Filmtipp: Schmetterlinge im Ohr

Filmtipp: Schmetterlinge im Ohr

Der Geschichtslehrer Antoine nimmt weder die Worte seiner Schüler noch seiner Freundin wahr und überhört sogar das laute Klingeln seines Weckers. Erst, als er auch einen Feueralarm in seiner Schule nicht hört, kann er seine Schwerhörigkeit nicht mehr ignorieren.

Die französische Komödie „Schmetterlinge im Ohr“ mit und von Pascal Elbé erzählt die Geschichte eines Lehrers mittleren Alters, der allmählich und unbemerkt sein Gehör verliert. Das führt nicht nur zu wortwörtlichen Missverständnissen auf seiner Arbeit führt, sondern erschwert ihm auch die Eroberung des Herzens seiner Nachbarin. Erste Anzeichen des Alters? Ein Umstand, der für den gutaussehenden Antoine zunächst schwer zu akzeptieren ist. Lieber versucht er seine Schwerhörigkeit zu ignorieren. Ein Hörtest und Hörgeräte sind schließlich nur etwas für ganz alte Leute, denkt er.

Ein großer Irrtum, denn wer seine Schwerhörigkeit verdrängt, ignoriert oder leugnet, nimmt gesundheitliche Risiken und viele Probleme mit in Kauf.

Schwerhörigkeit ignorieren ist keine Lösung

Wer seine Schwerhörigkeit nicht behandelt, läuft Gefahr sich sozial zu isolieren, Kontakte zu verlieren und auch im Beruf an den Rand gedrängt zu werden. Folgen können Vereinsamung, schlechtere Karrierechancen etc. sein. Unbehandelte Schwerhörigkeit im mittleren Lebensalter ist neuen Studien zufolge der mit Abstand größte modifizierbare Risikofaktor einer Demenzerkrankung (Livingston et al 2020, Dementia prevention, intervention, and care: 2020 report of the Lancet Commission, in: The Lancet Commissions, Volume 396, Issue 10248).

Forschungen von Dr. Frank Lin und seinen Kollegen vom Johns Hopkins Medicine, USA, haben außerdem ergeben, dass ein unbehandelter Hörverlust den Schwund der Gehirnmasse bei älteren Menschen beschleunigt. Dazu wurde bei 126 Teilnehmern zehn Jahre lang jährlich ein MRT durchgeführt. Auch diese Studie zeigt die Wichtigkeit einer Behandlung bei Schwerhörigkeit auf. Schwerhörigkeit ignorieren ist also keine Lösung. Im Gegenteil: Je früher ein Hörverlust diagnostiziert und behandelt wird, desto besser. Denn wenn Schwerhörigkeit der Grund für die strukturellen Veränderungen im Gehirn ist, dann gilt es den Hörverlust zu behandeln, bevor diese Veränderungen auftreten, so die Wissenschaftler.

Schwerhörigkeit offen kommunizieren schützt vor Missverständnissen

In der turbulenten Komödie „Schmetterlinge im Ohr“ stellt sich Antoine schließlich seinen Hörproblemen. Allerdings nur halbherzig, denn er versucht weiter, seine Schwerhörigkeit vor seinen Mitmenschen zu verbergen. Im Film entfaltet sich eine gnadenlose Komik über die Schwierigkeiten der zwischenmenschlichen Kommunikation und den betörenden Charme der Ignoranz. In Wirklichkeit sollten Menschen mit Hörsystemen offen über ihre Hörthemen mit Freunden, Kollegen und Familienangehörigen sprechen und ihr Handicap nicht verbergen. Dann gelingt auch die Kommunikation viel besser, ohne komische oder tragische Missverständnisse.

Schwerhörigkeit sollte früher ernst genommen werden – regelmäßige Hörtests schaffen Klarheit

Warum wird eine Schwerhörigkeit im Durchschnitt erst nach sieben Jahren erkannt? Wenn nicht eine Krankheit wie ein plötzlicher Hörsturz vorliegt, stellt sich ein Hörverlust meist schleichend ein. Denn im wirklichen Leben kommt es eher selten vor, dass gleich ein Feueralarm überhört wird. Deshalb warten viele einfach ab und ignorieren die ersten Anzeichen jahrelang.

Meist gehen erst die hohen Frequenzen nach und nach verloren. Das heißt das Zwitschern der Vögel oder das Blätterrascheln werden vermindert oder gar nicht mehr wahrgenommen. Aber dieser Prozess ist schleichend und die betroffenen Menschen versuchen damit zurecht zu kommen ohne die Folgen zu bedenken.

Also nicht wie im Film solange warten, bis der Hörverlust so groß ist.

Erste Anzeichen eines Hörverlusts – So erkennen Sie eine beginnende Schwerhörigkeit

  • Es fällt Ihnen schwer hohe Kinder- und Frauenstimmen zu verstehen?
  • Sie müssen immer wieder nachfragen, weil Sie Ihr Gegenüber nicht richtig verstehen?
  • Sie stellen den Fernseher immer lauter?
  • Hintergrundgeräusche stören Sie sehr?
  • Sie überhören das Telefon oder die Türklingel?
  • In Gesellschaft bleiben Sie stumm am Rand, weil Sie die vielen Stimmen nicht richtig hören können?

Treffen einige dieser Fragen auf Sie zu? Dann ist es unbedingt an der Zeit für einen Hörtest beim HNO-Arzt oder Hörakustiker.

Im Laufe der Zeit verringert sich bei den Betroffenen das, was sie hören sollten, schleichend immer weiter. Und damit wird auch das Gehirn immer weniger gefordert. Es verliert so nach und nach seine Leistungsfähigkeit, Töne und Geräusche zu erkennen und zu interpretieren. Wird die Schwerhörigkeit dann mittels eines Hörgerätes in Angriff genommen, heißt es zunächst das Gehirn wieder zu trainieren. Und dies kann –  je nachdem, wie lange der Hörverlust ignoriert wurde – einige Zeit dauern. Ein Hörgerät muss dann wie ein Trainingsgerät behandelt werden. Aus diesem Grund sollte ein Hörscreening ab 50 Jahren zum jährlichen Gesundheits-Check gehören, um eine Schwerhörigkeit rechtzeitig zu erkennen. Dieses Hörscreening in den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen aufzunehmen und von einem HNO-Facharzt durchführen zu lassen, das fordert der BVHI und die Partner der Initiative Hörgesundheit.

Um Ihre Hörfähigkeit überprüfen zu lassen, gehen Sie einfach zum HNO-Arzt oder Hörakustiker in Ihrer Nähe. Denn Hörtests schaffen Klarheit und dienen Ihrer Hörgesundheit und einem aktiven Altern mit viel Lebensqualität.

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