Auracast™ Audiobroadcast am Flughafen
Zurück an Gate A16 auf dem Frankfurter Flughafen. Dort wurde bereits Anfang 2026 ein Auracast™-Pilotprojekt durchgeführt. An den Gates A16 und A17 im Terminal 1 konnten Reisende öffentliche Durchsagen zusätzlich über Auracast™ empfangen. Das Projekt wurde von Fraport gemeinsam mit Sittig Technologies und der Frankfurt University of Applied Sciences umgesetzt. Die Erprobung war zunächst auf zwei Monate angelegt und sollte Rückmeldungen von Reisenden und Mitarbeitenden zur Nutzung der Technologie sammeln.
Das Beispiel zeigt, wie Auracast™ im Alltag bereits eingesetzt wird. Die Technologie überträgt Audiosignale über Bluetooth LE Audio als einen eigenen Audiokanal. Dafür wird eine Audioquelle mit einem Auracast™-Sender verbunden. Kompatible Empfangsgeräte können den ausgestrahlten Kanal erkennen und auswählen. Die Technologie funktioniert nicht nur für Flughäfen. Auch ein Theater kann seinen Bühnenton übertragen, ein Museum die Stimme einer Führungsperson und eine Kirche die Mikrofonübertragung des Pfarrers. In Deutschland sind bereits mehrere Kinos mit Auracast™ ausgestattet, wie das Camera Zwo in Saarbrücken oder das Scala Programmkino in Lüneburg. In Großbritannien hat eine große Kinokette bereits 150 und 200 Säle in 18 Kinos mit Auracast™ ausgestattet.
Der Vorteil: Der Ton kommt direkt beim Empfangsgerät an. Er muss nicht erst den gesamten Raum durchqueren, bevor er das Ohr erreicht. Dadurch können Entfernung, Nachhall und Umgebungslärm die Verständlichkeit weniger stark beeinträchtigen. Auracast™ macht damit eine zusätzliche Audioübertragung möglich, ohne dass die gesamte Beschallungsanlage eines Gebäudes ersetzt werden muss. Öffentliche Einrichtungen können ihre vorhandene Technik häufig erweitern und den Ton zusätzlich als eigenen Audiokanal bereitstellen. Für eine einzelne Audioquelle und einen überschaubaren Bereich kann bereits ein Sender genügen. Größere Räume, mehrere Etagen oder unterschiedliche Audioquellen können hingegen zusätzliche Sender erforderlich machen. Entscheidend sind die räumlichen Gegebenheiten und die gewünschte Funkabdeckung.
So funktioniert Auracast™ im Alltag
Auracast™ funktioniert im Alltag ähnlich wie die Auswahl eines WLAN-Netzes. Ein Sender stellt einen Audiokanal bereit. Kompatible Empfangsgeräte können diesen Kanal in Reichweite erkennen und auswählen. Meist hilft ein Smartphone bei der Auswahl. Auf dem Display erscheinen die verfügbaren Kanäle. Sie wählen den passenden Ton aus und hören ihn direkt über Ihre Hörgeräte oder Kopfhörer. Voraussetzung ist allerdings, dass das Smartphone die entsprechenden Auracast™-Funktionen unterstützt. Nicht jedes Bluetooth-fähige Smartphone kann automatisch als Auracast™-Assistent verwendet werden.
Bei öffentlichen Übertragungen kann der Audiokanal offen zugänglich sein. Für geschützte Übertragungen lässt sich je nach System ein Zugangscode einrichten. Auch QR-Codes können die Auswahl erleichtern.
So verbinden Sie sich Schritt für Schritt
Schritt 1: Hörgeräte und Empfangsgerät vorbereiten
Prüfen Sie zunächst, ob Ihre Hörgeräte Auracast™ unterstützen. Auch die erforderliche Software muss vorhanden und die Funktion gegebenenfalls freigeschaltet sein. Achten Sie außerdem darauf, dass Ihr Smartphone oder ein anderes Gerät die Auswahl von Auracast™-Kanälen ermöglicht.
