Tag gegen Lärm – Was Stille uns jetzt Hören lässt

Tag gegen Lärm – Was Stille uns jetzt Hören lässt

So schädlich ist Lärm für unsere Ohren

Am 29. April 2020 ist der „Tag gegen Lärm“. Was aber ist eigentlich Lärm? Wann ist er schädlich – und welche Auswirkungen hat er auf unsere Ohren? Wir erklären, was die Stille dieser Tage uns jetzt hören lässt.

Auf einen Blick

  • Am 29. April 2020 ist „Tag gegen Lärm“
  • Ruhe für die Ohren
  • #silenceforfuture soll gegenüber Lärm sensibilisieren

Das Coronavirus verändert das Bild unserer Städte – und wie sie sich anhören: Das öffentliche Leben verlagert sich nach innen und damit wandelt sich auch die Geräuschkulisse unserer Umgebung. Bekannte Lärmquellen wie Verkehr und Industrie werden zusehends leiser. Es kehrt vielerorts Ruhe ein, manchmal sogar absolute Stille. Dafür treten andere Geräusche in den Vordergrund, die sonst häufig in der Masse untergehen: etwa die Laute des Frühlings wie zwitschernde Vögel, das Knistern am Waldboden, laute Kirchturmglocken und Musik, die aus offenen Fenstern tönt.

Jede und jeder nimmt diese akustischen Signale der Umwelt anders wahr, wohltuend oder als störenden Lärm.

Zugleich hat die veränderte Geräuschkulisse unserer Umgebung eine stärkere Auswirkung auf unser Leben als sonst. Denn selten war gutes Hören so wichtig wie jetzt: Um Kontakt mit Freunden und Familie zu halten, nutzen wir viel häufiger elektronische Medien, bei denen Sprachverstehen eine zentrale Rolle spielt. Unabhängig ob bei Video-Konferenzen im Home Office, bei Sprachnachrichten für Freunde oder im elektronischen Klassenzimmer, aktuell umgeben wir uns mit Hören und Zuhören. Menschen, die sich nicht jeden Tag in der digitalen Welt aufhalten, sind jetzt noch mehr auf das Telefon, Radio oder Fernseher angewiesen, um am sozialen Leben teilzuhaben. Unangenehm wird es in der jetzigen Situation immer dann, wenn Störgeräusche, Lärm oder schlechtes Hören uns in der Kommunikation behindern.

Was ist Lärm überhaupt?

Wir empfinden jedes unerwünschte Geräusch als Lärm, daher ist Lärm eine subjektive Wahrnehmung. Während die einen zu Songs von Heavy Metal Bands wie Iron Maiden oder Metallica richtig abrocken, empfinden das andere als scheußlichen Lärm, der ihnen in den Ohren wehtut.

Die Krux: Anders als unsere Augen, können wir unsere Ohren nicht so einfach verschließen – unser menschliches Gehör arbeitet permanent – 24 Stunden rund um die Uhr. Dabei ist die Funktion des Hörens eine anspruchsvolle Aufgabe. Denn dabei fangen unsere Hörzellen die Schallwellen jedes einzelnen Tons ab und leiten sie an unser Gehirn weiter. Dort wird dann bewertet, ob wir sie als „Lärm“ empfinden oder nicht. Je lauter ein Geräusch ist, umso eher nehmen wir es als Lärm wahr.

BVHI und Good Hearing Initiative setzen Zeichen gegen Lärm

Der BVHI hat zum diesjährigen Tag des Hörens gemeinsam mit der Good Hearing Initiative das Projekt #silenceforfurture gestartet, um ein Zeichen gegen Lärm zu setzen. Um Herauszufinden an welchen Orten in Deutschland es laut ist und wo unsere Ohren Ruhe finden, werden im Rahmen des Projektes Geräusche gesammelt. Entstanden ist die Soundkarte Bundesrepublik Noiseland. Markiert sind neben den roten Brennpunkten des Lärms auch grüne Inseln der Ruhe, gelb markierte Orte sind mäßig laut. Die Soundkarte wird kontinuierlich erweitert, auch Sie können am Projekt teilnehmen. Dazu müssen Sie die kostenfreie SoundPrint-App installieren, die Lautstärke in ihrer Umgebung messen und teilen. Weitere Informationen finden Sie hier.

Wann schadet Lärm unseren Ohren?

Sind unsere Ohren dauerhaft einem gewissen Lärmpegel ausgesetzt, schadet das nicht nur unserem Gehör. Ständiger Lärm macht krank. Insbesondere Menschen, die in Städten leben, müssen mit einem bestimmten Lärmpegel leben, den sie selbst nicht kontrollieren können: an einer stark befahrenen Straße herrschen beispielsweise etwa 70 bis 80 Dezibel(db).

Auch Baulärm ist mit einer Dauerbeschallung von 55 dB und mehr richtig laut und ein startendes Flugzeug erzeugt bis zu 130 dB. Lärm ist belastend. Nicht nur für die Ohren, sondern für den gesamten Stoffwechsel. Denn unser Körper versucht sich gegen Lärm mit Cortisol und anderen Stresshormonen zu wehren. Das führt in der körperlichen Reaktion unter anderem zu hohem Blutdruck, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und weiteren Beschwerden.

Aktuell sind viele Lärmquellen verstummt: Durch den eingeschränkten Flugverkehr und fehlende Veranstaltungen haben unsere Ohren in der Tat eine Pause vom üblichen Alltagslärm. Dennoch sind auch das geliebte Topfschlagen im Kinderzimmer, die zu laute Musik auf den Kopfhörern oder Renovierungsgeräusche wie Bohrer und Hammer starke Lärmquellen, die wir uns nur in Maßen ohne Gehörschutz zumuten sollten.

Die zehn lautesten Städte Deutschlands

  1. Hannover                     69,4 dB
  2. Frankfurt am Main     65,5 dB
  3. Nürnberg                     61,4 dB
  4. Bonn                             57,7 dB
  5. Köln                              55,0 dB
  6. Berlin                           50,9 dB
  7. München                    49,7 dB
  8. Gelsenkirchen           49,6 dB
  9. Dortmund                  48,7 dB
  10. Bochum                      46,9 dB

In der lautesten Stadt Hannover ist es an vielen Stellen Tag und Nacht lauter als 55 db, an Hauptverkehrsstraßen herrschen Pegel von 80 db. Bereits oberhalb von 55 Dezibel wirkt Lärm auf Menschen – und kann zu Schlafstörungen oder Bluthochdruck führen. Die Untersuchung zeigt, dass bei Städten groß nicht gleich laut bedeutet, auch wenn der Straßenverkehr der größte Verursacher von Stadtlärm ist. Hamburg belegt beispielsweise nur Platz 13. Besonders leise ist es mit deutlich unter 20 db in Augsburg und Münster.

Mehr über Lärm – den natürlichen Feind unseres Gehörs – lesen Sie hier.

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