Hörtechnologie: Mit modernen Hörgeräten gegen Hörermüdung

Hörtechnologie: Mit modernen Hörgeräten gegen Hörermüdung

Was ist Hörermüdung und wie helfen moderne Hörgeräte dagegen?

Wer kennt es nicht – schlafen wir nicht genug, sind wir mitunter tagelang müde. Wussten Sie, dass auch unser Gehör „ermüden“ kann? Wir haben unseren Audiologie-Experten Horst Warncke zu diesem Phänomen befragt und klären auf: Was ist Hörermüdung und wie können moderne Hörgeräte helfen?  

Weltweit beschäftigen sich Hörforscher mit der Frage, wie wir hören, wie Schwerhörigkeit entsteht und wie Menschen, die nicht mehr gut hören, geholfen werden kann. Je nach Art der Schwerhörigkeit, ihrer Ursache und Schwere oder auch der Lärmeinwirkung kann es passieren, dass unser Hörsinn „ermüdet“. Eine solche Hörermüdung führt dann dazu, dass unser Hörvermögen abnimmt, wir unser Gegenüber nur noch schwer verstehen. Ein Normalhörender kann sich das mitunter so vorstellen, als hätte er im Urlaub den ganzen Tag lang auf einer Fremdsprache kommuniziert – auch hierbei ist das Zuhören anstrengender, da der kognitive Aufwand des Verstehens und Merkens größer ist.

Auch Menschen, die Hörgeräte tragen, können unter dem Phänomen der Hörermüdung leiden. Vor allem, da sie auch in ruhiger Umgebung sehr deutlich wahrnehmen, was um sie herum passiert, das Gehör quasi nie ausgeschaltet ist. Moderne Hörgeräte sind inzwischen so weit entwickelt, dass sie dem entgegenwirken und das Hören für ihre Träger so noch angenehmer machen – trotz vollem Empfang den ganzen Tag. Wir haben dazu mit Horst Warncke, Audiologie-Experte des Bundesverbands der Hörgeräte-Industrie gesprochen.

Müde vom Hören – daran liegt es

Herr Warncke, was genau ist eine Hörermüdung?

„Ermüdung generell ist ein Phänomen, dass jeder von uns kennt – hatten wir einen anstrengenden Tag, sind wir am Abend müde. Körperlich wie auch geistig, die Gründe dafür können individuell ganz unterschiedlich sein. Bei Menschen mit Schwerhörigkeit und dem Thema Hören ist es komplexer: Sie müssen das gesprochene Wort nicht nur verstehen, sondern sich auch merken, in den Kontext des Satzes setzen und darauf reagieren – und das über eine längere Dauer. Hören Sie beispielsweise einen langen Vortrag, geht ein Großteil der kognitiven Leistung dafür drauf, jedes Wort zu verstehen. Darunter leidet mitunter am Ende das Satzverständnis und Sie werden müde. Dass unsere Müdigkeit am Ende des Tages an einer Schwerhörigkeit liegt, ist interessanterweise vielen Menschen gar nicht bewusst.“  

Horst Warncke, Audiologie-Experte des Bundesverbands der Hörgeräte-Industrie (BVHI)
Horst Warncke, Audiologie-Experte des Bundesverbands der Hörgeräte-Industrie (BVHI)

Wenn zwei 100 Prozent verstehen, ist es für den einen trotzdem anstrengender

Was genau ist der Unterschied zwischen Normalhörenden und Hörgeräte-Trägern? Warum ist Hörermüdung gerade für Menschen, die ein Hörgerät tragen, so relevant?

„Aktuelle Studien belegen, dass Menschen mit einem Hörverlust, obwohl sie mit dem Hörgerät die gleichen 100 Prozent verstehen wie ein Normalhörender, immer eine höhere Höranstrengung erleben. Weil sie sich darauf konzentrieren müssen, jedes einzelne Wort zu verstehen. Haben wir beispielsweise zwei Sportler, die beide einen 100m-Lauf absolvieren, der eine aber mit einem Handicap wie z. B. einen angeknacksten Knöchel läuft, schaffen auch beide den Lauf – der verletzte Sportler aber unter höherer Anstrengung.“

Vom Tunnelhören zum Rundumhören – mit modernen Hörgeräten

Und wie helfen moderne Hörgeräte bei Hörermüdung?

„Die Hörgeräte der älteren Generationen sind alle mit einfachen Richtungsmikrofonen ausgestattet und sind lediglich darauf ausgerichtet, dass Hörgeräte-Träger die Person gut verstehen, die genau vor ihnen steht. Die neueren Geräte verfolgen einen anderen Ansatz:  Weg vom ‚Tunnelhören’, hin zum ‚Rundumhören’. Denn so hören wir natürlich: Unser Gehör scannt permanent die Umgebung ab. Wird das durch die einfachen Richtmikrofone eingeschränkt, wird das kognitiv anstrengender und führt langfristig zur Hörermüdung. Anstatt nur nach vorne ausgerichtet zu sein, stellen die neuen Geräte die Sprache in den Vordergrund. Ein Prozessor im Hörgerät erkennt die Geräusche, die Sprache sind und reduziert, wenn auch nur leicht, die Geräusche, die keine Sprache sind – also das allgemeine Rauschen und auch alles andere, was nicht als Sprache identifiziert wird.

Mit den neuen Geräten können Hörgeräte-Träger demzufolge mehr erleben. Das Hören wird natürlicher, sie hören auch, wenn ein Radfahrer auf der Straße sich Ihnen von hinten nähert und sie brauchen keine Angst mehr vor Familienfeiern haben, an denen alle durcheinanderreden. Hinzukommt: Durch das bessere Hören wird langfristig auch noch das Demenzrisiko verringert.“

Vielen Dank, Herr Warncke!

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