Ist Lärm immer gleich – und was bedeutet Lärm-Stress?

Ist Lärm immer gleich – und was bedeutet Lärm-Stress?

Wieso uns nicht nur laute Geräusche quälen

Ist Lärm ein Synonym für laute, unerwünschte und störende Geräusche? Nein, denn Lärm hat sehr viele Facetten und ist eine subjektive Empfindung.

Auf einen Blick

  • Stadt, Land, laut, leise – jeder nimmt Lärm anders wahr
  • Wie das Gehör unter dauerhafter Lärmbelastung leidet
  • Was bedeutet Lärm-Stress? Er macht dem ganzen Organismus zu schaffen

Was für den einen Menschen noch eine angenehme oder zumindest erträgliche Klangkulisse ist, empfindet ein anderer bereits als belastenden Lärm. Denn Lautstärke ist nicht alles. Die Lärmstärke wird in Dezibel gemessen. Aber auch leisere Töne, spezielle Klangfarben oder ganz bestimmte Alltagsgeräusche können individuell als sehr störend wahrgenommen werden und Lärm-Stress verursachen.

Wie nimmt das Gehör Lärm wahr?

Wie wir Geräusche wahrnehmen und ob uns Lärm stört, hängt von vielen Faktoren ab. Das können unsere Tagesform, der Wechsel von einem gewohnten in ein ungewohntes Umfeld, Emotionen oder die Empfindlichkeit des Gehörs sein.

Prof. Dr. Janina Fels, Professorin für Hörtechnik und Akustik am gleichnamigen Institut der RWTH Aachen erklärt dazu: „Es kann zum Beispiel sein, dass Geräusche mit dem gleichen Dezibel-Wert völlig anders akustisch wahrgenommen werden. Ein Geräusch kann für das Gehör sehr störend sein und ein anderes nicht, obwohl es den gleichen Dezibel-Wert hat.“ Denn das Geräuschempfinden und auch der Lärm-Stress sind nicht objektiv messbar, sondern ein subjektiver Eindruck.

Unterschiede zwischen Stadt und Land

„In der Regel wird ein Geräusch dann zu Lärm, wenn es stört“, sagt Prof. Dr. Brigitte Schulte-Fortkamp. Sie ist Professorin für Psychoakustik, Geräuschwahrnehmung und Geräuschwirkung am Institut für Technische Akustik der TU Berlin. Für Menschen, die in Städten mit einem ständigen Geräuschteppich leben, können das laut der Wissenschaftlerin ganz andere Geräusche sein als für Menschen auf dem Land, die überwiegend von Naturgeräuschen oder auch Glockentönen umgeben sind.

Wenn das Gehör Schaden nimmt

Dauerhafter Lärm und ständige Geräusche können zu gesundheitlichen Problemen führen. Es treten zum einen direkte Schäden am Gehör auf, wenn man sehr oft einem hohen Lärmpegel ausgesetzt ist. Hier geht es tatsächlich um Dezibel-Werte, also laute Geräusche.

Ab einem Wert von 85 Dezibel kann es schnell zu dauerhaften Hörschäden kommen. Deshalb ist ab diesem Wert für Arbeitende ein Gehörschutz Pflicht. Denn Lärm zerstört die Haarzellen in unserem Ohr, dank derer wir Töne wahrnehmen. Diese wachsen nicht nach. Lärmbedingte Hörschäden sind aus diesem Grund nicht heilbar.

Aber auch leisere Töne können die Menschen sehr belasten – insbesondere, wenn ein störendes Geräusch ständig wieder auftaucht. Fachärzte sprechen dann von psychischen Beeinträchtigungen durch individuelles Lärm-Empfindungen und von Lärm-Stress.

Verursacht Lärm neben Hörschäden auch Lärm-Stress?

Lärm kann tatsächlich Stress verursachen – denn man kann Lärm meist nicht aktiv abschalten oder sich problemlos entziehen. Fühlt sich jemand dauerhaft durch Lärm gestört, hat das Folgen.

  • Tinnitus: Unser Gehör reagiert auf häufigen Lärm-Stress – oft mit Tinnitus
    Andere Lärmprobleme sind:
  • Konzentrationsmangel
  • Schlafstörungen
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  • Bluthochdruck
  • Innerer Unruhe
  • Angstzustände
  • Gereiztheit

Teilweise treten auch Resistenzen, also das Überhören von bestimmten Lärmquellen auf. Dann sind die Betroffenen besonders schutzbedürftig, so Prof. Schulte-Fortkamp. Da sie den Lärm nicht mehr störend wahrnehmen, schützen sie sich nicht ausreichend vor lauten Geräuschen und Einflüssen.

Das könnte Sie auch interessieren

Wenn Spielzeug zu laut ist

Ohren auf beim Kauf der Weihnachtsgeschenke für die lieben Kleinen: Denn oftmals ist Spielzeug zu laut und schädigt das Gehör – und das gilt ganz besonders für die empfindlichen Baby- und Kinderohren.

Aua, das ist aber laut! – Wie viel Dezibel sind schädlich?

Martinshorn, Böller, Presslufthammer: Viele laute Geräusche tun den Ohren im wahrsten Sinne weh. Sind wir ihnen langfristig ausgesetzt, können Hörschäden die Folge sein. Doch ab wann ist Lärm eigentlich schädlich?

Wie wir unser Gehör schützen können

Wir sollten achtsam mit uns selbst sein, Hörschäden vorbeugen und das Gehör schützen. Denn unsere Ohren sind einmalige Sinnesorgane. Am besten ist es, Lärmbelastungen so gut wie möglich zu reduzieren. In vielen Fällen hilft ein Gehörschutz wie Ohrstöpsel oder geräuschreduzierende Kopfhörer. Ohrstöpsel aus Schaumstoff oder Wachs sind beim Hörakustiker erhältlich.

Erkundigen Sie sich bei den Experten für gutes Hören nach dem richtigen Gehörschutz für Ihren beruflichen oder privaten Bedarf oder Ihre Kinder. Je nach Ohrform gibt es einen passgenauen Gehörschutz, auch für viele Sportarten. Zudem kann dieser Schutz für die Ohren in den Hörakustiker-Geschäften regelmäßig auf Dichtigkeit und Passform überprüft werden.

Wenn Sie das Gefühl haben, dass Sie unter Lärm-Stress leiden oder bereits Veränderungen an Ihrem Gehör feststellen, ist ein Hörtest beim Hörakustiker oder der Besuch beim Hals-Nasen-Ohrenarzt ein wichtiger Schritt. Wir haben nur ein Gehör – deshalb sollten wir rechtzeitig handeln.

 

Diese Seite teilen:
Hörtest

Hörgeräte Beratung

Akustiker Suche

Videos