Ein Notruf geht ein – jetzt entscheiden Sekunden! Mittendrin im Rettungsteam der Malteser in Winnenden-Hertmannsweiler im Rems-Murr-Kreis bei Stuttgart ist Julia Fraschka. Sie ist die erste gehörlose Notfallsanitäterin Deutschlands. Zwei Cochlea-Implantate haben es ihr ermöglicht, ihren Traumberuf zu ergreifen und selbstbestimmt zu leben. Mit ihrer Geschichte möchte die junge Frau anderen Menschen mit Einschränkung Mut machen und zeigen, wie Inklusion funktionieren kann.

Von der Schwerhörigkeit zum Traumberuf Rettungsdienst

Julia Fraschka kommt aufgrund eines Gendefekts mit Schwerhörigkeit auf die Welt. Ab dem Kleinkindalter trägt sie Hörgeräte. In der Pubertät verschlechtert sich ihr Gehör immer weiter, bis hin zum vollständigen Hörverlust. Als Teenagerin entscheidet sie sich schließlich für Cochlea-Implantate auf beiden Seiten.

Im Gegensatz zu Hörgeräten, die Schall verstärken, überbrücken CIs den geschädigten, nicht mehr funktionierenden Teil des Innenohrs – Betroffene mit einer Schallempfindungssschwerhörigkeit können wieder hören.

Anatomische Infografik- Aufbau und Funktionsweise eines Cochlea-Implantats mit Audioprozessor, Spule, Cochlea und Hörnerv

Ausbremsen ließ sich Julia Fraschka von ihrer Schwerhörigkeit nie. Schon während des Abiturs schmiedet sie berufliche Pläne. Früh ist klar, dass sie keinen Bürojob ergreifen, sondern direkt mit und für Menschen arbeiten möchte. Zunächst hat sie vor, Lehrerin für Sonderpädagogik zu werden. Doch während eines Praktikums in einer Notaufnahme kommt sie in Kontakt mit ihrem Traumberuf – dem Rettungsdienst.

In ihrer Heimatstadt Winnenden bietet das Berufliche Gymnasium der Paulinenpflege die Ausbildung zum Rettungssanitäter auch für Schülerinnen und Schüler mit Hörbeeinträchtigung an. Die Ausbildung gefällt ihr so gut, dass sie den Rettungsdienst nach dem bestandenen Abitur zu ihrem Beruf machen möchte. Sie bewirbt sich um einen Ausbildungsplatz bei den Maltesern und ist als erste gehörlose Notfallsanitäterin bundesweit seit August 2019 Teil des Teams. Seit 2022 ist Julia Fraschka hauptberuflich im Einsatz.

Mehr dazu: https://www.swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/stuttgart/gehoerlose-notfallsanitaeterin-malteser-winnenden-100.html?mediaId=fe00df89-9bee-38b9-b0f1-0319d8b4a80b& (Quelle: SWR)

Neue Perspektiven durch Inklusion

Inklusion bedeutet, dass Menschen mit Hörminderung selbstverständlich und ohne Barrieren am gesellschaftlichen und beruflichen Leben teilhaben können. Vorurteile sind oft unbegründet: Wie Julia Fraschka bringen Menschen mit Hörminderung häufig besondere Stärken mit, von denen die beruflichen Aufgaben profitieren. Bei Julia Fraschka ist das beispielsweise eine ausgeprägte Hilfsbereitschaft und Motivation, Menschen zu helfen. Durch ihre Hörminderung war sie selbst des Öfteren auf Unterstützung angewiesen, die sie jedoch nicht immer bekommen hat. Mit ihrer Arbeit im Rettungsdienst möchte sie nun dafür sorgen, dass andere Menschen die Hilfe bekommen, die sie benötigen.

Zwischen Technik, Bürokratie und Vorurteilen

Um Deutschlands erste gehörlose Notfallsanitäterin zu werden, musste Julia Fraschka einige Hürden meistern. Dazu gehörten auch zahlreiche Absprachen mit dem Betriebsarzt und Versicherungen. „Ich bin abhängig von meinen Cochlea-Implantaten, das heißt, wenn mal etwas ausfällt oder ein Akku plötzlich zur Neige geht, muss ich immer schauen, dass Ersatz da ist“, sagt Julia Fraschka im Interview für die Malteser. „Ich bin sonst stocktaub und kann nicht arbeiten. Neue Technik und Geräte sind nicht einfach zu bekommen und die Krankenkassen bezahlen nicht alles ohne Weiteres.“

Eine der größten Herausforderungen war ihr spezielles Stethoskop, das sich mit den Cochlea-Implantaten verbindet. Denn aufgrund ihrer Hörminderung kann sie kein normales Stethoskop benutzen. „Für die Finanzierung des Stethoskops musste ich ein Dreivierteljahr von Amt zu Amt rennen, viele Formulare und Fragebögen ausfüllen, bis endlich geklärt war, wer die Kosten übernimmt“, sagt Julia Fraschka. Doch schließlich hat es geklappt.

