Wie gut hört Deutschland?

Wie gut hört Deutschland?

Schleswig-Holstein Sieger im bundesweiten Hörtest

Morgen jährt sich die deutsche Wiedervereinigung zum 30. Mal – ein guter Anlass, einmal die Hörfähigkeit der Deutschen unter die Lupe zu nehmen.

Obwohl der Fall der Berliner Mauer, der zum Beitritt der ehemaligen DDR zur Bundesrepublik Deutschland geführt hat, schon 30 Jahre zurückliegt, gibt es nach wie vor Unterschiede zwischen den „alten“ und den „neuen“ Bundesländern, sei es beim Wirtschaftswachstum, bei der Arbeitslosigkeit, der Armutsgefährdung oder der Lebenserwartung. Auch die Hörfähigkeit der deutschen Bevölkerung unterscheidet sich von Bundesland zu Bundesland, von Stadt zu Stadt. Das hat das Berliner Startup Mimi Hearing Technologies, Entwickler einer Hörtest-App, gemeinsam mit der Krankenkasse Barmer untersucht – und festgestellt, dass es innerhalb der undesrepublik teils deutliche Unterschiede gibt.

 

Wo die Menschen am besten hören

Die Autoren kommen zu dem Ergebnis, dass Menschen in Schleswig-Holstein am besten, die Bewohner Mecklenburg-Vorpommerns am schlechtesten hören. Demnach liegt die Hörfähigkeit der Testpersonen im norddeutschesten Bundesland um 1,09 dB über dem bundesweiten Durchschnitt. Es folgen Punktgleich Bayern und Sachsen-Anhalt mit einem um 0,55 dB besseren Gehör. Auf Rang drei der Bundesländer mit den besten Ohren landet Niedersachen. Die drei Schlusslichter im bundesweiten Hörindex sind Mecklenburg-Vorpommern mit minus 1,63 dB, das Saarland (minus 1,06 dB) und Bremen (minus 0,76 dB). Ziemlich durchschnittlich hören die Bewohner Nordrhein-Westfalens, Hamburgs, Baden-Württembergs und Hessens.

 

Ost-West-Gefälle des guten Gehörs

Auffällig ist, dass in vier von fünf und damit fast allen ostdeutschen Bundesländern die durchschnittliche Hörfähigkeit unter dem bundesdeutschen Durchschnitt liegt, wohingegen in den meisten westdeutschen Bundesländern die Menschen genauso gut oder besser als der Durchschnitt hören. Dies liegt sicher in der demographischen Struktur begründet: Durch die Abwanderung der jungen Bevölkerung von Ost nach West, die niedrige Geburtenrate in Ostdeutschland und die steigende Lebenserwartung ist die Alterung der Gesellschaft in den ostdeutschen Bundesländern stärker vorangeschritten als im Westen Deutschlands. Da die Hörfähigkeit naturgemäß mit zunehmendem Alter abnimmt, schneiden die Bundesländer mit höherem Durchschnittsalter schlechter im Hörindex ab.

In allen ostdeutschen Städten, die die Studie untersucht hat, liegt die Hörfähigkeit ebenfalls unter dem Durchschnitt. Erfurt ist die ostdeutsche Stadt, die hier am besten abschneidet – mit einem Minus von 0,59 dB. Am schlechtesten hören demnach die Bewohner Rostocks (minus 2,96 dB), Paderborns (minus 1,56 dB) und Dresdens (minus 1,52 dB). Spitzenreiter im Städteranking sind Oldenburg mit einem um 2,26 dB besseren Gehör als der Bundesdurchschnitt, Freiburg (plus 1,42 dB) und Fürth (plus 1,32 dB).

 

Bewusstsein für gutes Hören bei jungen Leuten gestiegen

Unabhängig davon, ob man im Osten oder im Westen Deutschlands lebt, hat die bundesweite Hörtestaktion der Fördergemeinschaft Gutes Hören (FGH) im vergangenen Jahr herausgefunden, dass immer mehr jüngere Menschen sich für ihre Hörfähigkeit interessieren und ihr Gehör testen lassen. 2.827 Probanden unter 40 Jahren haben an dem mobilen Hörtest der FGH Hörtour 2018 teilgenommen, 748 waren sogar jünger als 20 Jahre. Insgesamt hat die FGH fast 24.500 Hörtests durchgeführt. Erwartungsgemäß stieg der Anteil der Teilnehmer, bei denen ein Hörverlust festgestellt wurde, mit dem Alter an. Wurden nur bei 11 Prozent der Probanden unter 20 Jahren eine Hörminderung erkannt, waren es unter den 21- bis 40-Jährigen schon 24 Prozent. In der Altersgruppe 41 bis 60 Jahre wiesen 59 Prozent eine Schwerhörigkeit auf. Und bei den über 60-Jährigen – die mit Abstand größte Altersgruppe, die an dem Hörtest teilgenommen hat – hörten 85 Prozent schlecht.

