Mit Cochlea-Implantaten wieder hören

Mit Cochlea-Implantaten wieder hören

Wissenschaftlerin und Mutter mit CI

Dr. Valerie Pestinger ist Molekularbiologin in der Krebsforschung und lebt mit ihrem Mann in Hamburg. Seit 2016 trägt sie auf beiden Ohren Cochlea-Implantate (CI) – und ist Mutter einer kleinen Tochter.  

Auf einen Blick

  • Mit Hörgeräten zum Uniabschluss
  • Dank Cochlea-Implantaten wieder hören
  • Mutter mit CI

„Ich muss immer wieder sagen, dass vieles, was ich jetzt normal empfinde, keine Selbstverständlichkeit ist“, erzählt Dr. Valerie Pestinger, eine Mutter, die mit Cochlea-Implantaten versorgt ist. Für sie beispielsweise das Klicken eines Kugelschreibers oder – viel wichtiger – die Herztöne ihres Kindes zu hören. „Es war ein unbeschreibliches Erlebnis, auch die Geburt, als ich zum ersten Mal den Schrei meines Kindes gehört habe.“ Die promovierte Molekularbiologin erkrankte im Alter von vier Jahren an einer folgenschweren Meningitis, die zunächst für einen grippalen Infekt gehalten wurde. Als die Ärzte damals merkten, dass es sich um eine Meningitis und keine Grippe handelte, war Valerie Pestinger bereits auf dem rechten Ohr taub und litt auf dem linken Ohr unter Schwerhörigkeit.

Mit Hörgeräten zum Uniabschluss

Valerie Pestinger bekam dann ein Hörgerät für das linke Ohr, ihre Eltern förderten sie bestmöglich. Trotz ihrer Schwerhörigkeit ging Valerie Pestinger auf ein Regelgymnasium und wuchs sehr selbstverständlich unter Hörenden auf. Auch später im Studium war sie obgleich ihrer Schwerhörigkeit erfolgreich. An der Universität lernte sie ihren Mann kennen, der genauso wie Valerie Pestinger eine Promotionsstelle hatte. Damals erlitt die Naturwissenschaftlerin einen Hörsturz, so dass sich ihr Hörvermögen im linken Ohr deutlich verschlechterte. „Natürlich klammerte ich mich an mein Restgehör. Ich wollte nicht wahrhaben, dass ich immer weniger mitbekomme“, erläutert Valerie Pestinger den Zustand ihrer Schwerhörigkeit. „Die Kollegen verstand ich nur noch bruchstückhaft, ich konnte nicht mehr telefonieren, ich musste für alles meinen Freund oder meine Eltern fragen, das Arbeiten wurde für mich unmöglich. Ich hatte keine andere Chance mehr, außer CIs.“

Denn obwohl die Naturwissenschaftlerin schon seit ihrer Jugend von der Möglichkeit wusste, Cochlea-Implantate einzusetzen, wollte sie sich bis dato nicht operieren lassen. So lange ihr Gehör auf dem zweiten Ohr stabil geblieben war, scheute sie die OP. Hilfreich war dann der Kontakt zu einer beidseitigen CI-Trägerin aus dem Freundeskreis ihres Vaters. „Sie hat mich in meiner Entscheidung bestärkt, das war gut und wichtig. Denn bis dahin hatte ich keinen Kontakt zu betroffenen CI-Trägern, rückblickend ein Fehler“, so die junge Mutter.

Wie verläuft die OP eines Cochlea-Implantats?

Für die CI-Implantation wird hinter der Ohrmuschel und – je nach Art des Cochlea-Implantats – ein kleines Stück oberhalb der Spitze der Ohrmuschel ein Hautschnitt gesetzt. Der Chirurg schiebt das Cochlea-Implantat unter die Haut. Dazu fräst er hinter dem Ohr Richtung Hinterkopf in den Knochen eine Vertiefung. In diese wird das Elektronikteil des CIs platziert. Nun wird von hinten ein Kanal in den Knochen gebohrt und ein Zugang zum Mittelohr angelegt, um die Elektrode in die Hörschnecke einzuführen. Als letzten Schritt der CI-Operation führen die Ärzte eine Überprüfung des Cochlea-Implantats durch und stimulieren erstmals den Hörnerv.

Dank CI wieder hören

Valerie Pestinger entschied sich dafür, gleich beide Ohren mit einem Cochlea-Implantat versorgen zu lassen. „Schon wenige Tage nach der Operation wurden die CIs eingeschaltet. Plötzlich konnte ich mich wieder unterhalten und habe sogar einen Kugelschreiber klicken hören. Es war unglaublich“, freut sich Valerie Pestinger noch heute. „Direkt nach dem Einschalten der Prozessoren habe ich mit Apps und Musikprogrammen auf meinem Handy geübt. Auch nach der Reha habe ich eigenständig mit Hörprogrammen und -Büchern weiter trainiert.“ Und das mit Erfolg, denn heute kann die Mutter mit CI ihren Alltag und ihr Berufsleben wieder super bewältigen. Dazu gehört auch Telefonieren oder an Gruppendiskussionen teilnehmen.

Mutter mit CI – wie jede andere Mama

2019 bekam Pestinger eine kleine Tochter. Angst davor Mutter mit Cochlea-Implantaten zu sein oder ein Kind mit Schwerhörigkeit zu bekommen, hatte Pestinger nie: „Abgesehen davon, dass es in keiner unserer Familien eine genetische Veranlagung zu Taubheit gibt und ich mein Gehör selber durch eine Krankheit verloren habe, weiß ich heute genau, was zu tun wäre, wenn meine Tochter unter Hörverlust leiden würde: Sie bekäme sofort Cochlea-Implantate. Das wichtigste ist, dass sich die Sprache normal entwickelt. Mir wurde immer gesagt, dass es mein Glück gewesen sei, dass ich bereits sprechen konnte, als ich einen Großteil meiner Hörfähigkeit verloren habe. Warten käme für mich nicht in Frage.“ Und damit ihre Tochter nicht an Meningitis erkrankt, wurde sie umgehend nach der Geburt geimpft, denn das ist heute – im Gegensatz zu den 1980er Jahren – möglich.

Darüber hinaus ist Valerie Pestinger auch im Hinblick auf die Herausforderungen sehr relaxt. Dazu gehört beispielsweise der Umgang mit technischen Hilfsmitteln. Für CI-Träger gibt es einiges auf dem Markt, nicht aber für Mütter mit CI – mit einer Ausnahme: „Speziell ist wirklich nur das Babyphone“, erzählt die Mutter mit Cochlea Implantant, die ansonsten die gleichen Herausforderungen stemmen muss, wie jede andere Mama auch.

Auch Michael Schwaninger war als Jugendlicher fast taub – und hat sich dann eine CI-Operation unterzogen. Im Interview erzählt er, wie es ihm in Schule und Studium ergangen ist, und dass er heute dank seiner Cochlea-Implantate wieder Hörbücher und Musik genießen kann.

 

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