Reise in die Zukunft – Teil 1
KI-Assistenten, selbstaufladende Akkus, Gesundheits-Check – die Funktionen von Hörgeräten werden durch die Digitalisierung immer vielseitiger. Wagen Sie mit uns einen Blick in die Zukunft der Hörgeräte.
Stellen Sie sich vor, Ihre Hörgeräte erkennen eigenständig, wo sie sich gerade aufhalten. Verschwörungstheoretischer Alptraum? Wohl kaum: Auch wenn manche modernen Hörgeräte auf die Bewegungssensoren und Geodaten des Smartphones zugreifen können, hat dies nichts mit Überwachung zu tun. Tatsächlich können mit künstlicher Intelligenz (KI) ausgestattete Hörgeräte akustische Situationen erkennen und die Einstellungen und Mikrofonsteuerung daran anpassen.
Hörgeräte lernen, wie Sie am besten hören
In Hörsystemen lernt KI aus Klangbeispielen sowie aus den je nach Situation getroffenen Benutzereinstellungen, welche Hörbedürfnisse der Träger hat, und passt diese dann in ähnlichen Situationen an. So erkennt sie beispielsweise, wenn der Träger sich an einem Bahnhof befindet. Sie stellt die Hörgeräte dann automatisch mit der Präferenz ein, die es aus den Eingaben des Trägers herausgelesen hat.
Damit Hörgeräte akustische Umgebungen eigenständig erkennen, werden sie mit maschinellem Lernen ausgestattet. Also mit einer künstlichen Intelligenz, die anhand eingespeister Daten dazu in der Lage ist, Rückschlüsse zu ziehen und sich auf dem Gebiet, in dem sie eingesetzt wird, selbstständig weiterzuentwickeln. Es werden also unzählige Hörsituationen ausgewertet, aus denen Hör-Profile erstellt werden. Je mehr solcher Hör-Profile gespeichert werden, desto besser erkennt das Hörsystem verschiedene Situationen. So wird das Hörerlebnis in lauten Alltagssituationen, wie an Bahnhöfen, Flughäfen oder bei Großereignissen deutlich verbessert.
Der nächste Entwicklungsschritt sind Deep Neural Networks (DNN, tiefe neuronale Netze). Solche selbstlernenden Systeme sind nicht nur in der Lage, Geräuschumgebungen zu registrieren, sondern können einzelne Stimmen aus einem Gesprächs-Wirrwarr herausfiltern und die Umgebungsgeräusche ausblenden.
Lippenlesen und Simultan-Übersetzung
Die nicht mehr allzu ferne Zukunft hält noch viele weitere äußerst spannende Entwicklungen im Zusammenhang mit Algorithmen bereit. So arbeitet die Oxford University gemeinsam mit dem Google-Unternehmen DeepMind an einer lippenlesenden KI. Bereits jetzt hat diese eine Trefferquote von 93 Prozent , wobei sie allerdings keine einzelnen Wörter lesen kann, sondern noch den Zusammenhang von Sätzen benötigt. Neben lippenlesender KI werden Echtzeit-Übersetzungsdienste künftig Eingang in Hörsysteme finden. Noch ist für diese Echtzeit-Übersetzung eine Verbindung von Hörgeräten und Smartphone nötig. Aber es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis dafür kein Smartphone mehr notwendig ist. Auch unabhängig von Hörgeräten lässt sich KI zum Beispiel einsetzen, um automatische Untertitel von Videoinhalten oder TV-Sendungen zu erzeugen.
Im nächsten Teil unserer Reihe erfahren Sie, wie Sie mit Hilfe der Hörgeräte die Garage öffnen, Ihre Gesundheit verbessern und sogar Kaffee kochen können.
Wie Sie sich bereits jetzt fremde Sprachen übersetzen lassen können, erfahren Sie in unserem Beitrag „Hörtechnologie: Digitaler Übersetzer direkt im Ohr “. Über eine KI, die zuhören kann, berichteten wir in unserem Beitrag „KI im Ohr “.