 

Oft keine Hörgeräte trotz Hörminderung

Besorgniserregend ist jedoch, dass die meisten Teilnehmer, bei denen der Test eine erhebliche Hörminderung zeigte, keine Hörgeräte trugen – und das obwohl ihnen ihre nachlassende Hörfähigkeit bereits aufgefallen war. Umso wichtiger sind Aktionen wie der Welttag des Hörens des Bundesverbandes der Hörgeräteindustrie, die zwar einen Hörtest bei einem Hörakustiker nicht ersetzen, aber auf die Wichtigkeit einer professionellen Untersuchung und Beratung beim HNO-Arzt oder Hörakustiker hinweisen. Denn Hörgeräte steigern die Lebensqualität, reduzieren das Risiko für Demenz, Stürze und Depressionen und erhalten die Vitalität und die kognitive Leistungsfähigkeit – unabhängig von Alter und Wohnort.

Menschen, die keine Hörgeräte tragen, obwohl sie schlecht hören, leiden hingegen häufiger unter Müdigkeit, Antriebslosigkeit, Kopfschmerzen und Stress, was die Gefahr einer Depression erhöht. Studien belegen außerdem, dass die Risiken von Sturzunfällen, Invalidität und eines beschleunigten kognitiven Verfalls mit zunehmendem Hörverlust steigen, wenn dieser nicht durch Hörgeräte ausgeglichen wird. Dabei gilt: Je schneller eine Schwerhörigkeit versorgt wird, desto weniger Nachteile entstehen für den Betroffenen. Deshalb ist es ratsam, sein Gehör regelmäßig testen zu lassen und spätestens dann einen Termin für einen Hörtest bei einem Hörakustiker zu vereinbaren, wenn man selbst den Verdacht hat, dass sich die eigene Hörleistung verschlechtert.

 

Wie der Hörindex funktioniert

Für die Studie „Healthy Hearing Index“ hat das Berliner Software-Unternehmen Mimi Hearing Technologies die Ergebnisse seiner Hörtest-App zusammengefasst und für jede Altersgruppe einen bundesweiten Durchschnittswert ermittelt. Im nächsten Schritt wurden individuelle Testergebnisse mit dem Durchschnitt der jeweiligen Altersgruppe verglichen. Dadurch konnten die Autoren der Studie ermitteln, inwieweit die Hörfähigkeit der Bewohner eines Bundeslandes oder einer Stadt unter oder über dem Durchschnittswert liegt. Dabei hat die Studie den Mittelwert der Hörschwellen an den vier Frequenzen 500 Hz, 1 kHz, 2 kHz und 4 kHz, der international als PTA-4 bezeichnet wird, zugrunde gelegt – ein Referenzwert, den die Weltgesundheitsorganisation dazu nutzt, um Hörverluste zu klassifizieren.

Mit derselben Methode hat Mimi Hearing Technologies bereits 2017 die Hörfähigkeit der Bewohner von 50 Städten weltweit getestet. Bei dieser Studie sind die Wiener mit dem geringsten Hörverlust ganz vorne gelandet. Schlusslicht waren die Bewohner Delhis. Die sieben deutschen Städte, die hierbei untersucht haben, nehmen vordere Positionen im weltweiten Hör-Ranking ein; vier davon kamen sogar unter die ersten zehn: München, Düsseldorf, Hamburg und Köln.

Haben Sie den Eindruck, Sie verstehen Ihre Gegenüber schlechter oder es strengt Sie in ungewohnter Art und Weise an, sich auf ein Gespräch zu konzentrieren – erst recht, wenn es um Sie herum laut ist? Dann zögern Sie nicht. Gehen Sie zu einem Hörakustiker oder einem HNO-Arzt in Ihrer Nähe und lassen Sie Ihr Gehör testen.

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