Dank CIs wieder am Leben teilhaben

Dank CIs wieder am Leben teilhaben

96 Prozent der CI-Träger würden sich jederzeit wieder einer OP unterziehen

Als Jugendlicher war er fast taub – heute kann er wieder Hörbücher und Musik genießen. Dank Cochlea Implantaten fand Michael Schwaninger zu neuem Lebensmut.

Bis Michael Schwaninger im Jahr 2001 sein erstes Cochlea Implantat (CI) erhielt, hat er einen langen Leidensweg hinter sich gebracht. Im ersten Teil unseres Gespräches berichtete er von seinen Erfahrungen als fast tauber Mensch in Ausbildung und Studium. Erfahren Sie jetzt, wie sich sein Leben seitdem grundlegend verändert hat.

Herr Schwaninger, Sie bekamen im Jahr 2001 Ihr erstes CI. Wie ist es Ihnen damit ergangen?

Im Oktober 2001 – ich war damals an Taubheit grenzend schwerhörig – wurde ich operiert. Bereits nach sechs Wochen hörte ich mit dem CI so gut, wie zuvor mit den Hörgeräten. Anfänglich konnte ich unterschiedliche Stimmen noch nicht auseinanderhalten. Mit dem Hörtraining und den kontinuierlichen Anpassungen, die immer wieder vorgenommen wurden, ging das immer besser. Nach weiteren zwei Monaten habe ich so gut gehört, dass ich mich wieder ans Telefon traute und nach vier bis fünf Monaten konnte ich wieder Musik hören und genießen. Zunächst Musik aus den 80er-Jahren, die ich kannte, wie Michael Jackson oder Bruce Springsteen – dann auch immer mehr aktuelle Titel. Mittlerweile kann ich sogar Hörbücher im Auto hören und verstehen.

Es ist aber wichtig zu betonen, dass das Wiedererlangen des Gehörs nach dem Eingriff ein sehr individueller Prozess ist. Bei dem Einen geht es schneller, bei anderen dauert es länger. Das Gehirn muss sich an das neue Hören erst wieder gewöhnen, das ist ein Prozess. Im Jahr 2002 habe ich dann mein zweites CI für das andere Ohr bekommen.

Sie haben eher zufällig von den CIs erfahren. Wie kam es dazu?

Im Jahr 2000 hat mir eine Arbeitskollegin von dieser Möglichkeit erzählt. Ihr Mann war in Frankfurt HNO-Arzt. Er untersuchte mich und arrangierte einen Termin in der Uniklinik in Frankfurt, die sich auf die Implantation von CIs spezialisiert hat. Nachdem ich zum ersten Mal in der Klinik war und erfuhr, dass es doch noch Hoffnung gibt, bin ich regelrecht aufgeblüht. Ich schloss mich einer Selbsthilfegruppe an und besorgte mir alle möglichen Informationen über CIs.

Bis dahin hat Sie niemand darüber aufgeklärt?

Vor 20 Jahren gab es nur wenige Experten für CIs. Mittlerweile ist das zum Glück anders. Viele Menschen, die unter einer schweren Hörminderung leiden, haben vor vielen Jahren die Diagnose bekommen, dass ihr Hörnerv beschädigt sei. Oftmals ist das aber gar nicht der Fall. Deshalb kann man diese Menschen nur immer wieder dazu ermutigen, noch einmal zu einem HNO-Arzt oder Hörakustiker zu gehen und ihr Gehör erneut untersuchen zu lassen.

Haben Sie deshalb im Jahr 2002 den Cochlear Implant Verband Hessen – Rhein-Main e.V. gegründet?

Ja, die Aufklärung ist ein wichtiger Teil unserer Arbeit. Wir wollen Menschen mit einer Schwerhörigkeit das Licht am Ende des Tunnels aufzeigen und ihnen neuen Lebensmut geben. Die technischen Möglichkeiten von Hörgeräten und CI sind heute schon sehr weit fortgeschritten und es gibt fast für jede Schwerhörigkeit eine technische Hilfe, die zu einem besseren Hören führt. Außerdem machen wir auch auf Präventionsmaßnahmen aufmerksam. Es ist sehr wichtig, unser Gehör zu schützen – denn es verbindet die Menschen miteinander.

Bis dem damals 33-jährigen im Jahr 2001 das erste Cochlea Implantat (CI) eingesetzt wurde, nahm seine Hörfähigkeit kontinuierlich ab. Heute trägt er auf beiden Ohren CIs und kann wieder hören. Um anderen Betroffenen zu helfen, hat er den Cochlear Implant Verband Hessen-Rhein-Main e.V. gegründet und ist Vorstandsmitglied der Deutschen Cochlea Implantat Gesellschaft e.V.. Im ersten Teil des Interviews hat uns Herr Schwaninger erzählt, wie es ihm mit zunehmendem Hörverlust ergangen ist und wie er – an Taubheit grenzend schwerhörig – Schule, Ausbildung und Studium gemeistert hat.

Sind CI-Patienten überwiegend zufrieden mit der Versorgung?

Ja, auf jeden Fall. Wir haben mit dem Cochlear Implant Verband Hessen-Rhein-Main e.V. eine Umfrage unter 600 erwachsenen CI-Trägern durchgeführt. 96 Prozent der Befragten würden sich jederzeit wieder für das CI entscheiden. Ähnliche Werte zeigt das Schweizerische Cochlear Implant Register, das jährlich aktualisiert wird und qualitätsgesichert alle CI-Versorgungen seit 1992 umfasst. Wenn das Gehör für die Versorgung mit Hörgeräten zu sehr geschädigt ist, sind unter bestimmten medizinischen Umständen andere Lösungen gefragt, wie das CI. Deshalb sollte der Versorgungsweg stets ganzheitlich betrachtet werden. Nicht zuletzt deshalb ist die qualifizierte Beratung durch HNO-Ärzte und Hörakustiker so enorm wichtig.

Herr Schwaninger, vielen Dank für das sehr informative Gespräch.

Weitere Informationen zu Michael Schwaninger sowie zahlreiche Erfahrungsberichte von Menschen, denen ein CI implantiert wurden, finden Sie auf www.ohrenseite.info.

Lesen Sie hier den ersten Teil des Interviews mit Herr Schwaninger unter dem Titel „Eingelesen statt reingehört“.

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