Ein Horchie für den kleinen Philipp

Ein Horchie für den kleinen Philipp

Schwerhörigkeit behindert die kindliche Entwicklung, kindgerechte Hörsysteme helfen

Schwerhörigkeit bei Kindern ist nicht so selten, wie man denkt. Sie kann gravierende Folgen für die Entwicklung des Sprachvermögens und des gesamte Sozialverhaltens haben. Zum Glück gibt es kindgerechte Hörsysteme.

Auf einen Blick

  • Nicht zögern bei Verdacht auf kindliche Schwerhörigkeit
  • So erkennen Sie eine Hörminderung bei Babys und Kleinkindern
  • Erfolgreiche Behandlung mit einem Hörsystem beim zweijährigen Philipp

Kindliche Schwerhörigkeit beinträchtig stark das Sprachverständnis, das Sprechen und die sozialen Fähigkeiten. Entscheidend ist deshalb eine frühzeitige Therapie, damit auch hörgeschädigte Kinder ihr volles Potenzial entfalten können. Wenn Sie als Eltern oder Angehörige glauben, dass ein Kind hörgeschädigt ist, sollten Sie deshalb schnellstmöglich einen Facharzt aufsuchen. Es gibt spezielle Hörtests für Kleinkinder sowie Hörtests für ältere Kinder, mit denen sich Schwerhörigkeit bei Kindern erkennen lässt.

Anzeichen eine Hörminderung bei Babys und Kleinkindern

  • Hören Neugeborene ein lautes Geräusch, dann bewegen sie sich in der Regel oder machen die Augen weit auf. Diesen sogenannten Schreckreflex sollte Ihr Baby zeigen.
  • Wenn Ihr Kind ungefähr fünf oder sechs Monate alt ist, sollte ein leises Klappern oder Flüstern es veranlassen, seinen Kopf in Richtung des Geräusches zu wenden. In diesem Alter reagiert es auch auf leise Geräusche, zum Beispiel auf den Sprachlaut „s“.
  • Die Sprachentwicklung ist ein wichtiges Zeichen für die Hörfähigkeit. Mit etwa neun Monate versteht ein Kind einfache Wörter wie „Mama“ oder „Papa“. Ebenfalls in diesem Alter kann es einzelnen zusammenhängenden Silben, wie „da-da-da“ und die ersten verständlichen Wörter bilden.
  • Ab ungefähr einem Jahr spricht ein Kind eines oder mehrere Wörter aus.
  • Mit 18 Monaten sollte Ihr Kind einfache Sätze verstehen und auf verbale Aufforderung hin bekannte Gegenstände holen oder auf Körperteile zeigen. Es sollte über einen gesprochenen Wortschatz von 20 bis 50 Wörtern verfügen und kurze Sätze wie „nicht mehr“, „Geh weg!“ oder „Mama tragen“ verwenden.
  • Mit 24 Monaten umfasst der gesprochene Wortschatz gesunder Kinder mindestens 150 Wörter, die in kurzen Sätzen angewendet werden. Die Sprache sollte auch für Erwachsene, die nicht täglich mit dem Kind zusammen sind, größtenteils verständlich sein.
  • Mit drei bis fünf Jahren kann sich ein Kind durchgängig sprachlich äußern, um Wünsche und Gefühle auszudrücken, Informationen zu übermitteln und Fragen zu stellen. Im Vorschulalter sollte es praktisch alles verstehen, was gesprochen wird, zunehmend komplexe Sätze bilden sowie klar und verständlich sprechen.
  • Wenn Ihr Kind gegenüber seiner Altersgruppe mehr als drei Monate Rückstand aufweist, sollten Sie einen Hörtest beim HNO-Arzt oder Hörakustiker machen lassen.

Weitere Anzeichen für eine kindliche Schwerhörigkeit sind:

  • Das Kind bemerkt nicht, wenn jemand außerhalb seines Sichtfeldes spricht, auch wenn es nur sehr wenig abgelenkt ist.
  • Erschreckter oder überraschter Blick, wenn das Kind merkt, dass sein Name gerufen wurde.
  • Es stellt CD-Player oder das Fernsehgerät übermäßig laut ein.
  • Ihr Kind reagiert nicht auf Stimmen am Telefon und/oder wechselt dauernd den Hörer von einem Ohr zum andern.
  • Es erschrickt nicht bei lauten Geräuschen.

Bedenken Sie, bei einem Schulkind kann schon ein leichtgradiger Hörverlust dazu führen, dass es dem Unterricht nicht folgen kann und verhaltensauffällig wird.

