„Warte, was hast du gesagt?“ Vera war immer eine agile, lebenslustige Person. Daran änderte auch eine Hörminderung nichts, die sie mit Anfang 20 feststellte. Hörgeräte, mit denen sie gut zurecht kam, glichen ihre Schwerhörigkeit lange Zeit aus. Doch ihr Hörvermögen verschlechterte sich zusehends, Vera fühlte sich sozial isoliert, einsam und traurig. Ihre letzte Hoffnung: ein Cochlea-Implantat auf der rechten Seite. In unserem Beitrag begleiten wir Vera auf ihrem Weg von der Beratung bis zur Aktivierung und zeigen auf, wie sehr ein Cochlea-Implantat ihr Leben verändert hat.

Eine Hörminderung kann jeden treffen

Dass Schwerhörigkeit nichts mit dem Alter zu tun hat, hat auch Vera erfahren: Mit Anfang 20 wurde ihr Hörvermögen immer schlechter. Schwerwiegend waren die Veränderungen zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht: Vera konnte zwar viele hohe Töne nicht mehr hören, Sprache jedoch weiterhin gut verstehen. Irgendwann konnte sie aber auch Gesprächen nur noch schwer folgen , wenn ihr die Personen beim Sprechen nicht zugewandt waren. Das war der Zeitpunkt, an dem sie erstmals Hörgeräte bekam, die ihr sehr halfen.

Wenn Hörgeräte nicht mehr ausreichen

Was Veras Ärzte schon bei ihrer Diagnose vermutet hatten, trat 2017 tatsächlich ein: Wie bei vielen anderen Betroffenen hatte sich die Hörminderung auch bei Vera über die Jahre schleichend verstärkt. Die Hörgeräte reichten jetzt nicht mehr aus.

Schwerhörigkeit kann Folgen haben

Ihr schlechtes Gehör belastete auch die Beziehung mit ihrem Mann Nigel. Er macht oft Witze, scherzt gerne. „Aber ich verstand ihn nicht mehr“, erzählt Vera. Auch Nigel litt unter der Situation. „Veras Hörverlust erschwerte unser tägliches Leben. Ich fühlte einen großen Verlust, eine traurige Leere“, sagt er.

Schwerhörigkeit betrifft nicht nur das Ohr, sondern Körper, Geist und soziales Miteinander:

  • Erhöhte geistige Belastung durch größere Höranstrengung
  • Konzentrationsprobleme und andere kognitive Einbußen
  • Kopfschmerzen und Schwindel
  • Erhöhter Stress und innere Anspannung
  • Sinkendes Selbstwertgefühl
  • Unsicherheit im Straßenverkehr
  • Frust und Unsicherheit durch Missverständnisse in Gesprächen und häufiges Nachfragen
  • Einsamkeit und Isolation durch Rückzug aus Gruppen oder dem Beruf

Letzte Hoffnung Cochlea-Implantat

Doch Vera war zuversichtlich: Denn für sie kam ein Cochlea-Implantat (CI) für das rechte Ohr in Frage. Auf der linken Seite trägt Vera weiterhin ein Hörgerät. In diesem Fall spricht man von einer bimodalen Versorgung.

„Ich habe nicht gezögert. Auf der einen Seite half das Hörgerät nicht mehr, also war die einzige vielversprechende Lösung ein Cochlea-Implantat“, erinnert sich Vera.

Ab in den OP: Veras CI-Operation

Vor der CI-Operation im Jahr 2018 wurde Vera in der Klinik genau über alle Risiken  aufgeklärt. Die CI-Operation dauerte nur zwei Stunden. Das Cochlea-Implantat wurde in die Hörschnecke (Cochlea) eingesetzt. Schon nach einer Nacht im Krankenhaus konnte sie die Klinik wieder verlassen. Sie erholte sich schnell, die kleine Wunde war nur kurz empfindlich. Schon nach wenigen Tagen konnte sie wieder kleine Spaziergänge mit ihrem Hund unternehmen und den Alltag selbständig bewältigen.

Das erste Mal hören mit CI

Kurze Zeit nach der OP aktivierte eine Audiologin den Audioprozessor ihres Cochlea-Implantat. Während dieser sogenannten Erstanpassung prüfte die Expertin zunächst jede Elektrode einzeln und stimulierte vorsichtig den Hörnerv mit ersten Tönen. Vera signalisierte per Handzeichen, sobald sie etwas wahrnahm.

Im ersten Moment hörte Vera nur undefinierbare Klänge: „Es hört sich an, wie wenn ich meine Hörgeräte nicht trage. Alles ist unglaublich leise. Wenn ich spreche, höre ich ein quietschendes Geräusch in meinem Ohr“, erklärte sie damals der Audiologin. Dabei handelte es sich um eine normale Reaktion des Gehirns, denn es musste erst lernen, die neuen Signale einzuordnen. Schon während der weiteren Feinjustierung gelang es Vera, erste Worte zu verstehen. Im Anschluss erhielt sie eine ausführliche Einweisung durch einen Techniker in das Zubehör.

