Aktuelles: Mit einem Hörtraining die Gewöhnung an Hörsysteme unterstützen | Ihr-Hörgerät.de
Wie schließe ich Freundschaft mit meinem Hörgerät?

Wie schließe ich Freundschaft mit meinem Hörgerät?

Mit einem Hörtraining die Gewöhnung an Hörsysteme unterstützen

Hörgeräte unterstützen Betroffene, indem sie ihr Hörvermögen verbessern – gleichzeitig ist die Gewöhnung an die Hörsysteme ein langfristiger Prozess. Jana Verheyen, Audio-Coach und selbst Hörgeräte-Trägerin, berichtet für Sie, wie ein Hörtraining Sie dabei unterstützen kann, mit Ihren Hörgeräten Freundschaft zu schließen und wieder Freude an den Klangwelten Ihrer Umgebung zu finden.  

Wer nicht mehr gut hört, hat vor allem Schwierigkeiten beim Verstehen von Sprache: Sie hört sich zunehmend unscharf und „genuschelt“ an. Zu realisieren, dass dieses schlechtere Verstehen an dem eigenen, nachlassenden Hörvermögen und nicht an der Aussprache der anderen liegt, ist nicht leicht und dauert bisweilen seine Zeit. Dennoch ist die Erkenntnis über einen Hörverlust überaus wichtig. Wer seine Schwerhörigkeit bemerkt und akzeptiert, kann handeln, um wieder besser Geräusche zu erkennen – und Sprache zu verstehen.

Wir haben dazu mit Jana Verheyen, Audio-Coach und selbst Hörgeräte-Trägerin, gesprochen, die für Sie berichtet, wie ein Hörtraining Sie unterstützen kann, mit Ihren Hörgeräten Freundschaft zu schließen.

hochgradige Schwerhoerigkeit
Jana Verheyen, Audio-Coach

Das Gehirn muss sich vor allem wieder an die Lautstärke gewöhnen

Frau Verheyen, Sie tragen selbst beidseitig Hörgeräte. Was ist bei der Gewöhnung an Hörgeräte aus Ihrer Sicht das Schwierigste?

Hier hilft eine Unterscheidung. Wer sich frühzeitig um ein Hörgerät bemüht und nur einen leichten Hörverlust hat, für den ergänzt das Hörgerät die reduzierten Töne auf angenehme Weise – das sind in der Regel die für das Sprachverstehen wichtigen hohen Töne bzw. Konsonanten, wie zum Beispiel S, Sch, Z oder die Unterscheidung von G und K oder B und P. Da eine zusätzliche Konzentration zur Schärfung der Aussprache mit Hörgeräten nicht mehr nötig ist, um Gesprächspartner zu verstehen, können Unterhaltungen wieder entspannter geführt werden.

Wer dagegen lange wartet oder erst spät bemerkt, dass er schwerhörig ist, hat es leider deutlich schwerer. Auch bei ihm werden zwar die fehlenden Töne und Buchstaben in Unterhaltungen ergänzt, aber das Gehirn hat die früher übliche und jetzt wieder hinzugefügte Lautstärke vergessen. Und die ist gerade zu Anfang oft nur schwer zu ertragen! Weil das Gehirn denkt, die plötzliche Lautstärke kündigt Gefahr an (schließlich ist das Ohr unser Organ zur Früherkennung von Gefahren), fühlt sie sich körperlich wie eine ernsthafte Bedrohung an. Hier muss das Gehirn einerseits lernen, sich trotz ungewohnter Lautstärke zu entspannen, damit es den früher normalen Geräuschpegel erneut als normal akzeptiert. Und gleichzeitig muss es diese neuen Töne in das gewohnte Klangbild integrieren. Das ist viel verlangt und dauert seine Zeit.

„So oder so sind innere Ruhe, Ausdauer und Geduld gefragt“

Wie kann die Gewöhnung an Hörgeräte erleichtert werden?

Durch Üben und innere Entspannung. Je mehr Möglichkeiten das Gehirn bekommt, sich an die neuen Klänge und Lautstärken zu gewöhnen, desto schneller werden Erfolge erzielt. Früher oder später hört sich die Verstärkung des Hörgerätes dann so normal an, als sei sie nie zu laut gewesen. Auch die zu Anfang manchmal gehörte Verzerrung reduziert sich.

Wann dieser Zeitpunkt eintritt, ist dabei von vielen Faktoren abhängig – wie zum Beispiel dem Hörverlust oder der Hörentwöhnung – und somit nicht vorhersehbar. Das kann drei Tage, drei Monate oder länger dauern. So oder so sind innere Ruhe, Ausdauer und Geduld gefragt. Denn das Gehirn muss merken, dass die Lautstärke nicht nur ungefährlich ist, sondern zudem ganz konkrete Vorteile mit sich bringt, nämlich Erleichterungen beim Sprachverstehen und beim Erkennen von Geräuschen. Auch die Erfahrung, dass ein Training mit einer Verbesserung einhergeht, braucht ihre Zeit.

Sich mit Hörgeräten und Implantaten bewusst anfreunden

Sie haben basierend auf Ihren eigenen Erfahrungen selbst ein Hörtraining entwickelt. Was ist Ihnen dabei besonders wichtig?

Als selbst von Schwerhörigkeit Betroffene und spätere Audiotherapeutin bzw. Audio Coach, habe ich ein Hörtraining entwickelt, das ich selbst gerne gehabt hätte. Das klassische Hörtraining bezieht sich auf das Üben des Sprachverstehens – das ist absolut wichtig und hilfreich. Das von mir entwickelte Online-Hörtraining VERHEYEN  verfolgt einen ganzheitlicheren Ansatz: Ich unterstütze Träger von Hörgeräten oder Implantaten darin, sich mit ihren Hörhilfen und den sehr unterschiedlichen Herausforderungen eines schwerhörigen Alltags bewusst anzufreunden. Sie sollen akustische Überforderungen in Lernmöglichkeiten uminterpretieren und neugierig auf die Suche nach akustischen Details gehen. Denn das bewusste Hinhören auch und gerade mit Technik im Ohr kann sehr spannend sein: So vieles, was akustisch verloren war, ist plötzlich wieder da! Das ist toll! Doch oft verstellen die akustische Überforderung und die Grenzen der Technik den Blick auf die Vorteile. Das möchte ich ändern.

Im Hörtraining gebe ich per Video Übungen vor und erläutere, wozu sie gut sind. Neben Einheiten zum Sprachverstehen betrachte ich dabei alle Aspekte einer Hörminderung – also auch die Fragen, wie man in einem Café oder der eigenen Küche akustisch die Oberhand behalten kann, Umgebungsgeräusche erkennt, Musik genießt oder dem besser hörenden Umfeld erläutert, was für ein erleichtertes Sprachverstehen von ihm benötigt wird. Zusätzlich zu den Videos gibt es eine Begleitbroschüre mit vielen Fragen zu der aktuellen Hörsituation. Ich informiere die Nutzer über Wissenswertes, gebe Tipps und Tricks und fordere sie zugleich auf, sich über ihren Alltag mit Hörminderung Gedanken zu machen – immer mit dem Ziel, Verbesserungen eigenständig in Angriff zu nehmen. Viele Nutzer schreiben mir hinterher und bedanken sich, weil dieses Hörtraining vor allem ein Lebenstraining für sie gewesen ist. Das freut mich natürlich sehr!

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