Viel um die Ohren

Viel um die Ohren

Jeder kennt sie – Redewendung rund um unser Hörorgan. Fast täglich verwenden wir solche Formulierungen, ohne es zu realisieren. Aber woher stammen die teils komischen Phrasen, die uns bei direkter Versinnbildlichung schräge Bilder in den Kopf zaubern? Wir bringen Licht ins Dunkle.

„Mal wieder auf der Leitung stehen“, eine „Leiche im Keller haben“, oder ist „alles in Butter“?

Was wollen uns solche Formulierungen ursprünglich sagen und wer hat sich das ausgedacht.
Im deutschen Sprachgebrauch gibt es historisch bis heute hunderte Redewendung und da sich zahlreiche davon mit unseren Ohren beschäftigen, ein Grund für uns die geflügelten Worte mal näher unter die Lupe zu nehmen.

Ursprünge von Redensarten liegen meist viele hundert Jahre in der Vergangenheit

Heute nutzen wir in unserem täglichen Sprachgebrauch unzählige Sprichwörter und Redewendungen mit einer absoluten Selbstverständlichkeit, ohne uns jemals explizit über deren eigentliche Bedeutung Gedanken zu machen. Grade in der deutschen Sprache wimmelt es nur so von skurrilen Redewendungen, die kaum noch im Zusammenhang mit unserem Alltag stehen und ihren Ursprung häufig bereits im Mittelalter und in ganz anderem Kontext hatten.

In diesem Artikel möchten wir etwas Licht ins Dunkle und den ein oder anderen Leser sicherlich auch zum Schmunzeln bringen.

Die 7 bekanntesten Redewendungen und Phrasen rund um unsere Ohren

1. Die Ohren steifhalten

 

“Halt die Ohren steif – das wird schon!“ Diese Floskel hört man oft, wenn man sich zusammenreißen und nicht den Mut verlieren soll. Beispielsweise nach Rückschlägen, oder vor wichtigen Herausforderungen und Prüfungen. Wird dann geraten, “die Ohren steif zu halten“, dann bedeutet das, aufmerksam, zuversichtlich und munter zu sein und sich von nichts und niemandem unterkriegen zu lassen. Diese Redewendung kommt, wie viele andere, aus dem Tierreich. Wenn Hunde oder Pferde aufmerksam sind, dann halten sie ihre Ohren steif: Sie stellen die Lauscher auf und “spitzen” sie regelrecht. Lassen sie die Ohren aber herabhängen, sind sie müde oder geben keine besondere Acht. Gleiche Herkunft hat also auch die Redewendung „die Ohren spitzen“.

So wurde ein Sprichwort auf den Menschen übertragen. Auch wenn es für diesen anatomisch bedingt schwer ist, die Ohren steif zu halten oder hängen zu lassen. Dennoch weiß jeder was gemeint ist.

2. Es „faustdick hinter den Ohren haben“

 

Diese Phrase geht auf einen alten Volksglauben und eine Art volkstümliche “Schädellehre” zurück, wonach der Sinn der Verschlagenheit hinter den Ohren liegt und dort desto größere Knochenwülste hervorbringt, je stärker er ausgeprägt ist. Das mag vielleicht daran gelegen haben, dass man hinter die Ohren ja nicht sehen kann. Somit – im übertragenen Sinne – also auch nicht die schlechten Gedanken des Gegenübers.

Die Stelle hinter den Lauschern zeigte also Charaktereigenschaften an.

Wenn es jemand “faustdick hinter den Ohren hat”, meint das den Schalk, der hinter den Ohren, oder bekanntermaßen auch im Nacken sitzt. Dieser Schalk bezieht sich auf die dort liegenden Knochenwülste. Im Mittelalter glaubte man, dass die Verschlagenheit in diesen Knochen wohnt. Ein großer Knochenwulst zeigt also eine große Verschlagenheit an, getarnt aber durch die Ohren.

3. Etwas „Hinter die Ohren schreiben“

 

Die Aufforderung sich etwas hinter die Ohren oder gar hinter die „Löffel“ zu schreiben, geht auf einen uralten Rechtsbrauch zurück:
Im frühen Mittelalter hatte man bei wichtigen Verhandlungen oder neuen Regelungen, wie z.B. der Festlegung von Grenzen, die Kinder der Verhandlungspartner dazu geholt. Dies auch gerne an den Ohren – daher die Formulierung “einen Zeugen hinzuziehen“. Sie sollten notfalls noch in der nächsten Generation als lebende Zeugen dazu aussagen können.

