Die Augmented Reality- und Virtual Reality-Revolution bei Hörtests
Wie virtuelle Klangwelten die Hörforschung und Hörgeräteanpassung verändern
Nach vernetzten Hörsystemen im Smart Home beginnt die nächste technologische Etappe: Augmented Reality und Virtual Reality bringen Bewegung in die Hörforschung. Sie schaffen virtuelle Klangräume, in denen sich Hören realistisch erleben, messen und trainieren lässt – eine neue Dimension für Anpassung, Training und Beratung.
Technologie und Forschung entwickeln sich rasant und verändern auch das Hören. Während moderne Hörsysteme längst mit digitalen Geräten und Anwendungen vernetzt sind, zum Beispiel im Smart Home, eröffnet die Kombination aus Augmented Reality (AR) und Virtual Reality (VR) neue Perspektiven. Sie eröffnen digitale Klangräume, die die Grundlage für eine noch individuellere Anpassung und Beratung schaffen. So wird Technik erlebbar und die Beratung anschaulicher.
AR und VR in der Hörforschung: Realistische Klangwelten für bessere Anpassung
In der klassischen Hördiagnostik finden Hörtests meist unter idealisierten Bedingungen statt, etwa in schallgedämmten Räumen und mit klar definierten Signalen. Das liefert zwar präzise Messergebnisse, spiegelt aber nur bedingt wider, wie Menschen im Alltag tatsächlich hören. Genau hier setzen moderne AR- und VR-Technologien an: Sie schaffen realistische Klangwelten, in denen Hören so erlebt werden kann, wie es im wirklichen Leben ist.
Aktuelle Forschungsprojekte, etwa das BEARS-Programm des Cambridge University Hospitals in Zusammenarbeit mit dem Imperial College London, nutzen Virtual Reality, um realistische Alltagssituationen für Hörtrainings zu simulieren. Dazu gehören zum Beispiel Gespräche in lauten Umgebungen wie Klassenzimmern oder öffentlichen Räumen. Dabei trainieren Nutzer ihr Gehör, Schallquellen gezielt zu lokalisieren und Sprache besser von Hintergrundgeräuschen zu unterscheiden.
Auch internationale Forschungsgruppen, etwa im Rahmen der Europäischen Akustikgesellschaft (Euracoustics), entwickeln immersive VR- und AR-Hörumgebungen für Forschung und Audiologie-Praxis. Diese Simulationen ermöglichen es, Hörgeräte oder Cochlea-Implantate unter alltagsnahen Bedingungen zu testen, etwa bei Hintergrundlärm oder in Mehrpersonensituationen. In diesen digitalen Klangräumen reagieren Menschen natürlicher auf Sprache, Geräusche und Richtungsquellen, so dass die Ergebnisse das tatsächliche Hörerleben im Alltag realistischer widerspiegeln.
Hörtest in realer Umgebung: Wie gut hören Sie wirklich?
Wie gut verstehen Sie Sprache, wenn um Sie herum Trubel herrscht, etwa am Bahnhof, im Stadion oder bei einer Telefonkonferenz? Probieren Sie es selbst aus: Mit unseren Hörszenarien stellen wir Ihr Gehör auf die Probe.

Hier finden Sie unserem Schnell-Hörtest.
Besseres Verstehen durch immersive Erlebnisse
Mit Hilfe von VR-Brillen oder den sogenannten „Auditory AR“-Headsets können Hörakustiker ihre Kunden in virtuelle Hörsituationen eintauchen lassen, beispielsweise in ein Restaurant oder einen Stadtpark. So lässt sich unmittelbar erleben, wie sich verschiedene Programme oder Mikrofoneinstellungen auf das Sprachverstehen und das räumliche Hören auswirken.
Augmented Reality ergänzt dabei die reale Umgebung um zusätzliche akustische oder visuelle Reize. Dadurch kann das Gehör gezielt trainiert werden, etwa das Richtungshören oder das Herausfiltern von Sprache aus Hintergrundgeräuschen. Virtual Reality hingegen versetzt die Hörenden vollständig in digitale Klangwelten. Beide Technologien helfen, Hören und Hörgeräteanpassung alltagsnäher, interaktiver und verständlicher zu machen. Kunden gewinnen so ein besseres Verständnis für ihre Hörsysteme und erleben unmittelbar, welchen Unterschied eine präzise Einstellung macht.
Gut zu hören: Die ARD „Tonspur Klare Sprache“
Nicht nur in der Hörforschung, auch in der Medienwelt steht die Sprachverständlichkeit zunehmend im Mittelpunkt. Ein gutes Beispiel dafür ist die „Tonspur Klare Sprache“ der ARD. Sie ergänzt den regulären Stereo-Ton um ein speziell aufbereitetes Audiosignal, das die Sprache deutlicher hervorhebt und Hintergrundgeräusche reduziert. Dialoge werden so klarer, selbst bei lauten Filmszenen oder Musikpassagen. Die zusätzliche Tonspur kann über viele Fernseher, Receiver oder Streaming-Dienste wie Zattoo aktiviert werden und richtet sich insbesondere an Menschen mit eingeschränktem Hörvermögen. Dieser Service sollte allerdings nicht dazu führen, dass Menschen, die den Eindruck haben, nicht mehr so gut zu hören, keinen Hörtest machen oder professionellen Rat bei einem HNO-Arzt oder Hörakustiker aufsuchen. Wenn ein Hörverlust besteht, sollte dieser professionell mit Hörsystemen versorgt werden, um weiteren gesundheitlichen und sozialen Einschränkungen vorzubeugen (u.a. Rückzug aus dem Freundeskreis, weil man Gesprächen nicht gut folgen kann, Vermeidung von Reisen, weil das räumliche Hören schlechter wird).
Was heißt das für die Praxis?
Diese Entwicklungen bilden die Grundlage für eine neue Generation intelligenter Hörsysteme, die individuell, lernfähig und auf reale Hörsituationen zugeschnitten sind.
Für Hörakustiker eröffnen sich damit neue Perspektiven in Beratung und Anpassung:
- Individuelle Simulation: Virtuelle Klangumgebungen machen die Hörgeräteanpassung realistischer. Kunden können direkt erleben, wie ihr Hörsystem in verschiedenen Alltagssituationen klingt, ob im Straßenverkehr, Restaurant oder Wohnzimmer.
- Gezieltes Training: VR-basierte Hörtrainings unterstützen das Richtungshören und Sprachverstehen in komplexen Umgebungen. So wird Hören aktiv trainiert und verbessert.
- Bessere Beratung: Durch die Visualisierung akustischer Szenen wird Technik greifbar. Das schafft Vertrauen und fördert das Verständnis für die Wirkung moderner Hörgeräte.
- KI-Integration: Lernfähige Hörsysteme erkennen Situationen, merken sich individuelle Vorlieben und passen sich automatisch an die jeweilige Umgebung an.
AR und VR bringen Bewegung in die Hörakustik. Sie verbinden Forschung und Praxis mit dem Ziel, das Hören zu verbessern. So entstehen Hörlösungen, die Sprache klarer machen und Menschen helfen, wieder aktiver am Leben teilzunehmen. Mehr dazu erfahren Sie auch in unserem Beitrag „Virtual Reality Revolution“.