Warum jeder eigentlich singen kann

Warum jeder eigentlich singen kann

Von Naturtalenten bis zu hartnäckigen Schülern

Wer kennt es nicht: Der Lieblingssong läuft und plötzlich trällert man ganz von alleine unbekümmert vor sich. Oft fragt man sich dann, ob der eigene Gesang denn überhaupt gut klingt. 

Für immer unter der Dusche?

Für viele ist das tägliche Konzert unter der Dusche zu einer Gewohnheit geworden, die man nicht missen möchte. Das Wasser plätschert, die Tür ist fest verschlossen und vielleicht läuft auch nebenbei die neue Lieblingsplaylist: Man fühlt sich unbeobachtet und lässt somit von all seinen Unsicherheiten los. Wenn wir dann doch mal von unseren Mitbewohnerinnen oder Mitbewohnern auf unsere gesangliche Leistung angesprochen werden, fühlen wir uns ertappt, denn eigentlich sollte uns doch niemand hören.

Das klingt doch eigentlich nicht schlecht… oder?

Wenn das eigene Trällern von den Liebsten belächelt wird, liegt einem sofort die passende Antwort auf der Zunge: “So schlecht war das doch wohl nicht!“ Tatsächlich nehmen wir uns selbst jedoch anders wahr als unsere Mitmenschen. Grund dafür ist unser Gehör. Während die Menschen um uns herum den Schall über die Luft wahrnehmen und somit ihren äußeren Gehörgang nutzen, kommt bei uns zusätzlich das innere Ohr zum Einsatz. Wenn wir also herzlich darauf los singen, werden die Schallwellen auch über unser Körpergewebe geleitet und gelangen so auf direktem Wege in das Innenohr. Demzufolge geht unsere Eigenwahrnehmung oft nicht Hand in Hand mit der Fremdwahrnehmung einher.

Für alle, die mittlerweile mutlos den Hobbygesang aufgegeben haben, gibt es hier eine kleine Aufmunterung von uns: So wie eine Gitarre oder das Klavier, ist unsere Stimme auch ein musikalisches Werkzeug. Dementsprechend kann jeder im weiten Sinne singen, allerdings gibt es Unterschiede, wie gut sich der Gesang letztlich anhört. Da wir in diesem Fall selbst das Instrument sind, hängt der musikalische Erfolg also von unseren körperlichen Voraussetzungen ab. Um diese richtig beurteilen zu können, müssen wir uns zunächst anschauen, wie die Töne überhaupt zustande kommen.

Wie entstehen die geträllerten Töne?

Während des Gesangs spielt vor allem unsere Atemluft eine große Rolle. Wenn wir also einen Ton erzeugen möchten, strömt die eingeatmete Luft wieder über den Kehlkopf heraus. Dieser sitzt am Ende der Luftröhre und ist mit den sogenannten Stimmlippen ausgestattet. Sobald die Atemluft die Luftröhre wieder verlässt, muss diese durch die Stimmlippen hindurch dringen. Die Stimmlippen sind elastisch und beginnen nun zu schwingen, wodurch der sogenannte Primärklang erzeugt wird. Dieser Primärklang wird durch verschiedene Resonanzräume verstärkt, sodass er auch wirklich hörbar wird. Zu den wichtigsten Resonanzräumen gehören die Schädelresonanz (u.a. Nase, Mund und Rachen) und der ganze Brustkorb. Sie sind nicht nur für den hörbaren Sekundärklang verantwortlich, sondern verleihen ihm auch eine persönliche Note und machen unsere Stimme zu etwas Besonderem.

Also kann tatsächlich jeder singen?

Diese Frage ist mit Ja und Nein zu beantworten. Zwar haben wir fast alle die Möglichkeit dazu, jedoch sind unsere anatomischen Voraussetzungen unterschiedlich. Wie gut sich also das Solo unter der Dusche anhört, ist von verschiedenen Faktoren abhängig. Darunter fallen beispielsweise die Größe und Gestalt unserer Resonanzräume sowie Brustkorb und Kehlkopf.

Neben den offensichtlichen Bedingungen wie beispielsweise unserer Anatomie, gibt es einige weitere Punkte, die den Erfolg unseres Gesangs beeinflussen. Eine gewisse musikalische Veranlagung sowie Rhythmusgefühl sind eine wichtige Voraussetzung, damit die richtigen Töne beim Singen auch getroffen werden können. Zudem bedarf es beim Singen verschiedenster Muskelarbeit die koordiniert und aufgebaut werden kann, wie beim Sport. Außerdem ist Emotionalität das A und O! Musik transportiert Gefühle, egal ob sie einen zum Tanzen oder zum Weinen bringt. Eine gute Sängerin oder ein guter Sänger schafft genau das: mit dem Klang der Stimme Gefühle zu transportieren.

Sie haben das Gefühl, ihr Lieblingslied wird immer leiser und die Lautstärke muss immer wieder hochgeschraubt werden? Zögern Sie nicht, einen Hörakustiker in Ihrer Nähe aufzusuchen! Oft stellt sich ein Hörverlust schleichend ein, weswegen es wichtig ist, sein Gehör regelmäßig bei einem Hörakustiker prüfen zu lassen.

Warum singen wir schamlos vor uns hin, auch wenn es sich schlecht anhört?

Die Antwort hierauf ist eindeutig: Singen macht glücklich und das in jeder Hinsicht! Währenddessen werden nämlich Glückshormone wie Endorphin und Serotonin ausgeschüttet, welche unsere Laune anheben. Wer sich also beim Singen so richtig schön verausgabt, kann Stress und negative Gefühle abschütteln!

Im Übrigen: Übung macht den Meister! Keiner kommt perfekt auf die Welt und jedes noch so große Talent bedarf auch Förderung. Aus diesem Grund sollte man nicht den Mut verlieren, falls man sich beim Trällern doch nicht so anhört, wie man es gerne würde. In erster Linie sollte es einem gut tun und Spaß machen. Wenn also wirkliches Interesse besteht, den Gesang zu verbessern, ist professioneller Gesangsunterricht eine gute Anlaufstelle. Hier werden die individuellen Stärken gefördert, sodass sich das volle Potenzial der Stimme entfalten kann.

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