Wenn es beim Sprechen stockt

Wenn es beim Sprechen stockt

Hilfe zur Selbsthilfe und wie der Chor-Effekt unterstützen kann

Ein Prozent der Weltbevölkerung leidet an Stottern. Betroffene haben Probleme damit, flüssig zu sprechen. Bei den meisten Kindern verschwindet die Sprachstörung bis zur Pubertät wieder. Doch bleibt sie, lässt sich Stottern meist nur mit intensivem Training eindämmen. Eine wirkungsvolle Therapie, um weniger zu stottern, ist der Chor-Effekt.

Leidensdruck bei Betroffenen

Stottern geht für die Betroffenen meist mit einem hohen Leidensdruck einher. Außenstehende wissen nicht, wie sie reagieren sollen. Was vielen Menschen nicht bewusst ist: Stottern ist eine Behinderung, die unterschätzt wird. Personen, die darunter leiden, versuchen oftmals das Reden oder bestimmte Worte und Satzkonstruktionen zu vermeiden, indem sie andere Worte verwenden oder etwas ganz anderes sagen. So möchten sie verhindern, dass ihr Stottern auffällt.

Redefluss-Störungen

Stottern – auch Redefluss-Störung genannt – betrifft 8% der Kinder im Laufe der Sprachentwicklung. Psychische Belastungen können Stottern begünstigen und vor allem Jungen sind von der Sprachstörung betroffen. Doch diese muss nicht dauerhaft sein: Durch frühzeitiges Erkennen kann das Stottern behandelt und sogar vollständig geheilt werden. Eine Sprachtherapie wird sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen empfohlen, denn 1% der Betroffenen sind auch im erwachsenen Alter von Stottern betroffen.

Stottern: Wie kommt es eigentlich dazu?

Das Stottern ist eine neuronale Entwicklungsstörung. Bei den meisten Menschen verschwindet sie in der Pubertät wieder, doch bei einigen der Betroffenen nicht. Verschiedene Faktoren bedingen dabei das Stottern:

Auslösende Faktoren

Die Störung des Redeflusses beginnt meist zwischen zwei und sechs Jahren. Eltern bringen oftmals bestimmte auslösende Faktoren damit in Verbindung: Ein verstorbenes Haustier, der Kindergartenbeginn oder die Geburt eines Geschwisterkindes prägen das Leben eines jungen Menschen maßgeblich. Doch sind diese Einflüsse tatsächlich ausschlaggebend für das Stottern? Sie können damit in Verbindung stehen, müssen es aber nicht.

Verursachende Faktoren

Neben diesen auslösenden Aspekten gibt es außerdem verursachende und aufrechterhaltende Ursachen für das Stottern. Verursachende Faktoren sind unter anderem die Gene. Zu 80 Prozent wird die Sprechstörung weitervererbt. Dabei sind Männer und Jungen häufiger betroffen als Mädchen und Frauen.

Aufrechterhaltende Faktoren

Schließlich gibt es noch aufrechterhaltende Ursachen, die Stottern bedingen können. Bei 20 Prozent der Kinder verschwindet es bis in das Erwachsenenalter nicht. Die Sprechstörung bleibt bestehen. Der Grund dafür liegt in der linken Hirnhälfte. Hier wird die Sprache verarbeitet. Laut einer Studie der Universität Michigan ist bei Menschen, die langfristig stottern, die „graue Substanz” reduziert. Dabei handelt es sich um Teile des Zentralnervensystems, die für die Sensibilität der Nervenzellen verantwortlich sind.

Hilfe zur Selbsthilfe: Was Betroffene gegen das Stottern unternehmen können

Um das Stottern in den Griff zu bekommen, ist grundsätzlich eine logopädische Behandlung hilfreich. Dabei können zwei Therapieansätze verfolgt werden: die Stottermodifikationen oder das Fluency Shaping. Sprechmodifikationen, auch „Dysfluency Shaping“ genannt, zielen darauf ab, die eigene Reaktion beim Auftreten von Stottern zu verändern. So sollen Situationen, in denen Stottern auftreten kann, frühzeitig erkannt und abgewandt werden. Beim Fluency Shaping soll das Stottern gar nicht mehr auftreten, indem die Sprechweise verändert wird. Für ein gutes Ergebnis der Therapie ist intensives Üben auch nach den Sitzungen notwendig. Diese beiden Ansätze sollen das Stottern direkt verändern. Zudem helfen Mentaltraining oder gezielte Therapien.

Leiden Sie oder Ihr Kind an Stottern? Unterstützung finden Sie bei Logopäden, aber beispielsweise auch bei Psychologen und Psychotherapeuten.

Mentaltraining und Therapien

Autosuggestionen, Laufen oder Joggen und Hypnose können alternativ bei einer Sprechstörung unterstützen.

Bei Autosuggestionen handelt es sich um Selbsteinflüsterungen. Betroffene trainieren damit ihr Unterbewusstsein, indem bestimmte Gedanken solange wiederholt werden, bis sie zu einer festen Überzeugung werden. So sollen sich Stotternde sagen: „Ich kann das!”, anstatt „Ich kann das nicht und fange gleich wieder an zu stottern.” So machen sie sich Mut und arbeiten aktiv an ihrem Selbstbewusstsein.

Hypnose führt dazu, dass durch tiefe Entspannung ein Trancezustand erreicht wird. Dieser wird beispielsweise erzielt, indem beim Einatmen von eins bis zehn gezählt wird und anschließend wieder von zehn bis eins.

Einen ähnlichen Effekt hat auch das Laufen oder Joggen. Hierbei kommt man sofort in einen tranceähnlichen Zustand. In dieser Situation fällt es Betroffenen leichter, sich an die Erlebnisse des Tages zu erinnern, in denen sie nicht gestottert haben und diese abzuspeichern.

Der Chor-Effekt: Helfen Kopfhörer gegen Stottern?

Eine weitere vielversprechende Behandlungsmethode gegen das Stottern ist der Chor-Effekt, demzufolge Menschen im Chor weniger bis gar nicht mehr stottern. Viele kennen diesen Effekt aus dem Film „The King’s Speech”. In diesem soll der König Shakespeare zitieren, was jedoch erst ohne Stottern funktioniert, als er Kopfhörer verwendet. Grund dafür sind die sprechrelevanten Areale des Hörens, die gestört miteinander verknüpft sind. Kopfhörer sorgen dafür, dass diese Rückkopplung besser funktioniert. Es existieren bereits Forschungen und Produkte, die sich mit diesem Effekt auseinandersetzen. Dabei gibt es Geräte, die das gesprochene Wort wieder zurück ins Ohr werfen, wodurch ein Echo entsteht. Der Erfolg ist allerdings umstritten.

Oft isolieren sich Stotternde und fühlen sich allein gelassen mit ihrem Problem. Sollten Sie so ein Verhalten bei Nahestehenden merken oder sich gar selbst betroffen fühlen, zögern Sie nicht, sich ärztliche Hilfe zu holen. Insbesondere Kinder sollten niemals unter Druck gesetzt werden. Vielmehr sollten Sie Ihr Kind nach wie vor aussprechen lassen und aufmerksam zuhören, auch wenn es mal beim Sprechen stocken sollte. Mit einfühlsamen Ermutigungen wird viel mehr erreicht als mit verunsichernden Ratschlägen.

 

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