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Hörphänomene: Durch die Ohren sehen

Superkraft Hören – wie wir Räume durch Schallquellen sehen können

Können Sie sich vorstellen, einen Raum durch Ihre Ohren zu „sehen“? Sie denken, dass kann nicht funktionieren? Im Folgenden lesen Sie, wie und warum das wirklich möglich ist.

 

Durch reines Hören einen unbekannten Raum erkennen – das klingt nach einer übernatürlichen Fähigkeit. In der Realität zeigt sich jedoch, dass Menschen durchaus in der Lage sind, einen Raum einschätzen zu können, ohne ihn überhaupt gesehen zu haben.

Laut einer neuen Studie des Massachusetts Institute of Technology ist es Wissenschaftlern gelungen, die neuronale Architektur des Gehirns zu entschlüsseln, die diese Fähigkeit ermöglicht. Sie wollten herausfinden, wie stark diese Fähigkeit ausgeprägt ist und ob sie im Gehirn verortet werden kann. Grundsätzlich wertet das Gehör immer Schallwellen aus, und das Gehirn verarbeitet diese. Je nachdem aus welcher Richtung er kommt, trifft der Schall nicht immer gleichzeitig auf beide Ohren, sondern erst auf eines, dann auf das andere mit einer minimalen Verzögerung. Diesen kleinen aber feinen Unterschied erkennt das Gehirn, verknüpft die beiden Klangbilder und ortet so die Schallquelle. Dank der Ohrmuschel wird der Schall je nach Richtung unterschiedlich in den Gehörgang weitergeleitet.

Weitere Kriterien für die Schalleinwirkung sind der Einfallswinkel und die Entfernung der Schallquelle vom Ohr. Für das räumliche Hören spielen außerdem die unterschiedlichen Frequenzen eine entscheidende Rolle. Es sind also keine Superkräfte nötig, um räumliche Gegebenheiten anhand des Gehörsinns einzuschätzen.

Kirche oder Konzertsaal?

Menschen können anhand der Akustik den Aufenthaltsort bestimmen. Die Wissenschaftler haben dies getestet und drei verschiedene Geräusche so angepasst, dass der Klang diversen Aufnahmeorten entsprach. Testpersonen wurden dann jeweils zwei Geräusche hintereinander per Kopfhörer vorgespielt. Die Gehirnaktivität der Teilnehmer wurde mit einem Magnetoenzephalogramm gemessen und ausgewertet. Heraus kam, dass das Gehirn zuerst identifiziert, um welches Geräusch es sich handelt. Hier wird eine Gehirnregion aktiv, die sich mit visuellen und auditiven Reizen beschäftigt. Diese Region identifiziert kurz darauf offenbar das Geräusch und dessen räumliche Umgebung.

Das Echo eines Geräusches ist hierfür entscheidend: Das Gehirn kann die Größe eines Raumes einschätzen, indem es analysiert, wie viel Zeit verstreicht, bis ein Geräusch verhallt.

Mit den Augen hören?

Die Forscher des Staatlichen Instituts für Musikforschung bezweifeln jedoch, dass zwischen Hören und Sehen Interaktionen stattfinden, die sich beeinflussen. Ihre Vermutung begründen sie damit, dass Probanden bei einem Versuch virtuelle Eindrücke und akustische Wahrnehmung differenzieren können.

Die Forscher spielten den Testpersonen Streichquartettaufnahmen vor, die an unterschiedlichen Orten entstanden. Wenn dann ein Konzertsaal visualisiert wurde, die Aufnahme aber akustisch nicht zu dem Klang eines Konzertsaals passte, bemerkte der Proband dies in der Regel.

Die Studie belegt, dass alleine die Akustik ausreicht, um auf die Beschaffenheit eines Raumes zu schließen. Demnach wird die akustische Wahrnehmung also nicht durch die visuelle getäuscht oder beeinflusst.

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