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Kindgerecht: Hören mit einem anklebbaren System

Wie eine erfolgreiche Behandlung bei kindlicher Schwerhörigkeit verlaufen kann, schildert die Mutter Barbara Haussmann. „Mein Sohn Philipp hat eine angeborene einseitige Atresie, also keinen Gehörgang und hört auf seinem rechten Ohr erst ab zirka 60 dB.“ Zum Vergleich:  Für Normalhörende liegt die Hörschwelle, also die Grenze des Hörbaren bei 0 dB. Eine normale Unterhaltung ist etwa 50 dB laut.

Zunächst wurde der kleine Philipp mit einem Stirnband-Knochenleitungshörgerät versorgt, mit dem er leider nie so richtig klar gekommen ist. „Es ist stets verrutscht und die Übertragung war nicht optimal“, so die Mutter. Deshalb bekam Philipp als erstes Kind in Deutschland das einfach zu tragende, anklebbare Knochenleitungshörsystem ADHEAR von MED-EL. Dieses implantationsfreies Knochenleitungshörsystem eignet sich für Menschen jeden Alters und ist bei Schallleitungshörverlust oder einseitiger Taubheit eine schonende Lösung.

Das System besteht aus einem Klebeadapter und einem Audioprozessor. Der Klebeadapter wird auf der haarfreien Haut hinter dem Ohr platziert und der Audioprozessor durch einen Klick auf dem Klebeadapter angebracht. „Philipp mag das System sehr gerne und fühlt sich dadurch nicht gestört. Wir nennen es Horchie“, so Barbara Haussmann. „Er fordert es sogar ein, wenn er in der morgens in die Krippe geht. Das Pflaster hält super hinter dem Ohr, wie angegeben zwischen fünf bis sieben Tage, manchmal sogar länger. Wir haben sogar schon damit gebadet und Haare gewaschen und es hielt anschließend noch mal zwei Tage.“

Die komplette ADHEAR-Ausstattung umfasst Pflaster, Silikonhüllen zum Schutz vor Schmutz, Aufkleber mit verschieden Designs für Kinder und Erwachsene, eine Pflaster-Positionierungs-Hilfe und eine Sicherung, damit das Gerät nicht verloren gehen kann. „Die brauchen wir aber nicht, da das Gerät wirklich fest hält“, sagt Barbara Haussmann.

Die Größe des Geräts sei in Ordnung. Philipps Haare hinter dem Ohr fallen schon leicht darüber. Das Aufklipsen auf das Pflaster und auch das Ablösen sei sehr einfach. Das Fazit der Familie Haussmann: „Wir sind allesamt hellauf begeistert vom Gerät, es ist eine Wohltat für Eltern und Kind. Die Übertragung ist super und Philipp trägt sein Horchie gerne, was will man mehr? Und die Krankenkasse hat am Ende die Kosten übernommen, das ist natürlich toll!“

Behandlung einer Atresie

Für viele Menschen, die keine konventionellen Hörgeräte tragen können – etwa jene, die unter einer Atresie leiden – ist ein Mittelohrimplantat eine Behandlungsmöglichkeit, die das Hören wieder möglich macht. Es besteht aus zwei Komponenten: Einem Implantat und einem Audioprozessor. Zentraler Bestandteil ist ein winziger Schwingungskörper, der an verschiedenen Gehörknöchelchen angebracht werden kann. Dieser künstliche Schwingungskörper bringt die Knöchelchen zum Schwingen, um den Hörverlust des Innenohrs auszugleichen.

Eine andere Möglichkeit ist das Tragen eines implantationsfreien Knochenleitungshörsystem. Es überträgt Schallwellen in Form von Vibrationen auf den Knochen. So gelangen die Informationen durch Knochenleitung zum Innenohr, wo sie verarbeitet und ans Gehirn weitergeleitet werden. Dadurch entsteht ein natürlicher Höreindruck.

Für Menschen mit Schallleitungshörverlust oder einseitiger Taubheit ist dies eine schonende Alternative ohne Operation, die leicht zu tragen und zu handhaben ist. Häufige Anwendungsbereich sind Gehörgangsstenose, (chronische) Mittelohrentzündungen, temporär nach Ohroperationen (transkanal) und längerfristig nach Tympanoplastiken mit verbleibendem Schallleitungshörverlust, Adhäsivprozesse, bilaterale oder unilaterale Mikrotie und Atresie, Funktionseinschränkungen in der Ossikelkette oder einseitige Taubheit.

Mehr über Behandlungsmöglichkeiten bei kindlicher Schwerhörigkeit lesen Sie in unserem Beitrag über Cochlea-Implantate bei Kindern.

 

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