzt sich also wie folgt zusammen:

  1. Informationen suchen
  2. Informationen aufnehmen und verstehen
  3. Informationen abspeichern.

Zuhören schon im Kindesalter fördern

Zuhören will gelernt sein und die grundlegenden Fähigkeiten können schon im Kindesalter trainiert werden! Dazu gibt es bereits zahlreiche alters- und zielgruppengerechte Angebote zur Stärkung des Zu- und Hinhörens — auch für Kinder!

Auf der Website der Stiftung Zuhören werden einige solcher Programme aufgeführt, denn die Stiftung Zuhören kooperiert mit vielen Pädagogen, Lehrern und Eltern, sowie mit Hörbuchverlagen und Institutionen der kulturellen Bildung.

Wie können wir auch noch als Erwachsene ein besserer Zuhörer werden?

„Du bist ein guter Zuhörer“ und „Danke, dass du immer ein offenes Ohr für mich hast“ sind wohl einige der schönsten Komplimente, die man von seinen Freunden erhalten kann. Aber wie wird man eigentlich ein guter Zuhörer und was macht diesen aus?

Um die Fähigkeit des Zuhörens zu lernen, müssen Sie sich an folgendem Prozess orientieren:

Information suchen:

Um das Gesagte genau zu verstehen, müssen Sie sich von allen anderen Gedanken völlig loslösen und Ablenkungen von außen abwehren, um sich ausschließlich auf Ihren Gesprächspartner, dessen Worte, Untertöne, Tonfall und Körpersprache zu fokussieren.

Das kostet viel Energie und Konzentration und kann nach einiger Zeit auch anstrengend werden.

Weiterhin sollte ein guter Zuhörer Interesse an dem Gesagten entwickeln und das Bedürfnis zurückstellen, selbst etwas dazu zu sagen und das Gegenüber zu unterbrechen.

Information aufnehmen:

Unser Arbeitsgedächtnis kann nur begrenzt Informationen aufnehmen und abspeichern, es hilft jedoch, sich schon vor dem Gespräch auf die Zuhörsituation vorzubereiten und sich ein Vorwissen über den Inhalt anzueignen. Dies ist vor allem bei einem Vortrag oder einer Vorlesung sinnvoll und hilft dabei, deutlich mehr von dem Gesagten mitzunehmen.

Information verstehen:

Oft ist die Art des Zuhörens von eigenen Erwartungen, Erfahrungen, bestehenden Eindrücken und Vorurteilen geprägt. Diese Einstellung kann zu vorschnellen und fehlerhaften Schlussfolgerungen führen. Vermeiden Sie dies, indem Sie die vollständigen Informationen sammeln und auf Mimik, Gesten und den Tonfall bewusst achten. Dies hilft vor allen Dingen, um Missverständnissen und Streit vorzubeugen sowie Vorurteile zu vermeiden.

Falls Sie sich nicht sicher sind, ob Sie alles richtig interpretieren und verstanden haben, können Sie durch Nachfragen etwaige Unklarheiten klären.

Information abspeichern:

Als letzten Schritt sollte das Gesagte im Langzeitgedächtnis verankert werden. Dieser Prozess kann vereinfacht werden, wenn Sie das Gesagte in eigenen Worten zusammenfassen, kritisch darüber nachdenken und sich aktiv mit den Informationen beschäftigen.

Wie Sie lesen können, bedeutet Zuhören nicht einfach, das Gesagte des Sprechers aufzunehmen und damit hinzunehmen. Ein „offenes Ohr für jemanden zu haben“ und aktiv zuzuhören ist also eine Herausforderung, die sich aber definitiv lohnt!

Aktives Zuhören ist nicht nur bei Gesprächen nützlich

Ein aktives Zuhören kann allerdings nicht nur in Gesprächen stattfinden. Auch die sogenannte akustische Markenführung verlangt ein aktives Zuhören, um langfristig im Gedächtnis zu bleiben.

Jingles, Werbemusik, Stimmen und Melodien begleiten uns täglich und haben dabei einen großen Einfluss auf unsere Emotionen, daher sind sie auch für das Marketing von Unternehmen unerlässlich.

Das sogenannte Audio Branding, auch Sonic Branding oder Sound Branding genannt, ist die akustische Markenführung und beinhaltet alle hörbaren Anteile der Markenidentität, beispielsweise einen Jingle, eine bestimmte Klangwelt oder eine markante Stimme. Ziel des Audio Branding ist es, die Marke auch akustisch erlebbar zu machen und einen Wiedererkennungswert zu schaffen. Dadurch wird Vertrauen aufgebaut und der Marke eine Persönlichkeit gegeben.

Warum verschlechtert sich unser Zuhören akustisch?

So gerne wir auch aktiv und aufmerksam zuhören, gibt es allerdings auch Umstände, die einen daran hindern können. Dabei gibt es verschiedene Gründe für ein eingeschränktes Hörvermögen. Wenn Sie beispielsweise ein Pfeifen, Knacken, Summen oder Klicken wahrnehmen, könnte dies auf einen Tinnitus hindeuten.

Der Tinnitus ist das am meist verbreitete Hörproblem. Es handelt sich hierbei um Störgeräusche, die ohne eine akustische Stimulation von außen auftreten. Oft werden die Geräusche als ein Pfeifen beschrieben, es kann aber auch als ein Brummen, Klicken oder Ähnliches wahrgenommen werden und auf einem oder beiden Ohren auftreten.

Je nach Tinnitus-Art unterscheiden sich die Behandlungsansätze, die meisten beinhalten jedoch eine ausreichende Entspannungstherapie, um die quälenden Geräusche zu vermindern und nach und nach die Kontrolle über die Hörwahrnehmung zurückzugewinnen. Falls Sie oder jemand in Ihrer Umgebung über Geräusche klagt, die sonst keiner wahrnehmen kann, ist ein Besuch beim HNO-Arzt ratsam.

Ein verschlechtertes Hörvermögen kann jedoch auch altersbedingt eintreten oder durch ganz andere Ursachen auch in jüngeren Jahren wie u.a. durch einen Hörsturz oder eine unbehandelte Mittelohrentzündung entstehen. Wenn das Zuhören akustisch schwer fällt und man immer wieder beim Gegenüber nachfragen muss, dann ist es sinnvoll bei einem Hörakustiker einen kostenlosen Hörtest zu machen und das Gehör gründlich überprüfen zu lassen.

 

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