Phonophobie

Phonophobie

Wenn vermeintlich harmlose Geräusche zum Albtraum werden

Der Klingelton des Telefons, lautes Kindergeschrei oder Verkehrslärm: Was für den einen zum Alltag gehört, kann für den anderen unerträglich werden. Wer sich schon bei dem Gedanken an ein bestimmtes Geräusch am liebsten verkriechen würde, leidet womöglich an einer Phonophobie.

Geräusche, die unter die Haut gehen

Phonophobie bezeichnet die Angst vor gewissen Geräuschen. Dabei hängt diese Angst nicht mit einer bestimmten Frequenz oder Tonlage zusammen, sondern vielmehr mit negativen Erfahrungen, die mit einem bestimmten Geräusch verbunden sind, mit einer emotionalen Aufladung also. Welche Geräusche dabei von den Betroffenen als negativ aufgefasst werden, ist individuell sehr verschieden.

Wenn man beispielsweise in einem Büro arbeitet und ständig mit Anrufen konfrontiert wird, reagiert man nach einem aufreibenden Arbeitstag um einiges empfindlicher auf das nervtötende Klingeln des Telefons. Geräusche mit einer ähnlichen Frequenz werden dabei nicht zwingend als störend aufgefasst und verursachen dementsprechend auch nicht die Symptome einer Phonophobie.

Wie sich eine Phonophobie bemerkbar macht

Wie jede andere Phobie auch, wird die Phonophobie durch eine Vielzahl von Symptomen gekennzeichnet. Sobald der Betroffene dem peinigenden Geräusch unerwartet ausgesetzt wird, können die typischen Symptome einer Angststörung ausgelöst werden:

  • Schweißausbrüche
  • Schwindelgefühl
  • Übelkeit
  • Beschleunigter Herzschlag
  • Stimmungsschwankungen
  • Stress
  • Panikattacken
  • Bedürfnis zu flüchten

In vielen Fällen bleibt das Problem unerkannt, die Belastung bleibt allerdings fortbestehen. Aus einer anfangs harmlosen Abneigung kann sich somit eine echte Angststörung gegenüber dem entsprechenden Geräusch entwickeln. Wird die Phonophobie nicht zeitnah behandelt und kann voranschreiten, bedeutet dies belastende Folgen für die Betroffenen. Zu den bereits angstauslösenden Geräuschen könnten weitere hinzukommen und auch immer dezentere Geräusche könnten schon eine Belastung darstellen.

Aus der vorherigen Abneigung gegenüber dem Klingeln des Telefons, könnte sich somit beispielsweise eine panische Furcht vor allen Bürogeräuschen entwickeln.

Aus diesem Grund flüchten sich Menschen, die an Phonophobie leiden, oftmals in eine Art Vermeidungsverhalten. Die Betroffenen versuchen Situationen, in denen das ängstigende Geräusch vorkommen könnte, aus dem Weg zu gehen.  Dies hat zur Folge, dass das Sozialleben auf der Strecke bleibt und es zu einer Einschränkung der Lebensqualität kommt. Spätestens an diesem Tiefpunkt ist eine Behandlung ratsam. Doch was ist der Ursprung der Phonophobie?

Eine Phonophobie ist eigentlich eine Form der Hyperakusis, einer allgemeinen Empfindlichkeit gegen Schall. Oft geht diese generelle Hyperakusis der Phonophobie voraus, respektive begleitet sie.

Differenzierung: Wodurch unterscheiden sich die Phonophobie und Hyperakusis?

Die tatsächliche Angst vor bestimmten Geräuschen, selbst wenn diese nur leise wahrgenommen werden, nennt man also Phonophobie. Hier reicht manchmal bereits der bloße Gedanke an einen ungeliebten Laut, um Gänsehaut oder ein starkes Unwohlsein auszulösen – ein klassisches Beispiel ist das bekannte Quietschen von Kreide auf der Tafel. Das Wort stammt übrigens aus dem Altgriechischen: „phobos“ steht für Furcht und „Phono“ für Geräusch oder Ton.

Im Unterschied zu Hyperakusis ist nicht die Lautstärke, sondern die Art des Geräusches, dessen Herkunft und die negative Assoziation damit entscheidend. Ein jedes Geräusch wird im Grunde zunächst emotional bewertet und eingestuft. Die abnorme Wahrnehmung der Lautstärke aller Geräusche nennt man hingegen Hyperakusis. Unter einer solche ausgeprägten Geräuschempfindlichkeit leiden relativ viele Menschen.

Zu den prominenten Personen mit dieser Form der Angststörung gehört der Schriftsteller Franz Kafka. In seiner Erzählung „Großer Lärm“ beschrieb er seine eigenen Symptome eindrücklich.
So heißt es „wenn der Vater die Kohle aus dem Ofen gekratzt hat oder sein Schlafrock über den Boden wischte, schmerzte es in den Ohren“.

Wie lässt sich die Geräuschangst heilen?

Einsicht ist bekanntlich der erste Weg zur Besserung. Sobald die Geräuschangst als Problem festgestellt worden ist, gibt es einige Methoden, die Abhilfe schaffen. Im ersten Schritt werden die Ursachen anhand einer Gesprächstherapie untersucht. Als Nächstes muss nun die Angst schrittweise überwunden werden. Dies kann realisiert werden, indem das Vermeidungsverhalten durch sensible Konfrontationstherapie gezielt abgebaut wird.

Dabei wird den Betroffenen das verhasste Geräusch mit professioneller Hilfe näher gebracht, bis sie sich allmählich wieder an den Klang des Geräusches gewöhnt haben. Diese Konfrontationstherapie kann helfen, die Angst vor den gefürchteten Geräuschen zu bekämpfen. Oftmals auch in Kombination mit einer entsprechenden Medikation zur Reduzierung des verursachten Stress bei den Betroffenen.

Sollten Sie sich von einer Phonophobie betroffen fühlen, ist es wichtig, dass Sie sich professionelle Hilfe holen. Verwechseln Sie die Phonophobie allerdings nicht mit Misophonie, denn dies ist lediglich eine verminderte Geräuschtoleranz gegenüber bestimmten Geräuschen. Falls Sie Näheres zu den Unterschieden erfahren möchten, dann können Sie unter folgendem Link unseren Artikel über Misophonie lesen.

 

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