So könnte Tinnitus entstehen

So könnte Tinnitus entstehen

Besseres Verständnis eröffnet neue Behandlungsmöglichkeiten

Die Ursachen von Tinnitus sind noch immer unklar. Mit einem neuen Modell sorgen Forscher nun für ein besseres Verständnis, das gleichzeitig neue Behandlungsstrategien möglich macht.

In Deutschland leiden laut der Deutsche Tinnitus-Liga e.V. etwa drei Millionen Menschen unter Tinnitus. Die Folgen sind ganz unterschiedlich: Bei vielen Menschen verschwinden die Phantomgeräusche nach einiger Zeit wieder von selbst. Bei anderen Betroffenen verursacht der Tinnitus Schlaf- und Konzentrationsprobleme oder führt sogar zu Depressionen.

Bislang ist die Ursache für ein Klingeln, Piepen oder Rauschen nicht geklärt. So zielen die meisten Behandlungsmethoden darauf ab, dass Patienten lernen, mit dem Geräusch im Ohr zu leben. Forscher haben nun ein neues Modell entwickelt, das Tinnitus als Nebeneffekt eines Mechanismus erklärt, der das Hörvermögen verbessern soll.

Tinnitus und Schwerhörigkeit hängen zusammen

Schon seit einigen Jahrzehnten weiß man, dass Tinnitus oft mit einer Schwerhörigkeit zusammenhängt. Mit speziellen Hörgeräten, die mit einem Tinnitus Noiser kombiniert werden, lässt sich dem Piepsen im Ohr entgegenwirken. Dabei überlagert der Tinnitus Noiser das störende Geräusch durch andere Klänge. So lernt das Gehirn mit der Zeit sich nicht mehr auf den Tinnitus zu konzentrieren, sondern stattdessen die Umwelt wahrzunehmen.

Stochastische Resonanz die Ursache für Tinnitus?

Forscher haben nun eine neue Hypothese aufgestellt, wie Tinnitus entstehen könnte: Sie gehen davon aus, dass ein zusätzlicher Mechanismus – die sogenannte stochastische Resonanz – damit im Zusammenhang steht. Die stochastische Resonanz ist ein Naturphänomen, das auf Reizschwellen basiert und es möglich macht, schwache Signale messbar zu machen. Dazu wird ihnen ein Rauschen beigemischt. Hat das Rauschen die optimale Intensität, funktioniert die Signalübertragung am besten.

Das menschliche Hörsystem könnte diese stochastische Resonanz nutzen, um den Rauschpegel mit einem separaten Regelkreis zu steuern. Dadurch wird die Übertragung der Informationen von der Hörschnecke bis ins Gehirn überwacht. Wenn erforderlich, wird die Stärke des Rauschens angepasst. So gelangen über die Haarzellen weniger Signale in das menschliche Hörsystem, beispielsweise nach einer Schädigung des Innenohrs.

Aufgrund der stochastischen Resonanz wird nach Meinung der Forscher durch ein Rauschen der Hörverlust zumindest teilweise kompensiert. Das beigemischte Rauschen wird als Tinnitus wahrgenommen. Trifft das zu, sind die Geräusche im Ohr nicht mehr nur eine krankhafte Fehlanpassung des Gehörs. Sie sind vielmehr ein Nebeneffekt eines Mechanismus, der einem Hörschaden entgegenwirkt, um die Hörleistung zu verbessern.

Laut einer Analyse der Forscher der Arbeitsgruppe am Universitätsklinikum Erlangen und der HNO-Klinik Erlangen von nahezu 40.000 hörgeschädigten Patienten, haben Menschen mit einem Tinnitus im sprachrelevanten Frequenzbereich niedrigere Hörschwellen als diejenigen ohne Tinnitus. Im Mittel betrug die Differenz zirka sechs Dezibel.

Neue Behandlungsstrategien

Dank dieses Modells könnten sich künftig ganz neue Behandlungsstrategien ergeben. So haben Forscher bereits vor einigen Jahren an Probanden getestet, dass sich Hörschwellen verbessern, wenn Menschen einem akustischen Rauschen ausgesetzt werden. Dies könnte eine Möglichkeit sein, um einem Tinnitus entgegenzuwirken. Bei einem Test mit Mäusen hat sich diese These schon bewahrheitet. Die Testphase mit Menschen läuft bereits.

Weitere Informationen rund um das Thema Tinnitus finden Sie hier.

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