Den Abschluss bildete ein Termin bei einer Sprachtherapeutin, die Vera Übungsunterlagen für das Hörtraining zu Hause mitgab, das sie täglich durchführen sollte. Dazu gehörten das Erkennen von Hintergrundgeräuschen wie Telefonklingeln oder Türklingel, das Zuordnen von Geräuschen im Alltag, Hörübungen ohne Lippenlesen sowie strukturierte Sprachübungen.

Schritt für Schritt zum guten Hören mit CI

Zu Hause nahm Vera erstmals wieder Alltagsgeräusche bewusst wahr, die sie über Jahre nicht mehr gehört hatte, vom Klicken des Lichtschalters bis zum hellen Klimpern eines Löffels in der Teetasse. „Sprache zu verstehen dauerte und erforderte Übung. Aber Umweltgeräusche hörte ich sofort“, erinnert sie sich. „Ich war völlig überrascht. Ich habe das Pfeifen der Spatzen nicht mehr gehört, seit ich in meinen Dreißigern war. Und plötzlich konnte ich ein paar Tage nach der Implantation die Vögel wieder singen und zwitschern hören.“

In den ersten Tagen war sie häufig erschöpft, da ihr Gehirn intensiv daran arbeitete, die neuen Höreindrücke zu verarbeiten. Die Hörübungen ermüdeten sie manchmal nach nur 15 Minuten. Doch dann passierte etwas Außergewöhnliches: „Ich wachte auf und mein Gehirn hatte alles zu einer Information zusammengefügt. Es war unglaublich“, sagt Vera. „Ich konnte den Prozess im Gehirn förmlich fühlen. Es war ein Schlüsselmoment.“

Der neue Alltag mit Cochlea-Implantat

Die Fortschritte geschahen oft schrittweise und kaum merklich, bis plötzlich etwas funktionierte, was zuvor unmöglich war. So verstand sie zunächst einzelne Nachrichten im Autoradio, später ganze Interviews.

Auch alltägliche Dinge, wie Gespräche mit ihrem Mann haben enorm an Bedeutung gewonnen. Gerade die kleinen Dinge, wodurch sie wieder zu sich selbst fand, etwa das Besuchen von Vorträgen, das Unterrichten an der Universität, telefonieren oder unbeschwerte, spontane Cafébesuche. „Ich habe begonnen, Dinge, die mir verloren gegangen sind, wieder zurückzugewinnen“, so Vera. „Ich bin wieder ich. Ich bin so wie früher.“

Was ist ein Cochlea-Implantat und wann ist es notwendig?

Vielen Menschen mit einer Hörminderung kann mit Hörgeräten geholfen werden. Bei einer besonders ausgeprägten Schwerhörigkeit verstehen Betroffene jedoch trotz leistungsstarker Hörhilfen nur sehr wenig bis nichts. In solchen Fällen helfen Cochlea-Implantate. Sie überbrücken den geschädigten, nicht mehr funktionierenden Teil des Innenohrs und ermöglichen es auf diese Weise, wieder zu hören.

Das Cochlea-Implantat besteht im Wesentlichen aus zwei Teilen:

  • einem inneren Teil: dem eigentlichen Implantat mit seinem Elektrodenträger, das in die Cochlea eingesetzt wird.
  • einem äußeren Teil: dem Audioprozessor mit Spule, der hinter dem Ohr oder frei vom Ohr getragen wird, und der direkt mit dem Implantat kommuniziert
Medizinische Infografik- Funktionsweise eines Cochlea-Implantats mit Audioprozessor, Spule, Implantat, Cochlea und Hörnerv

Die erste Beratung beim Hörakustiker und HNO-Arzt

Ein Cochlea-Implantat klingt oft nach einem komplizierten System und einem langen Weg. Oft dauert es aber nur zwölf Wochen von der Entscheidung bis zu den ersten Behandlungserfolgen. Am Anfang steht immer die fachkundige Beratung durch Ihren HNO-Arzt oder Hörakustiker.

HNO-Praxen und Hörakustik-Niederlassungen in ganz Deutschland finden Sie in der Akustiker-Suche bzw. HNO-Arzt-Suche auf Ihr-Hoergeraet.de.

Wenn Sie – ob als Normalhörender oder Hörgeräte-Träger – Veränderungen an Ihrem Gehör feststellen, sollten Sie sich immer fachkundigen Rat einholen. Sie können auch unseren Online-Hörtest nutzen, um erste Klarheit über Ihr aktuelles Hörvermögen zu bekommen: https://www.ihr-hoergeraet.de/online-hoertest/. Er ersetzt aber nicht einen professionellen Hörtest bei einem Experten, einem HNO-Arzt oder Hörakustiker.

Neue Lebensqualität durch CI

Für Vera war das Cochlea-Implantat der Weg zurück zum Hören und zu mehr Lebensqualität. Mehr zu Veras Reise erfahren Sie bei MED-EL: https://www.medel.com/de/community/veras-journey

Sehen, wie gutes Hören funktioniert

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