Sind wir sprachlich eingeschlafen?

Sind wir sprachlich eingeschlafen?

Tipps und Tricks für Kommunikationshemmungen

Kommunikation ist ein so fester Bestandteil unseres Daseins, dass wir uns eigentlich schon gar nicht mehr aktiv darüber Gedanken machen – Doch was ist, wenn sie nicht mehr richtig gelingen möchte?

Zwischenmenschliche Kommunikation als Grundbedürfnis

Die Corona-Pandemie hat uns in jeglicher Hinsicht auf die Probe gestellt. Die Sorge um unsere offensichtlichen Grundbedürfnisse wie existenzielle Absicherung, medizinische Versorgung und auch Schutz wurden uns allen tagtäglich ins Gedächtnis gerufen. Dabei ist jedoch ein essenzielles Grundbedürfnis immer mehr in den Hintergrund gerückt: zwischenmenschliche Kommunikation und Nähe. Nach mehr als einem Jahr ständigem Auf und Ab, bei dem ein Lockdown dem nächsten folgte und Kontaktbeschränkungen für uns nun zur gängigen Praxis geworden sind, wird uns schmerzlich bewusst, wie sehr das Miteinander dadurch gelitten hat.

Für viele stellt sich nun die Frage: Was hat die Isolation mit meiner Kommunikationsfähigkeit angestellt – Kann ich immer noch so offenherzig und redegewandt wie vorher Gespräche führen? Um dieser Frage auf den Grund zu gehen, müssen wir uns ins Gedächtnis rufen, dass gelungene Kommunikation eine Fähigkeit wie jede andere ist, und diese kann man sich dementsprechend auch antrainieren! Im Folgenden teilen wir einige Tipps und Ratschläge, mit denen man sich vor zukünftigen Treffen oder jeglichen Terminen nicht scheuen muss.

Tipp Nr. 1: Eigene Kommunikationsmuster reflektieren

Um die Kommunikation zu verbessern, ist es zunächst hilfreich, das eigene Verhalten während der Konversationen bewusst wahrzunehmen. So lassen sich eventuelle Baustellen bestimmen und Ansätze zur Verbesserung umsetzen. Wenn Sie das eigene Kommunikationsverhalten beleuchten, können Sie sich dabei folgende Fragen stellen:

  • Spreche ich laut und verständlich genug? Insbesondere beim Tragen einer Maske sollte ein angenehmes Redetempo und eine angemessene Lautstärke beachtet werden.
  • Wie steht es um meine Gestik und Mimik? Wirken mein Gesichtsausdruck und meine Haltung unterstützend zu dem Gesagten? Oder lenken sie eher ab und verwirren den Gesprächspartner?
  • Kommt mein Auftreten authentisch rüber oder versuche ich mich zu verstellen?
  • Verliere ich oft den roten Faden oder ist ein klarer Gedankengang erkennbar? Es ist nur menschlich, sich vielleicht vor Begeisterung schnell einer neuen Überlegung zu widmen, wenn aber wir von Thema zu Thema gesprungen wird und der Ursprung der Konversation nicht mehr erkenntlich ist, könnte das den Gesprächspartner durcheinanderbringen.
  • Inwiefern gehe ich auf meinen Gesprächspartner ein? Lasse ich ihn oder sie ausreden und höre wirklich aktiv zu?

Wenn Sie diese Fragestellungen ehrlich beantworten können, fällt es Ihnen auch leichter, die nachfolgenden Tipps anzuwenden! Gehen Sie jedoch achtsam mit sich um und zwingen sich nicht zu mehr, als Ihnen guttut. Einsicht ist der erste Weg zur Besserung und wenn Sie den Willen haben, Ihre Kommunikation zu verbessern, dann ist dies schon die halbe Miete.

Tipp Nr. 2: Jede Situation für Gespräche nutzen

Versuchen Sie so viele Gesprächsmöglichkeiten wie möglich im Alltag zu nutzen. Sei es ein kleiner Plausch mit der Barista Ihres Lieblingscafés oder eine kleine Auszeit auf der Arbeit mit Ihren Kollegen: Je öfter Sie sich dazu überwinden, ein Gespräch anzufangen, desto schneller wird der Small Talk und die Nähe zu den Mitmenschen wieder zur Normalität und die Hemmschwelle niedriger.