Auch die Suche nach einem Ausbildungsbetrieb war zunächst schwierig. Dabei fällt die Hörminderung während der Arbeit nicht auf und schränkt Julia Fraschka in keiner Hinsicht ein. „Ganz viele haben mich abgelehnt, indem sie mir nicht mal die Chance gegeben haben, ‚Hallo‘ zu sagen und zu zeigen, dass ich eigentlich normal mit ihnen kommunizieren kann“, sagt sie. Bei den Maltesern in Winnenden hat sie diese Chance schließlich bekommen.

Hörgesundheit und Hörversorgung als Schlüssel für aktive Teilhabe

Gutes Hören entscheidet häufig darüber, wie aktiv ein Mensch am Leben teilhaben kann. Ein funktionierendes Gehör

  • erleichtert Kommunikation, Zusammenarbeit und schnelle Reaktionen.
  • unterstützt Selbstständigkeit, soziale Kontakte und mentale Fitness.
  • Wer schlecht hört, zieht sich häufiger zurück – mit Folgen für Lebensqualität und Gesundheit.

Moderne Hörgeräte und Cochlea-Implantate können erheblich dazu beitragen, Lebensqualität wiederzuerlangen, indem sie Betroffenen dabei helfen, wieder aktiv am Leben und Beruf teilzunehmen. Der Fall von Julia Fraschka zeigt: Wenn Arbeitsumgebungen und Kommunikation entsprechend angepasst werden, profitieren alle davon. Gleichzeitig stärkt Inklusion soziale Teilhabe, Selbstbewusstsein und langfristig auch die mentale Gesundheit – ein zentraler Faktor für Lebensqualität.

Cochlea-Implantate geben Lebensqualität zurück

Cochlea-Implantate ermöglichen nicht nur ein besseres Verständnis von Sprache, mehr Sicherheit im Alltag und mehr soziale Teilhabe, sondern unterstützen auch die kognitive Leistungsfähigkeit. Besseres Hören entlastet das Gehirn und kann sich positiv auf Konzentration und mentale Fitness auswirken.

Darüber hinaus lassen sich moderne Systeme auf persönliche Bedürfnisse und Hörsituationen einstellen. Zudem können sie sich mit Smartphones, Streaming-Geräten oder Assistenzsystemen verbinden und so die Nutzung im Alltag über das reine Hören hinaus erweitern. Julia Fraschkas Cochlea-Implantate erlauben ihr zudem, sich mit dem Stethoskop zu verbinden und so den Herzschlag von Patienten direkt über das CI zu hören.

Neben HNO-Ärzten sind Hörakustiker die wichtigsten Ansprechpartner für Träger von Cochlea-Implantaten. Mit ihrer fachkundigen Beratung begleiten sie Betroffene oft über einen langen Zeitraum und helfen dabei, die bestmögliche Hörlösung zu finden. Sie führen Hörtests durch, unterstützen bei der Auswahl und Anpassung von Hörgeräten, kümmern sich um Feineinstellungen für unterschiedliche Alltagssituationen und können mit einer Zusatzqualifikation sogar Audiotherapie anbieten, um Betroffene im Umgang mit Cochlea-Implanteten zu unterstützen.

Über unsere Hörgeräteakustiker-Suche für ganz Deutschland finden Sie den Ansprechpartner in Ihrer Nähe: https://www.ihr-hoergeraet.de/akustiker-suche/.

Mehr Inklusion im Beruf mit der richtigen Unterstützung

Beispiele wie Julia Fraschka zeigen: Mit den richtigen Rahmenbedingungen und moderner Hörtechnologien stehen Menschen mit Hörminderung viele Türen offen. Ihre Mutmacher-Geschichte wurde 2025 sogar Teil der ZDF-Doku-Reihe „Hörprothesen: Ein neues Leben für Gehörlose?“ des Formats „einfach Mensch“.

Je früher eine Schwerhörigkeit diagnostiziert wird, desto besser stehen die Chancen, ihr mit moderner Hörtechnologie entgegenzuwirken. Nutzen Sie die Hörakustiker-Suche, um einen Hörakustiker in Ihrer Nähe zu finden und einen Hörtest durchführen zu lassen. Oder starten Sie direkt mit unserem Online-Hörtest, um eine erste Einschätzung zu erhalten.

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