Allen John ist derzeit bester deutscher Golfer bei den Schwerhörigen und hat große Ziele

Allen John ist derzeit bester deutscher Golfer bei den Schwerhörigen und hat große Ziele

Er spielt Golf, hat nur ein Hörvermögen von fünf Prozent und ist bereits von Kindesalter an auf Hörgeräte angewiesen. Allen John strotzt vor Selbstbewusstsein und hat seine Behinderung dank technischer Unterstützung bestens in den Griff bekommen. Im Gespräch mit dem Bundesverband der Hörgeräte-Industrie gewährte er einen Einblick in seine Zukunftspläne.

Allen John ist fokussiert. All seine Anstrengungen, den Trainingsaufwand und seinen eisernen Willen hat er seinem großen Ziel untergeordnet: Er möchte als Golfer bei der nächsten Sommerolympiade 2020 in Tokio mit am Abschlag stehen, Deutschland vertreten und erfolgreich einlochen. Der 30jährige, der in Ludwigshafen geboren wurde, muss allerdings mit einem Handicap der besonderen Art leben, denn er ist von Geburt an schwerhörig. In beiden Ohrschnecken, Teilen des Innenohrs, waren die Hörhärchen kaum ausgebildet, und dies wurde erst relativ spät bemerkt. „Damals waren die Untersuchungen bei Säuglingen noch nicht so fortgeschritten wie heute“, erzählt John. Seiner Mutter war es aufgefallen, und kaum war der kleine Allen zweieinhalb Jahre alt, erhielt er seine ersten Hörgeräte in der Uni Heidelberg eingesetzt und angepasst.

Allen John ist derzeit bester deutscher Golfer bei den Schwerhörigen
Allen John ist derzeit bester deutscher Golfer bei den Schwerhörigen

„Es war uns damals allen sehr schnell klar, dass es für mein Krankheitsbild keine Heilungsmöglichkeiten geben kann“.

Für Allen begann ein Leben mit der für ein kleines Kind sicherlich ungewohnten „Hörhilfe“. „Ich hatte von Anfang an sehr leistungsstarke Geräte, denn ich hatte lediglich fünf Prozent Hörvermögen“. Mit dem technologischen Fortschritt und der fortschreitenden Digitalisierung wurden seine Hörgeräte im Verlauf der Jahre leistungsstärker und konnten besser auf seine Bedürfnisse angepasst werden. Auch ein frühzeitiger Besuch bei einem Logopäden zahlte sich aus, denn Allen John konnte an seiner Sprache feilen und fleißig trainieren, um sich bestens und verständlich ausdrücken.

Im Alter von zehn Jahren nahmen ihn seine Eltern mit auf den Golfplatz. Er sollte mal reinschnuppern, indes erwuchs aus den ersten Versuchen eine große Leidenschaft, verknüpft mit inzwischen hochgesteckten sportlichen Ambitionen. Und es blieb nicht bei den selbst gesetzten Vorgaben. Im Vorjahr holte Allen John als Mitglied des Deutschen Teams die Goldmedaille bei den „Deaflympics“, einer Parallelolympiade  für Schwerhörige und Gehörlose in der Türkei. „Da musste ich wegen der Chancengleichheit meine Hörgeräte ablegen“, berichtete er. Ansonsten sind bei den nunmehr anstehenden Turnieren in Vorbereitung auf Tokio die Hörgeräte unverzichtbare Begleiter. „Ich habe mich längst daran gewöhnt, und stetige Optimierungen – ich wechsele so alle fünf Jahre die Geräte – haben es ermöglicht, mich problemlos auf den Golfplätzen dieser Welt durchzusetzen“.

 

„Ich fühle mich als normaler Mensch, werde akzeptiert, und meine Behinderung kann ich dank der Technik ausgleichen“.

Sein Selbstbewusstsein stärkte er in frühen Jahren. Kleinere Hänseleien wegen seiner Behinderung und den „ungewöhnlichen Dingern“ im Ohr steckte er mühelos weg. „Ich bin dadurch gereift, konnte mich behaupten und habe die Fähigkeit, mich durchzusetzen, ausgebaut“, blickt er stolz auf seine persönliche Entwicklungsgeschichte zurück. Nach dem Abitur zog es Allen John für ein Collegejahr in die USA. In Atlanta stand jedoch nicht primär das Pauken auf dem Stundenplan, vielmehr feilte er an der Verbesserung seiner Technik beim Golfspiel. Es folgten einige Jahre als Profi, ehe ihn eine Verletzung am Schambein für zwei Jahre außer Gefecht setzte. Kein Training, keine Wettkämpfe. Aber statt zu verzweifeln holte John seinen „Plan B“ aus der Schublade, ließ sich in seinem Heimatclub in St. Leon-Rot in der Nähe von Heidelberg zum Athletik- und Fitnesskaufmann ausbilden und unterrichtet derzeit Kinder und Jugendliche im Verein.

„Ich fühle mich als normaler Mensch, werde akzeptiert, und meine Behinderung kann ich dank der Technik ausgleichen“. An eben diese Technik werden bei Profisportlern erhöhte Anforderungen gestellt. Derzeit ist er neben seines beruflichen Engagements „mindestens vier Stunden“ auf dem Platz, um das Putten sowie die langen und kurzen Schläge zu verbessern – und das bei jedem Wetter. „Es macht Sinn, die Hörgeräte deshalb alle fünf bis sechs Wochen mal überprüfen zu lassen. Gerade Schweiß und Feuchtigkeit könnten zu Beeinträchtigungen in der Funktion führen“, begründet er seine Vorsichtsmaßnahme.

Allen John zeichnet nicht nur der professionelle Umgang mit seiner Behinderung aus. Der Mut und die Zuversicht, sich für Olympia zu qualifizieren, um sich vielleicht in zwei Jahren in der japanischen Hauptstadt mit den Besten der Welt zu messen, ist zwar eine sportliche Herausforderung, aber er traut sich das zu. „Viel Arbeit bis dahin“, meint er mit einem verschmitzten Lächeln. Unterstützt wird er von seiner Freundin Stefanie, die ihn auf vielen Turnieren begleitet und mit der er auch zusammen wohnt.

Sollte es mal einen kleineren, häuslichen Disput geben, legt er die Hörgeräte einfach ab. „Dann bin ich mal offline“.

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