Schritt 2: App oder Bluetooth-Menü öffnen
Öffnen Sie die entsprechende Funktion auf Ihrem Smartphone, in der App Ihres Hörgeräteherstellers oder auf einem anderen unterstützten Gerät. Die genaue Bedienung unterscheidet sich je nach Hersteller.
Schritt 3: Verfügbare Kanäle suchen
Starten Sie die Suche. Nach wenigen Sekunden zeigt das Smartphone die Auracast™-Sender in Reichweite an. Das kann der Kanal am Gate, im Saal oder am Schalter sein.
Schritt 4: Passenden Ton auswählen
Tippen Sie auf den gewünschten Kanal. Bei geschützten Übertragungen geben Sie einen Code ein oder scannen einen QR-Code, der am Eingang, am Sitzplatz oder auf einem Bildschirm angezeigt wird.
Schritt 5: Lautstärke einstellen
Regeln Sie die Lautstärke über Ihre Hörgeräte oder die App. Manche Hörgeräte können Übertragung und Umgebung gleichzeitig wiedergeben. Dann hören Sie zum Beispiel die Durchsage und weiterhin Ihre Begleitung neben sich.
Schritt 6: Leihgerät nutzen
Wenn Ihre Hörgeräte Auracast™ noch nicht unterstützen, kann ein Leihgerät des Veranstaltungsorts helfen. Ein geeigneter Auracast™-Empfänger mit Halsschleife ermöglicht auch Menschen mit älteren Hörgeräten und integrierter Telefonspule den Empfang der Übertragung. Die Halsschleife wandelt das empfangene Signal in ein Magnetfeld um, das die T-Spule des Hörgeräts aufnehmen kann. Voraussetzung ist, dass das Leihgerät entsprechend ausgestattet ist und die Telefonspule des Hörgeräts aktiviert werden kann.
Auracast™ in drei Rollen
Der Sender schickt den Ton in den Raum.
Das kann eine vorhandene Beschallungsanlage im Theater, ein Durchsagesystem am Gate, ein Fernseher oder ein Mikrofon bei einer Führung sein. Der Sender wird mit der Audioquelle verbunden und überträgt den Ton per Bluetooth LE Audio.
Der Empfänger bringt den Ton ans Ohr.
Ihre Hörgeräte, Kopfhörer, Ohrstöpsel oder ein Leihgerät nehmen das Signal auf. So hören Sie zum Beispiel die Durchsage, den Bühnenton oder die Stimme am Schalter direkt über das gewählte Gerät.
Der Assistent hilft bei der Auswahl.
Meist übernimmt das Smartphone diese Aufgabe. Eine App oder das Bluetooth-Menü zeigt verfügbare Auracast™-Kanäle an, etwa „Gate A16“ oder „Bühne Deutsch“. Sie wählen den passenden Kanal aus und starten die Übertragung. Nicht jedes Smartphone unterstützt diese Funktion.
Eigene Tonspuren für öffentliche Räume
Für Menschen mit Hörminderung liegt der große Vorteil von Auracast™ darin, dass der Ton direkt an das Empfangsgerät übertragen wird. Dadurch kann sich das Sprachverstehen in öffentlichen Räumen verbessern. Am Bahnhof oder Flughafen hören Sie Durchsagen direkt über Ihre Hörgeräte. Gatewechsel, Boarding-Aufrufe oder Gleisänderungen gehen weniger leicht unter.
Im Theater oder Kino kann der Bühnenton direkt ankommen. Der Sitzplatz verliert an Bedeutung, da das Signal weniger von der Raumakustik abhängt. Auch unterschiedliche Tonspuren, beispielsweise in verschiedenen Sprachen oder mit Audiodeskription, sind möglich. Voraussetzung ist, dass der Veranstalter diese Tonspuren separat bereitstellt und überträgt.
In Kirchen erreicht die Stimme vom Mikrofon die Hörgeräte. Gerade in hohen Räumen mit viel Nachhall kann das helfen, Predigten, Reden oder persönliche Worte besser zu verfolgen.
Im Museum kann eine Führung als eigene Tonspur laufen. Die sprechende Person trägt ein Mikrofon, das mit dem Auracast™-Sender verbunden ist. Alle Teilnehmenden können den Ton über ihre kompatiblen Geräte empfangen, auch wenn sie weiter hinten stehen.