Um die genaue Lage der Grenzpunkte auch nicht zu vergessen, empfingen die Kleinen an jedem Punkt ein paar Ohrfeigen. Man “schrieb” ihnen also die Position der Grenzpunkte hinter die Ohren. Dieser merkwürdige Brauch soll noch im Bayern des 18. Jahrhunderts praktiziert worden sein. Sogar noch im 19. Jahrhundert nahm man in Schwaben bei der jährlichen Feldbegehung Knaben mit, denen man an relevanten Grenzpunkten einen Satz Ohrfeigen verabreichte, damit sie sich auch lange an die Dorf-Grenzen erinnern können.

Auch angehende Ritter wurden beim Ritterschlag geohrfeigt, damit sie sich lange an ihre bei der Zeremonie abgelegten Gelübde erinnern können. So genannte „mnemotechnischen Ohrfeigen“ waren im Mittelalter also durchaus verbreitet.

In unseren Zeiten wird die Aufforderung, man solle sich etwas hinter die Ohren schreiben, eher im Zusammenhang mit einer Standpauke verwendet.

4. Viel „um die Ohren haben“

 

Wenn man umgangssprachlich zu „viel um die Ohren hat“, kommt man zu nichts und ist meist schnell gestresst. Diese Redensart scheint sich im Ursprung auf Arbeitslärm oder Stimmengewirr bezogen zu haben. Ein früher Beleg findet sich einem alten Wörterbuch Deutsch-Schwedisch von 1814 wieder. Im heutigen Gebrauch bedeutet es meist einfach viel Arbeit zu haben und sich um viele Dinge gleichzeitig kümmern zu müssen.

5. „Bis über beide Ohren verliebt sein“

 

Die Redewendung bedeutet, sich leidenschaftlich verliebt zu haben. Der Ausdruck „bis über die, bzw. bis über beide Ohren“ findet sich historisch auch in einigen anderen Redensarten und bedeutet immer etwas wie „tief“ oder „vollständig“. Man kann also durchaus auch bis über beide Ohren in Schulden stecken. Das wurzelt – wie im Ausdruck „bis zum Hals“ auch – in der Vorstellung eines Ertrinkenden, der vollständig, also bis über die Ohren im Wasser eingetaucht ist.

Bereits um 1500 kamen solche Aussagen vor. Damals meist in negativem Zusammenhang. Erst im 17. Jahrhundert kommen positive Varianten dazu. So tauchen eben auch eine der schönsten Varianten „verliebt sein“ in den Werken der Romantik, wie beispielsweise bei E.T.A. Hoffmann oder Eichendorff auf.

6. Noch „grün hinter den Ohren sein“

 

Diese Redensart ist zwar noch immer gebräuchlich, dennoch lässt sich deren Herkunft nicht eindeutig bestimmen. Wahrscheinlich bezieht sich diese Aussage wohl darauf, dass unreifes und noch junges Obst meist eine grünliche Färbung aufweist. In Ausdrücken wie „Grünschnabel“ findet sich diese Metaphorik auch wieder. Man gibt seinem Gegenüber damit zu verstehen, dass ihm oder ihr die nötige Erfahrung fehlt. Das Thema mit den Ohren könnte im Zusammenhang mit der Variante „noch feucht hinter der Ohren“ stehen und seinen Ursprung im Kreißsaal haben. Unmittelbar nach der Geburt wird das Baby getrocknet und dabei wird gelegentlich der Bereich hinter den Ohren vergessen. Im Laufe der Zeit könnten sich die Redewendungen vermischt haben.

Wir hoffen, diese kleinen Anekdoten haben etwas Licht ins Dunkle bringen können und waren unterhaltsam. Da es noch unzählige weitere Redewendungen zu den Themen „Hören“ und „Ohren“ mit interessanten Hintergrundgeschichten gibt, denken wir über eine Fortsetzung des Artikels nach. Wenn Sie uns damit in den Ohren liegen ganz bestimmt.

Die Beispiele zeigen zudem, wie tief verwurzelt Ohren und Hörsinn in unserer Alltagssprache sind. Kein Wunder, sind sie doch unsere Tore zu Mitmenschen und Umwelt. Daher ist es wichtig, regelmäßig – mindestens alle zwei Jahre – einen Hörtest zu machen, um zu überprüfen, ob mit dem Hören noch alles in Ordnung ist. Die Hörtests werden kostenlos von Hörakustikern in Ihrer Nähe angeboten. Also, bitte hinter die Ohren schreiben: Regelmäßig einen Hörtest machen.

 

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