Tipp Nr. 3: Den ersten Schritt wagen

Dieser Ratschlag geht Hand in Hand mit Tipp Nr. 2: Warten Sie nicht auf andere, sondern starten selbst einfach das Gespräch! Kein Mensch ist gerne peinlicher Stille ausgesetzt und Ihr Gegenüber ist Ihnen sicher dankbar, wenn Sie das Eis brechen. Versuchen Sie sich Ihre Umgebung zunutze zu machen oder stellen Sie ehrlich gemeinte Fragen an Ihr Gegenüber, um ins Gespräch zu kommen. Somit zeigen Sie aufrichtiges Interesse und schaffen eine Vertrauensbasis.

Auch hier ist es wichtig, nach und nach die eigenen Hemmungen abzulegen. Oftmals halten uns die eigenen Gedanken zurück und wir befürchten, dass wir etwas Falsches sagen – das ist jedoch selten der Fall und oft stehen wir uns einfach nur selbst im Weg!

Tipp Nr. 4: Verständnis schaffen und auch einholen

Der Klassiker schlechthin für misslungene Konversationen sind Verständnisprobleme, die nicht beseitigt werden. Dies gilt vonseiten des Zuhörers sowie auch Sprechers. Überwinden Sie sich also ruhig dazu, konkrete Fragen zu stellen, um die Absichten Ihres Gesprächspartners und den Kern der Aussagen auch wirklich richtig nachvollziehen zu können.

So zeigen Sie sich engagiert und vermitteln außerdem, dass Sie auch wirklich Interesse an dem haben, was Ihr Gegenüber zu sagen hat. Dasselbe kann allerdings aber auch der Sprecher vermitteln: Gehen Sie auch wirklich sicher, dass es Ihnen am Herzen liegt, dass Ihr Gesprächspartner Sie versteht und Sie sich nicht nur selbst reden hören möchten.

Dazu sind kurze Gesprächspausen das A und O, sodass Ihr Gegenüber auch einhaken und zusätzliche Fragen stellen kann. Ein flüssiges Gespräch entsteht nämlich erst dann, wenn die Rollen des Redners und des Zuhörers sich auch abwechseln.

Sollte es Ihnen immer öfter passieren, dass Sie Ihren Gesprächspartner bitten müssen, sich zu wiederholen, könnte dies ein erstes Anzeichen für einen Hörverlust sein. Unser Gehör stellt einen der wichtigsten Sinne für uns dar, denn zu hören heißt auch, sich mit Menschen austauschen zu können.

Wie schon erwähnt ist der soziale Kontakt eines der wichtigsten Grundbedürfnisse für uns Menschen. Wird dieses eingeschränkt, geht damit auch automatisch ein enormer Verlust der Lebensqualität einher. Hier hört es jedoch nicht auf, denn es können auch weitere gesundheitliche Folgen entstehen, wie zum Beispiel Demenz und Depression. Dementsprechend ist es nur ratsam, das eigene Gehör regelmäßig bei einem Hörakustiker oder HNO-Arzt zu überprüfen.

Tipp Nr. 5: Mit offenen Karten spielen

Sich in die Lage des anderen versetzen zu können, ist ein großes Hilfsmittel für gelungene Kommunikation. Versuchen Sie also aus Gestik, Mimik und selbstverständlich auch dem Gesagten abzuleiten, was Ihr Gegenüber gerade braucht, auch wenn dies derzeit durch das Maskentragen erschwert wird. Möchte die Person gerade einfach nur Dampf ablassen und der gut gemeinte Ratschlag könnte in die Hose gehen? Oder möchte die Person eben genau das: die ehrliche Meinung, aber der Gesprächspartner bleibt stumm?  Folglich ist es wichtig, immer ehrlich und offen über die Erwartungen eines Gesprächs zu sprechen, damit keine Enttäuschung entsteht.

Wenn Sie eines mitnehmen, dann ist es, dass Offenheit und Empathie unumgänglich sind, um Hemmungen während der Kommunikation zu lindern! Seien Sie jedoch nicht zu hart zu sich selbst, wenn der Small Talk nicht so reibungslos abläuft wie erhofft, denn Übung macht schließlich den Meister! Alle müssen sich wieder an die Situation gewöhnen, mit Kollegen im Büro zu sein, Menschen im Restaurant, auf Konferenzen etc. zu treffen. Dies ist eine Umstellung nach Monaten der Isolation, ganz allein oder nur mit der engeren Familie oder dem Partner.

 

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