Nur in Umgebungen wie Cafés oder Restaurants müssen Sie Auracast™ differenziert betrachten. Für das private Gespräch am Tisch braucht es weiterhin Zusatztechnik wie ein Tischmikrofon. Spannend wird Auracast™ dort eher für Fernseher in Sportbars, Bestellaufrufe oder individuell einstellbare Hintergrundmusik.
Was Sie künftig auswählen könnten
- Die Sprache des Sprechers in Ihrer bevorzugten Tonspur
- Audiodeskription bei Veranstaltungen, Filmen oder Führungen
- Ansage des Gates am Flughafen oder des Bahngleises am Bahnhof
- Die Tonspur eines Monitors mit z.B. Nachrichten am Gate
- Die Stimme einer Führungsperson im Museum
- Den Ton eines Vortrags auf einer Messe
- Eine individuelle Fernsehspur zu Hause mit eigener Lautstärke
Was beim nächsten Hörgeräte-Kauf wichtig wird
Wer heute neue Hörgeräte auswählt, entscheidet längst über mehr als Bauform, Klang und Tragekomfort. Mit Auracast™ kommt eine Funktion hinzu, die in den nächsten Jahren für öffentliche Räume immer wichtiger wird.
Ein wichtiger Meilenstein wurde am 22. Oktober 2026 erreicht: Alle fünf großen Hörgerätehersteller bieten inzwischen Hörgeräte an, die Auracast™ unterstützen. Dazu gehören Sonova, Demant, GN, WS Audiology und Starkey. Zusammen repräsentieren diese Unternehmensgruppen rund 90 Prozent des weltweiten Hörgerätemarktes. Die Technologie ist nun in den neuesten Hörgeräte-Generationen verfügbar. Bei manchen Geräten muss die Funktion zusätzlich durch ein Software- oder Firmware-Update freigeschaltet werden. Ältere Hörgeräte ohne die notwendige Hardware lassen sich nicht einfach durch ein Update Auracast™-fähig machen. Iphones können noch nicht Auracast ™ selbst empfangen oder senden. Als Fernbedienung für Auracast kann ein iphone aber dienen: Mit einer passenden App lassen sich kompatible Hörsysteme oder Ohrhörer mit einer Auracast-Übertragung verbinden. Den Ton empfangen dann die Hörsysteme direkt vom Sender; er läuft nicht durch das iPhone. Die Unterstützung hängt von App und Hörsystem ab. Dagegen unterstützen viele Android-Smartphones Auracast bereits – aber nicht alle. Entscheidend sind das konkrete Modell und der Softwarestand.
Fragen an den Hörakustiker:
- Fragen Sie ausdrücklich nach Auracast ™
- Testen Sie die Auracast™l mit Ihrem eigenen Smartphone oder der Support-App für die Hörgeräte – lassen Sie sich alles vom Hörakustiker zeigen
Während Menschen mit älteren Hörgeräten heute noch auf die vorhandenen technischen Möglichkeiten angewiesen sind, eröffnet Auracast™ bereits eine neue Form des Hörens. Die Technologie wird die Telefonspule in öffentlichen Räumen voraussichtlich Schritt für Schritt ergänzen und zunehmend ersetzen. Ein vollständiger Austausch ist jedoch nicht kurzfristig zu erwarten. Bis dahin müssen beide Systeme parallel bestehen, damit auch Menschen mit älteren Hörgeräten weiterhin Zugang zu barrierefreien Audioübertragungen haben.
Auracast™ zeigt, wohin sich barrierefreies Hören entwickeln kann. Gleichzeitig beginnt gutes Hören weiterhin mit einer professionellen Versorgung.
Nutzen Sie deshalb unsere kostenlose Akustiker- und HNO-Suche und finden Sie Fachleute in Ihrer Nähe. So prüfen Sie Ihr Hörvermögen, erfahren mehr über moderne Hörgeräte und gehen gut vorbereitet in eine Zukunft, in der öffentliche Räume hörbarer werden.