Hören mit neuen Genen

Hören mit neuen Genen

iHEAR: Grundlagenforschung zu Gentherapie gegen Taubheit

Wissenschaftler erforschen eine neue Gentherapie, die vor Taubheit schützen soll. Das vielversprechende Forschungsprojekt iHEAR wird von der EU mit zwei Millionen Euro gefördert.

Eine neue Gentherapie könnte vielen Menschen mit angeborener Taubheit helfen. Darüber hinaus wäre dadurch auch den rund 20 Prozent der Bevölkerung geholfen, die unter einer massiven Hörminderung leiden. Allein in Deutschland bedeutet dies Hoffnung für etwa 15 Millionen Menschen. Deshalb arbeitet Prof. Axel Schambach von der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) gemeinsam mit seinem Forscherteam an einer Gentherapie, die grundsätzlich neue Behandlungsmöglichkeiten der Schwerhörigkeit ermöglicht. Der Europäische Forschungsrat hat das Projekt jetzt mit dem „Consolidator Grant“ ausgezeichnet und mit rund zwei Millionen Euro gefördert.

Gehörlosigkeit durch Gendefekt

Von tausend neugeborenen Kindern kommen zwei taub zur Welt. Bei etwa der Hälfte aller taub geboren Kinder funktioniert mindestens eines von rund 100 Genen nicht mehr, die für die Haar- und Sinneszellen im Innenohr verantwortlich sind. Genau darauf basiert der Ansatz von iHEAR. Die Forscher injizieren Genfähren – ein Transportvehikel für fremde Gene – in das Innenohr. Beladen sind diese mit der funktionierenden Version des Gens. Das soll dafür sorgen, dass das Gen in die Haar- und Sinneszellen gelangt und so das fehlende Protein gebildet wird, damit die Zellen wieder funktionieren. Die größte Herausforderung liegt in der komplexen Zellarchitektur des Innenohrs. „Bei der von uns angestrebten Gentherapie bei Schwerhörigkeit müssen exakt diejenigen Strukturen wiederhergestellt werden, die defekt sind, und nur exakt in genau jenen Zellen, in denen sie natürlicherweise vorkommen“, erläutert Dr. Warnecke, HNO-Ärztin der MHH-Klinik.

Ertaubung entgegenwirken

Die Forscher verfolgen auch das Ziel, mit ihrer Gentherapie einer spontanen Ertaubung entgegenwirken. Diese kann unter anderem durch Medikamente ausgelöst werden, beispielweise durch Chemotherapeutika. So soll verhindert werden, dass solche Medikamente in die Haar- und Sinneszellen gelangen. Ebenso sollen aber auch, bereits aufgenommene Medikamente wieder aus diesen Zellen heraus geschwemmt werden. Die Gentherapie eröffnet aber auch grundsätzlich neue Behandlungsmöglichkeiten der Schwerhörigkeit. Sie ermöglicht die direkte Bekämpfung der Ursache der Hörstörung und könnte künftig die Heilung bestimmter Formen von Taubheit ermöglichen.

Augenblicklich wenden die Wissenschaftler dieses Verfahren noch nicht bei Menschen an. Stattdessen laufen noch Zellversuche. Langfristig hofft das Forscherteam, dass die Ergebnisse auch zur Therapie der Altersschwerhörigkeit beitragen.

Wie es bereits gelungen ist, tauben Mäusen mit einer Gentherapie Gehör zu verschaffen erfahren Sie in unserem Beitrag „Taube Mäuse können dank Gentherapie hören“.

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