Ist Schwerhörigkeit erblich?

Ist Schwerhörigkeit erblich?

Je eher Sie eine Schwerhörigkeit bei Kindern erkennen, desto besser

Eine Schwerhörigkeit kann erblich bedingt sein. Falls es in Ihrer Familie bereits Fälle von starken Hörminderungen gibt, besteht eine gewisse Wahrscheinlichkeit einer Vererbung.

Auf einen Blick

  • Chromosomen – der Ursprung für die Vererbung einer Hörminderung
  • Schon Embryos können hören
  • So erkennen Sie Schwerhörigkeit bei Kindern

Viele Arten von Hörverlust sind erblich. Eine von Geburt an bestehende Mutation in den Genen wirkt sich auf die Entwicklung und Funktionsweise des Ohrs aus. Man spricht deshalb auch von einem genetischen Hörverlust. Insbesondere bei Kindern ist das oft der Grund für Schwerhörigkeit.

Wenn Sie oder Ihr Partner schwerhörig sind, dann sollten Sie Ihr Kind unbedingt beim HNO-Arzt – über das normale Hörscreening für Neugeborene und Kleinkinder hinaus – auf die Funktionsweise seines Hörsinns untersuchen lassen. Denn sowohl Vater als auch Mutter geben 23 Chromosomen an ihre Kinder weiter. Diese sind Bestandteile komplexer Zellen, auf denen die Erbinformationen gespeichert sind. Ein Chromosom enthält Desoxyribonukleinsäure (DNA), auf der die Gene codiert sind, sowie verschiedene Proteine (Eiweiße). In jeder menschlichen Zelle sind 46 Chromosomen und somit zwei Kopien des Bauplans des Lebens vorhanden.

Das Risiko, beispielsweise einen Hörverlust zu erben, hängt davon ab, ob eine eventuelle Mutation im Gen dominant oder rezessiv ist. Eine dominante Mutation verursacht Hörverlust, wenn bloß eine der beiden Kopien des Gens der Eltern geschädigt ist. Rezessive Mutationen behaupten sich nur, wenn beide Kopien den Fehler beinhalten – also beide Eltern Träger der Genmutation sind. Solche Gendefekte können sich auf die Entwicklung und Funktionsweise des Ohres auswirken.

Beispielsweise können die Sinneszellen im Innenohr geschädigt sein und nicht mehr normal funktionieren, was einen genetischen Hörverlust nach sich zieht. Auch können genetische Faktoren die Sensibilität gegenüber Lärm, Entzündungen und anderen Einflüssen steigern. Beispiele für vererbliche Formen des Gehörverlusts sind das Pendred-Syndrom, das Usher’s-Syndrom und Otosklerose.

Schon Embryos können hören

Wussten Sie schon, dass Babys schon im Mutterleib hören? Und dass sich die Hörfähigkeit in den ersten Lebensjahren ausbildet und noch stark vom Hörvermögen eines Erwachsenen unterscheidet.

Die Hörschnecke ist in der 22. bis 23. Schwangerschaftswoche komplett entwickelt. Das heißt, dass Babys ungefähr ab der Mitte der Schwangerschaft im Bauch hören können. Zuerst vor allem die Stimme der Mutter, Geräusche in ihrem Bauch, Blutkreislauf und Herz, aber auch die Geschwister oder den Papa. Es lohnt sich also, dem Embryo vorzusprechen, dann ist es mit den Familienmitgliedern bereits vor seiner Geburt vertraut.

Auch Umgebungsgeräusche außerhalb des Bauches, wie Musik, hören Babys im weiteren Verlauf der Schwangerschaft immer deutlicher. Anfangs hören sie hohe Töne, wie die Stimme der Mutter, besser als tiefe. Später ändert sich das, denn von Bauchdecke und Fruchtwasser werden eher tiefe Töne weitergeleitet. Gut für den Papa, den das Baby dann auch hört. Nach der Geburt finden viele Babys übrigens genau die Geräusche beruhigend, die sie schon im Bauch der Mutter gehört haben. Das kann auch der Staubsauger oder ein Fön sein.

Die Hörfähigkeit muss erst noch reifen und ist extrem wichtig für die Entwicklung

Das Gehör bildet sich während der Schwangerschaft organisch ganz aus und ist bei einem gesunden Neugeborenen voll funktionsfähig. Allerdings unterscheidet sich das Hörvermögen zunächst noch sehr von dem der Erwachsenen. Besonders in den ersten drei Lebensjahren bildet es sich, angeregt durch die Höreindrücke aus der Umgebung, aus. In dieser sogenannten „sensiblen Phase“ lernt das Gehirn intensiv, die Hörinformationen zu verfeinern, zu verschärfen und sinnvoll zu deuten. Im weiteren Verlauf der Entwicklung verfeinert sich die Hörfähigkeit weiter, wenn auch deutlich langsamer. Erst mit etwa fünf, sechs Jahren ist sie voll ausgebildet.

Es ist deshalb sehr wichtig, dass Sie auf das Gehör Ihres Kindes achten, denn das Hörvermögen hat einen großen Einfluss auf das Leben und die Entwicklung sozialer und kommunikativer Fähigkeiten. Nur wer gut hört, kann auch sprechen lernen. Genetischer Hörverlust kann deshalb fatale Folgen haben.

Arten von Schwerhörigkeit bei Kindern

Es kann sich bei der Schwerhörigkeit von Kindern um sensorineuralen Hörverlust oder eine Schallleitungsschwerhörigkeit handeln. Kinder können auch eine kombinierte Schwerhörigkeit haben. Dabei kann der Hörverlust beidseitig oder einseitig sein.

Einige Arten von Hörverlust sind bleibend oder verursachen Dauerschäden am Gehör Ihres Kindes – und behindern damit auch sein Sozialleben. Wenn Ihr Kind an Hörverlust leidet, kann ihm ein individuell angepasstes Hörgerät helfen, seine Umwelt zu verstehen und zu kommunizieren. Der erste Schritt ist ein Hörtest bei einem HNO-Arzt oder Hörakustiker.

Anzeichen für Schwerhörigkeit bei Kindern

Wenn Ihr Kind ein oder mehrere Anzeichen von Schwerhörigkeit aufweist, sollten Sie aktiv werden und einen Arzt aufsuchen. Die wichtigsten Anzeichen sind:

  • Verspätete oder fehlende Sprachentwicklung
  • Ihr Kind reagiert nicht, wenn es angesprochen wird
  • Es bittet oft, Gesagtes zu wiederholen
  • Es muss rechts und links ‚suchen‘, um Geräusche zu lokalisieren
  • Das Kind kann sich schwer auf eine Stimme konzentrieren, wenn sich mehrere Personen unterhalten
  • Es möchte, dass der Fernseher lauter gedreht wird, als es anderen Familienmitgliedern lieb ist.
  • Es spricht sehr laut oder
  • zeigt schlechte Leistungen in der Schule.

Eine unbehandelte erbliche Schwerhörigkeit hat negativen Einfluss auf die schulische Bildung, die Lehre, die Karriereerwartungen und die gesamte allgemeine Lebensqualität des Kindes. Deshalb: Warten Sie bitte nicht ab. Denn die Gewöhnung an ein Hörgerät sollte so früh wie möglich geschehen, damit ihr Kind kommunizieren und sich sozial integrieren kann.

Welche Lösungen die Hörakustik speziell für Kinder bietet, erfahren Sie hier.

 

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