Beethoven oder Beatles: Oder auch „Warum Keith Richards kein Mathematiker wurde“

Beethoven oder Beatles: Oder auch „Warum Keith Richards kein Mathematiker wurde“

Spannende Fakten und amüsante Einblicke zur Entwicklung des Gehörs bei Neugeborenen

Vielleicht zunächst mal ein kleiner Ausflug in die Kategorie „unnützes Wissen“: 
Babys können bis zu 120 Dezibel laut schreien – lauter als ein Presslufthammer also.

Es gibt kaum einen anderen Laut als den eines schreienden Babys, der (übrigens auch kinderlose) Frauen aus dem Schlaf hochschrecken lässt. Der Psychologe David Lewis hat herausgefunden, dass die Ursachen, warum Männer weinende Kinder einfach ignorieren können, in der Evolution liegen. Die steinzeitliche Rollenaufteilung führt heutzutage noch immer dazu, dass Frauen empfindlich auf Geräusche reagieren, die mit einer möglichen Gefahr für ihr Kind einhergehen könnten. Männer hingegen reagieren auf Geräusche, die die ganze Familie bedrohen könnten. Soviel zu unseren Urinstinkten.

In diesem Artikel möchten wir den Spieß aber mal herumdrehen und uns dem Thema des Hörens aus Sicht der noch ganz kleinen Menschen nähern.

Ab wann kann ein Baby eigentlich wirklich hören?

Säuglinge lernen ihre Muttersprache bereits in den ersten Monaten.

In unserem Artikel „Gut Hören prägt frühkindliche Sprachentwicklung“ berichteten wir bereits über eine Forschergruppe aus dem Babysprachlabor der Uni Konstanz, die zu dem Ergebnis kam, dass Säuglinge bereits in den ersten Lebensmonaten viele der 800 Weltsprachen unterscheiden können.

Doch fangen wir einmal viel früher an: Im Mutterleib, wo dieses kleine Wunder überhaupt entsteht.

Werdende Eltern kennen sie gut, die wiederkehrende Aufregung und das Kribbeln im Bauch bei jedem neuerlichen Gynäkologenbesuch. Wird es frische Ultraschallbilder geben, neue Erkenntnisse, ob auch wirklich alle Werte im Normbereich sind und sich der kleine Familienzuwachs so entwickelt, wie er soll?

Und überhaupt – sieht man schon, ob wir das Kinderzimmer hellblau oder doch lieber rosa streichen müssen?

Nachdem sich die ersten wesentlichen Organe zu bilden angefangen haben, erkennt man bereits in der 10. Schwangerschaftswoche das Ohr. Neben Magen, Herz und Leber ist es das nächste sehr wichtige Organ, denn der Hörsinn soll sich möglichst bis zur 23. Schwangerschaftswoche so weit entwickelt haben, dass erste Umgebungsgeräusche, und vor allem der Herzschlag der Mutter, wahrgenommen werden können.

„Das Baby hört alle Töne, die von der Mutter ausgehen“, sagt die Wissenschaftlerin Carolyn Granier-Deferre von der Universität Paris. Laut ihrer Studie hören Babys ab der 23. Schwangerschaftswoche das Herz der Mutter schlagen, den Magen rumoren und ihren rauschenden Blutkreislauf. Ab Woche 35 soll das Ungeborene bereits Tonhöhen unterscheiden können und Sprachrhythmen erkennen, so Psychologieprofessor Fred Genesse von der McGill-Universität in Kanada, Experte für den frühen Spracherwerb.

Boom vorgeburtlicher Förderprogramme bereits in den 90ern

Bereits in den 90er Jahren gab es einen regelrechten Boom vorgeburtlicher Förderprogramme in den USA. Neben der gezielten Beschallung des Ungeborenen mit klassischer Musik, um damit bereits die Intelligenz zu steigern, gab es zahlreiche weitere Programme, wie beispielsweise Taschenlampen-Blinken, das dem Ungeborenen schon im Mutterleib das Zählen beibringen sollte. Wie Sie nun zu Recht denken werden – teils harter Tobak, aber schauen wir weiter…

 

Die Gebärmutter – das erste Klassenzimmer des Menschen

 

Beethoven für das Ungeborene oder doch lieber die Beatles?

Kein anderer als der Pionier pränataler Förderung aus Kalifornien, Rene Van de Carr, will in seinen Studien herausgefunden haben, dass ein Fötus im neunten Monat fähig ist, seinen Atemrhythmus an Beethovens fünfte Symphonie anzupassen, wenn ihm diese während der Schwangerschaft regelmäßig vorgespielt wurde. Da jedoch das Fruchtwasser erheblich dämpft und Geräusche von außen verfremdet, ist es eher fraglich, wie viel dort drinnen wirklich ankommt. Bis zu 80 Dezibel beträgt der Lärmpegel im Mutterleib, etwa so viel wie an einer vielbefahrenen Autobahn. „Von Mozart kommt da nicht viel an, Rockmusik wäre besser geeignet,“ sagt der Neurologe Matthias Schwab von der Uniklinik Jena. Da ein Ungeborenes aber von Haus aus bis zu 20 Stunden am Tag schläft, ist eine Dauerlärm-Kulisse wohl eher kontraproduktiv.

Bislang kann die Forschung übrigens nicht tatsächlich nachweisen, dass ungeborene Kinder durch spezielle Förderung schlauer, gesünder, einfühlsamer oder gar musikalischer werden. Lauschen Sie also lieber YELLOW SUBMARINE statt der Mondscheinsonate, steht der Karriere Ihres Sprösslings als Mathematikprofessor dennoch absolut nichts im Wege. Na dann – Rock´n Roll!

Apropos Rock´n Roll:

Gerüchten zufolge soll übrigens Doris Dupree Richards, ihres Zeichens leibhaftige Mutter des Rolling Stones Gitarristen Keith Richards, dem kleinen Keith im Bauch schon immer herzlich gerne beruhigende Klänge klassischer Musik vorgespielt haben.

Wie wir alle wissen, ist das Rockidol nun nicht unbedingt ein Kind von Traurigkeit geworden und hat, soweit wir recherchieren konnten, auch nie in Quantenphysik promoviert. Da sieht man es mal wieder… die Natur folgt ihren eigenen Regeln und erst recht das Wunder des Lebens.

Unser wichtigster Ratschlag an werdende Eltern ist daher folgender: Lassen Sie sich nicht zu sehr verunsichern – Sie sind schließlich wortwörtlich in „froher Erwartung“ und, egal was Ihr Kind so alles zu hören bekommen wird,… am liebsten hört es, wie sehr Sie es lieb haben!

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